Das "Verstärkeramt"

Hightech von gestern

Oben Fachwerk und Bauernhofcafé, unten ein Museum für Radio-, Fernseh- und Funktechnik: Das "Verstärkeramt" bei St. Vit (Kreis Gütersloh) war in den Kriegsjahren ein Knotenpunkt des NS-Nachrichtennetzes.

Der Weg führt in die Irre – und der erste Eindruck täuscht. An der Straße zwischen Wiedenbrück und St. Vit bilden zwei schmucke Fachwerkhäuser mit Sprossenfenstern und hoch aufragendem Giebel einen Hof. Wer das Haupthaus betritt und meint, nach wenigen Schritten am Herdfeuer zu stehen, dürfte überrascht sein. Denn direkt hinter der Tür führt eine Treppe steil abwärts in ein Kellerlabyrinth.

Angelegt zur Kriegsvorbereitung

In den Räumen befand sich einst ein Knotenpunkt des Fernmeldewesens, das „Verstärkeramt“ der Deutschen Reichspost. Es verstärkte Signale der Telefonleitungen, damit Ferngespräche etwa aus Aachen auch noch in Königsberg hörbar waren. Dafür sorgten in St. Vit aufwändige Apparaturen, die von immerhin 70 Menschen bedient wurden. Sie arbeiteten im Keller oder in den Büros im getarnten Haupthaus.

Angelegt worden ist die Anlage als Teil der NS-Kriegsvorbereitung 1937/38. Nach Kriegsende 1945 benötigten die amerikanischen Besatzungstruppen noch etliche Wochen, um herauszufinden, was auf dem „Hof“ tatsächlich geschah.

Museum unter dem Tarnbauernhof

Ein Museumsverein mit rund 50 Mitgliedern nutzt seit 2004 den Keller des Tarnbauernhofes für seine Zwecke. Die rund 50 Mitglieder haben Funk-, Radio- und Fernsehtechnik gesammelt: vom einfachen Morsegerät über das selbstgebastelte Radio deutscher Kriegsgefangener in Russland bis zu den kiloschweren ersten tragbaren Telefonen aus den 1980er Jahren.

Radios, Fernseher, Schallplatten- und Tonbandgeräte aller Baujahre und Fabrikate, außerdem Telefone aller Art und Größe aus „Kaisers Zeiten“ bis in die Gegenwart bilden den Hauptteil der Sammlung. Er ist auf 2700 m2 Ausstellungsfläche „unter Tage“ ausgebreitet. Ein Vermittlungsamt der 20er Jahre ist mit Original-Inventar nachgestellt, außerdem ein Wiedenbrücker Wohnzimmer der 50er-Jahre oder auch ein Büroraum mit Fernschreiber.

Tipps für Besucher

Wer einen Rundgang vereinbart, sollte anderthalb Stunden Besichtigungszeit einplanen – mindestens. Wem dann nach Erholung zumute ist, findet sie im „Cafè im Verstärkeramt“.

Das Radio- und Telefon-Museum im Verstärkeramt liegt an der Eusterbrockstraße 44 in 33378 Rheda-Wiedenbrück. Es ist samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Gruppen können andere Besichtigungstermine vereinbaren unter Tel. (05242) 44330, www.verstaerkeramt.eu.


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