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Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kultur

Turner-Ausstellung in Münster: Bilder wie Blitz und Donner

Um diese Leihgaben aus London reißt sich die halbe Welt – in Westfalen sind sie zu sehen: Das Landesmuseum in Münster zeigt Werke des Landschaftsmalers William Turner. Wie dieses Kunststück im Schatten des Brexit geglückt ist, war spannend bis zuletzt.

Besucherin vor dem Gemälde Turners, das den mehrdeutigen Titel trägt: „Frieden – ein Begräbnis auf hoher See“.

Der Weltuntergang findet in Raum 6 statt. Feuer fällt dort vom Himmel. Blitze schlagen durch die Nacht. Bäume biegen sich im Gewitter zu Boden, Wassermassen verschlingen Menschen und Tiere.

Ja, William Turner, der weltberühmte Landschaftsmaler aus London, hat es im 19. Jahrhundert bisweilen richtig krachen lassen. Seine eindrucksvollen Gemälde von Sintfluten und vom Weltuntergang bilden den Abschluss einer Sonderausstellung im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kultur in Münster, die schon jetzt als „einzigartig“, als „Blockbuster“ und als „besonderer Höhepunkt“ gefeiert wird.

Eine böse Kritik

In sechs großen Räumen verteilt sind mehr als 80 Ölgemälde und Aquarelle des Künstlers, der sich für nichts so sehr interessiert hat wie für die Landschaft und die Kraft der Elemente. Täler, Schluchten, weite Strände, Wind und ­Wetter: Das alles malte er in einer Weise, die ihrer Zeit weit voraus war – und von einigen seiner Zeitgenossen übel beleumundet wurde. „Seine Kritiker warfen ihm vor, er male nicht mit dem Pinsel, sondern mit dem Wischmob“, erzählt die Kunsthistorikerin Judith Claus, die diese Sonderausstellung erarbeitet hat. „Aber seine besondere Malweise hat ihn unvergesslich werden lassen.“

Europas großer Landschaftsmaler

Im Kutschenzeitalter reiste Turner durch Europa. Hautnah erlebte er die Kräfte der Natur, die allseits Angst und Schrecken verbreiteten. Turner hielt das fest – nicht nur in seinen Weltuntergangsbildern, sondern auch in seinen Momentaufnahmen von Stürmen, Lawinen oder Geröllabgängen, die ganze Dörfer unter sich begruben. Aber auch die Windstille am Strand, der diffuse Nebel über dem See oder die leichten Wolken eines Sommertags bannte er wie kein Zweiter seiner Zeit auf Leinwand. „Was zuvor in der Kunst nur Hintergrund war, wird bei Turner zum Hauptmotiv, es ist der Durchbruch der Landschaftsma­lerei“, schwärmt Hermann Arnhold, der Direktor des Landesmuseums, auf der Eröffnungspressekonferenz in Münster.

Turner zähle heute zu den Größten seines Landes, betonte David B. Brown, der in der Tate Gallery in London das Werk des Künstlers betreut und eigens zur Eröffnung nach Münster gekommen ist. „Turners Werke sind heute Besitz der britischen Nation und eines der prachtvollsten Beispiele für das künstlerische Erbe unseres Landes.“

Aber warum kann ausgerechnet das Museum in Münster solch hochkarätige Leihgaben aus London ausstellen, um die sich die halbe Welt reißt? Arnhold betont, dass sein Haus seit vielen Jahren einen engen Austausch mit britischen Museen pflege. Die Brexit- Debatte habe diese Brücken zum Glück nicht abbrechen lassen. „Aber wir haben dafür gesorgt, dass alle Bilder vor dem 31. Ok­tober in Münster waren“, verrät Arnhold.

Drama am Rand des Brexit

Auf der Pressekonferenz berichtete er auch von den dramatischen Vorbereitungen: „Niemand wusste ja, was geschehen würde. Die Transportunternehmen hatten vorsorglich Plätze auf den Fähren über den Ärmelkanal reserviert, falls es zu Dauerstaus im Tunnel kommen würde.“Auch aus diesem Grund trägt die Ausstellung in Münster ihren Titel vollkommen zu Recht: „Horror and Delight – Schrecken und Freude“.

Gut zu wissen

Die Ausstellung „Turner – Horror and Delight“ ist bis zum 26. Januar kommenden Jahres zu sehen im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kultur in Münster, Domplatz 10.
Öffnungszeiten: Das Museum ist während der Sonderausstellung dienstags bis donnerstags von 9  bis 18 Uhr, freitags bis sonntags von 10 bis 20 Uhr geöffnet.
Eintritt:
Der Kombi-Eintritt für Sonderausstellung und Dauerausstellung kostet 13 €, ermäßigt 6,50 €. Der Eintritt ist frei für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre, außerdem für jeden am zweiten Freitag im Monat ab 18 Uhr.
Und sonst?
Der Begleitkatalog kostet 27 €. – Zum ersten Mal bietet das Landesmuseum via Internet (www.turner2019.de) ein „Digitorial“ an. Es informiert ­multimedial über die Sonderausstellung, den Künstler und seine Bilder.
Weitere Informationen unter Tel. (0251) 5 90 72 01, www.lwl-museum-kunst-kultur.de.