Ausstellung

Mensch und Tier im Revier

Von Bergleuten mit Hufen und fliegenden Briefträgern erzählt eine Ausstellung in Waltrop. Sie zeigt, wie sich die Beziehung von Mensch und Tier im Ruhrgebiet seit der Industrialisierung gewandelt hat.

Bis 1966 schufteten Zehntausende von Grubenpferden im Ruhrgebiet unter Tage. Die ruhigen Ponys zogen in ihrem kurzen Leben Wagen voller Kohle und Material durch die Schächte.

In der Sonderausstellung „Boten, Helfer und Gefährten – Beziehungen von Mensch und Tier im Wandel“ lässt sich das Geschirr des letzten Grubenpferds der Zeche Zollern in Dortmund entdecken.

Über 300 Exponate und zahlreiche Medienstationen beleuchten das wechselvolle Verhältnis von Tieren und Menschen von der Industrialisierung bis heute. Noch bis zum 24. April 2022 sind sie im Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop im Kreis Recklinghausen zu sehen.

Wappentier Westfalens

Gerade beim Pferd wird dieser Wandel besonders sichtbar. Aus dem Arbeitstier ist ein beliebter Sportpartner und Freizeitfreund geworden. Heute ist der Reitsport ein Massenphänomen. So hält NRW die Spitzenposition bei der Anzahl der Reitsportvereine in Deutschland. Das Reiten füllt ­Bücher, Blogs und Zeitschriften.

Das Industriezeitalter brachte die Pferde aber nicht nur ins Bergwerk, sondern auch auf die Rennbahnen des Ruhrgebiets. 1875 fand auf der eigens angelegten Pferderennbahn in Castrop das erste große Pferderennen im Ruhrgebiet statt.

Eine Glocke des Rennvereins von 1874 und historische Postkarten zeugen von dieser ­Blüte des Rennsports im Revier.

Die Ausstellung verschweigt nicht, dass das westfälische Wappentier aber auch beim Metzger lan­dete und Rossfleisch nicht nur in Notzeiten verspeist wurde.

Für Besucher
Öffnungszeiten: Dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr.
Eintrittspreise: Vorübergehend gelten reduzierte Eintrittspreise, da das Kessel- und das Maschinenhaus aufgrund von Bau­arbeiten für die neue Dauer­ausstellung geschlossen sind.
Erwachsene: 3,50 €, ermäßigt 1,50 €; Kinder, Jugendliche, Schüler und Schülerinnen frei. Bitte beachten Sie die Corona-Regeln.
Telefon: (0  23  63) 97  07-0
www.schiffshebewerk-henrichburg.lwl.org

Ratten der Lüfte

Als das Rennpferd des kleinen Mannes gilt die Taube. Aus militärischen Gründen unterstützten die Preußen ab 1876 die Gründung von Brieftaubenzuchtvereinen. Im Ruhrgebiet fiel um 1900 diese Idee auf besonders fruchtbaren Boden. Die Siedlungshäuser der Arbeiterkolonien boten mit den großen Gärten und Dachböden ideale Voraussetzung für die Taubenschläge.

Bis heute ist im Ruhrgebiet die Brieftaubenzucht und das Wetten auf Preisflüge populär, trotz eines Rückgangs der aktiven Züchter.

Dabei ist das Bild der Taube zwiespältig: Die weiße Taube gilt als Friedens- und Liebessymbol, ihre grauen Artgenossen in den Innenstädten hingegen als „Ratten der Lüfte“. Mit Netzen, Abwehrspikes und sogar Strom werden die Stadttauben vergrämt.

Zahlreiche Initiativen setzten sich für den Schutz der frei lebenden Tauben und ein friedliches Miteinander ein. Ein Erste-Hilfe-Set für Stadttauben ist in diesem Bereich ausgestellt.

Der erste Bergmann

Voller Widersprüche steckt auch das Verhältnis zum Schwein. Bis in die 1960er-Jahre wurden in vielen Dörfern und in den Siedlungen der Bergleute noch Schweine gehalten – und geschlachtet. Die Ausstellung zeigt die Ausrüstung für die Hausschlachtung aus Leiter, Krummholz und Messern.

Mittlerweile ist der Fleischlieferant Nummer eins für viele fast komplett aus dem Alltag verschwunden. Was in modernen Ställen und Schlachthöfen passiert, ist weitgehend unbekannt. In der Ausstellung zeigen Landwirte in 3-D-Videos die Haltungsformen 1 bis 4, von „Stallhaltung“ bis „Premium“.

Ein weiteres interessantes Detail: Im Revier gilt das Schwein als der erste Bergmann. Der Sage nach wühlte es dort, wo sein Hirte später ein nicht erlöschendes Lagerfeuer entfachte. Die Ausstellung zeigt, dass manche Kinder Schweine heute nur als Figuren wie ­„Peppa Pig“ kennen. Im Ruhrgebiet selbst hat sich das Plüschtier „Pottpauli“ zum Reiseführer für Kinder entwickelt.

Nicht nur Honig

Ein durchweg positives Image hat die Biene. Sie gilt als fleißig. Nicht nur der BVB hat sie zu seinem Maskottchen erkoren. Sie steht als Symbol für Umweltschutz und Artenvielfalt. Schon in der Hochphase der Schwerindustrie beklagten Imker im Ruhrpott die negativen Auswirkungen des Rauches auf ihre Bienenvölker und den Rückgang der Honigerträge. Das ist aber lange her.

Seit ein paar Jahren erlebt die Imkerei eine regelrechte Renaissance. Die Zahl der Imker steigt auch in den Städten. Dafür gibt es sogar einen eigenen englischen Fachbegriff: „Urban Beekeeping“.

Seit 2012 widmen sich die „Ruhrstadtimker“, der mitgliederstärkste Imkerverein im Ruhrgebiet, der Bienenzucht. Im Mittelpunkt steht die Arbeit mit den Bienenvölkern, nicht der Honigertrag.

So zeigen sich im Kleinen große Entwicklungen: Wer heute mit ­Tieren umgeht, sieht das immer häufiger als Freizeitvergnügen. Das Nutzen – ob als Arbeitskraft oder Nahrungslieferant – ist hingegen immer stärker aus dem Alltag vieler Menschen verschwunden.

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