Wanderausstellung "Westfalen im Mondfieber"

Neil Armstrong war Westfale – jedenfalls ein bisschen...

Eine neue Sonderausstellung im Naturkundemuseum Münster zeigt die hellen und die dunklen Seiten der Mondlandung vor 50 Jahren – und einige erstaunliche Bezüge des Weltereignisses zu Westfalen.

Ein rhythmisches Piepen ist als Erstes zu hören. Es folgt eine markante Stimme, die auf Englisch rückwärts bis „Zero“ zählt. Es dröhnt und zischt, ehe ein gewisser Gus Backus trällert: „Haben Sie schon mal den Mann im Mond geseh’n?“

Der Schmalzlocken-Schlager aus den 60er-Jahren und sein Raketenvorspiel ist eines von vielen Musikstücken, die die Begeisterung für den Mond und die Weltraumfahrt der damaligen Zeit einfangen. Dieses Mondfieber erreichte vor 50 Jahren, im Sommer 1969, seinen Höhepunkt: Am 21. Juli 1969 betrat mit Neil Armstrong der erste Mensch den Mond.

Moonboots von der NASA

Diesem Jahrhundertereignis ist die neue Wanderausstellung des Westfälischen Museumsamtes gewidmet, einer Einrichtung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Die Mondfahrer-Schau ist seit Kurzem im Museum für Naturkunde des LWL in Münster zu ­sehen und wird anschließend in sieben weiteren Museen in Westfalen gezeigt.

Zu sehen sind mehr als 120 Objekte: vom Original-Astronautenschuh bis zum streichholzschachtelgroßen Behälter mit echtem Mondstaub, vom Aufnäher mit dem Siegel des Apollo-11-Programms bis zum Quartettspiel zur TV-Kultserie „Raumschiff Orion“. An sechs Medienstationen gibt es insgesamt 150 Minuten Video­material zu sehen, dazu 180 Fotografien, die in der Mehrzahl aus dem Bestand der NASA stammen.

Ein Westfale auf dem Mond?
Neil Armstrong, der erste Mensch auf dem Mond, ist Amerikaner. Denn geboren wurde er 1930 unweit der Ortschaft Wapakoneta in Ohio, USA. Sein Geburtsort war eine Farm mit dem Namen Koetter-Korspeter. Sein Vater war schottisch-irischer Herkunft. Seine Mutter Viola Engel, die Eigentümerin der Farm, hatte westfälische Vorfahren, die aus Ladbergen, Westerkappeln und Leeden stammten. Ihr Großvater Friedrich Kötter aus Ladbergen hatte um 1870 den besagten Hof bei Wapakoneta aufgebaut.

Ladbergen hat vor einigen Jahren mit diesem Teddy an die westfälischen Wurzeln Neil Armstrongs erinnert. (Bildquelle: Museum)

„Westfalen im Mondfieber“ lautet der Titel der Wanderausstellung, die in drei ­Teilen präsentiert wird:

Das Raumfahrtprogramm der NASA in den 1960er-Jahren und die Mission der Apollo-11-Mannschaft zum Mond im Juli 1969 stehen im Mittelpunkt. Modelle der Saturn-Rakete und der Mondlandefähre lassen das Ereignis noch einmal lebendig werden. Fotos der NASA, Filmsequenzen der Landung, aber auch Ausschnitte aus Zeitungen, Radio und Fernsehen erinnern an das globale Medien­ereignis.

● Die dunkle Seite der Mondlandung, damals meist verschwiegen, findet sich ebenfalls in der Ausstellung: Wernher von Braun, 1969 als „Held der USA“ und „Vater der US-Raumfahrt“ verehrt, hatte wie einige seiner engsten Mitarbeiter in der Nazi-Zeit seine ersten Erfahrungen gesammelt. Der SS-Sturmbannführer von Braun hat in Peenemünde die berüchtigte, von der Nazi-Propaganda hochgefeierte „Vergeltungswaffe 2“ (V 2) mit­entwickelt. Dabei konnte er sich auf ein Heer von KZ-Häftlingen stützen.

Reste einer Häftlingskluft, Totenscheine, zerfetzte Schalter oder auch die verrostete Spitze der Rakete werfen in der Ausstellung ein grelles Licht auf dieses Vorkapitel. Es hat Tausenden Menschen das Leben gekostet, entweder beim Bau der Rakete oder auch durch die Abschüsse in Richtung Westen, vor allem nach Antwerpen. Abgefeuert wurde die V 2 auch aus etlichen versteckten Waldstücken im Münsterland, wie eine Karte der Abschussrampen zeigt.

● Der dritte Teil blickt auf die vielfältigen Neben- und Nachwirkungen der Mondfahrt, etwa in Literatur, Film und Popkultur. In der Ausstellung können Besucher neben dem eingangs erwähnten Gus Backus auch Frank Sinatra hören („Fly me to the moon“), Elton John („Rocket Man“) oder Police ­(„Walking on the Moon“).

Zu den Neben- und Nachwirkung gehören auch die vielen Alltagsdinge, die auf Erfindungen der Raumfahrt zurückgehen: die Tef­lonbeschichtung etwa, die goldbedampfte Rettungsdecke oder der Handstaubsauger – er wurde in den NASA-Labors entwickelt, um den Raumfahrern den Mondstaub vom Anzug zu saugen.

Der Beweis aus Bochum

Zu den Nachwirkungen zählt auch die Verschwörungstheorie, nach der die Mondlandung nie stattgefunden haben soll. Sie sei in Filmstudios in Szene gesetzt worden. Zu diesem Unfug gibt es viele schlagende Gegenbeweise. Einer stammt aus West­falen: Die Bochumer Sternwarte hat im Sommer 1969 eine große Parabol-Antenne in Stellung gebracht und die Funksignale vom Mond empfangen, eigenständig und unabhängig von der NASA.

Gut zu wissen
Ort: Die Wanderausstellung „Westfalen im Mondfieber“ ist bis zum 23. Juni im Museum für Natur­kunde in Münster zu sehen. Das Museum am Allwetterzoo ist täglich außer montags von 9 bis 18 Uhr geöffnet.
Eintritt: Erwachsene 7,50 €, Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre haben freien Eintritt.
Katalog: Das Begleitbuch mit 148 Seiten und 151 Abbildungen kostet 14,90 €.
Weitere Informationen: Tel. (02  51) 5  91  60  50, www.naturkundemuseum-­muenster.de.
Von Münster aus wandert die Schau durch Westfalen. Das sind die nächsten Stationen:
● Stadtmuseum Bergkamen vom 30. Juni bis 25. August,
● Museen der Stadt Lüdenscheid vom 1. September bis 27. Oktober,
● Naturkundemuseum Bielefeld vom 3. November 2019 bis 26. Januar 2020.
Spätere Stationen sind Lippstadt, Dortmund, Minden und Iserlohn.
www.lwl-museumsamt.de


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