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Ausstellung in Dortmund

Ist Winnetou einer von hier?

„Cowboy & Indianer – made in Germany“: Eine Mitmach-Ausstellung in Dortmund geht unserem Bild vom Wilden Westen auf den Grund. An diesem Wochenende schließt die Schau mit einem großen Familienfest.

Dieser Federschmuck für Show-Indianer stammt aus den USA und ist vor gut 100 Jahren angefertigt worden. Fotos: Museum

Sie tragen Federhauben, rauchen Friedenspfeife und kennen keinen Schmerz: Das Bild des Indianers hat sich kaum verändert, seit um 1900 die ersten Plakate für Indianerschauen ausgehängt worden sind. Wie sehr unser Bild vom „Wilden Westen“ von Klischees geprägt sind, zeigt eine Ausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund (MKK) mit dem Titel „Cowboy & Indianer – Made in Germany“.

Sie will nicht über die historische Wirklichkeit des Wilden Westens aufklären, sondern den Besucher „mit dem Indianerbild konfrontieren, das er seit seiner Kindheit im Kopf und Herzen trägt – und an die nächste Generation weitergibt“, heißt es im Museum.

Buffalo Bill war in Dortmund

Dass die Leidenschaft der Deutschen für den amerikanischen Wilden Westen ausgerechnet in Dortmund thematisiert wird, hat seinen Grund: Der legendäre Buffalo Bill gastierte mit seiner Show im Mai 1891 in Dortmund: Mit Hunderten von Indianern, Cowboys, Pferden und Büffeln zog er damals in den Fredenbaumpark ein. Waghalsige Reitkünste, eine inszenierte Büffeljagd sowie ein Postkutschenüberfall mit Indianergeheul hinterließen einen nachhaltigen Eindruck, wie in der Ausstellung gezeigt wird, unter anderem in einem Nachbau von Buffalo Bills Arena.

Seine Auftritte in Dortmund und 23 weiteren Städten in Deutschland fachten hierzulande die Begeisterung für Cowboys und Indianer, für Freiheit und Abenteuer an. Die Literatur tat ihr übriges: „Lederstrumpf“-Geschichten von James Fenimore Cooper, vor allem aber die Winnetou-Trilogie des Sachsen Karl May, der nie im „echten“ Wilden Westen der USA gewesen ist, beflügelten die Phantasien von Generationen. Karl May brachte es sogar zum weltweit meistübersetzten deutschen Autor mit einer Auflage von geschätzt 200 Mio. Exemplaren.

Winnetous Kino-Kluft

Die Winnetou-Filme der 60er-Jahre trieben die Verbreitung populärer Indianer-Mythen weiter an. Auffällig: Dem Titeldarsteller Pierre Brice gelang weder in Frankreich noch in Italien der Durchbruch, in Deutschland hingegen erlebte er eine einzigartige Filmkarriere.

In der Dortmunder Ausstellung gibt es ein eigens eingerichtete Kino-Ecke, in dem ein „Best of“ der Western-Filme zu sehen ist. Auch das originale Filmkostüm von Pierre Brice ist zu sehen, außerdem die Filmperücke von Gojko Mitic, dem bekanntesten Filmindianer der DEFA, sowie ein Kleid des einzigen deutschen „Cowgirls“, das je in Hollywood Fuß fassen konnte: Marlene Dietrichs Kostüm als sich prügelnde Barfrau Frenchy in „Der große Bluff“ von 1939.

Hol’ das Lasso raus

Westernvereine, Karnevalsverkleidungen und Kinderspielzeug zeigen, dass der Umgang mit dem Wilden Westen immer spielerisch war. Das bestätigen auch Schlager wie „Ich will nen Cowboy als Mann“ und „Komm hol das Lasso raus“ oder der Kino-Klaumauk „Der Schuh des Manitu“.

Auch in der Ausstellung mit ihren 180 Objekten auf mehr als 1000 m2 darf gespielt werden. Ein Kletterfelsen lädt zu Erkundungen ein. Die Tipis im Indianerdorf locken mit Hörstationen. Ein Lagerfeuer lodert. Und im stilecht nachgebauten Saloon dürfen an der Bar Flaschen geworfen werden. Für die kleinsten Besucher gibt es Plüsch-Mustangs, ein Zirkuswagen mit Kostümen ermöglicht jedem, in seine Lieblingsrolle zu schlüpfen.

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Die Ausstellung „Cowboy & Indianer – Made in Germany“ im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund ist nur noch bis diesen Sonntag, 21. Oktober, von 10 bis 17 Uhr geöffnet (am Samstag ab 12 Uhr.).
Am Sonntag, 21. Oktober, schließt die Ausstellung mit einem ganztägigen Museumsfest für die ganze Familie. Der Eintritt ist frei.
Weitere Informationen unter Tel. (02 31) 5 02 55 22.
www.mkk.dortmund.de