Unterwegs in Westfalen

Kötter, Ketten, Hammerschläge - das Kettenmuseum in Fröndenberg

Unser Tipp für den Sommerausflug nach nebenan: Am Ruhrradweg bei Fröndenberg liegt das Kettenmuseum.

Glüht das Eisen, kommt der Schmied zur Sache. Mit schnellen, geübten Hammerschlägen biegt er den Stab, schärft an und verschweißt die ­Enden. Ein Kettenglied ist entstanden, die Kette wieder ein Stück ­gewachsen. Kraft und Geschick braucht es für diese Arbeit – und ein Feuer, das den Stahl auf Temperatur bringt. 1300 °C müssen es schon sein.

Zu einem U gebogen

Ein Besuch im Westfälischen Ketten­schmiedemuseum in Fröndenberg an der Ruhr ist eine eindrucksvolle Angelegenheit. Auf dem Gelände einer alten Papier­fabrik hat ein Verein zusammengetragen und aufgebaut, was zur Herstellung von Ketten erforderlich ist. Als da wären:

  • Eine Schmiedefeueranlage mit Fallhämmern, Schneide- und Biege­maschinen,
  • elektrische Handschweißmaschinen und Kettenschweißautomaten, dazu
  • das ganze Drumherum an Werkzeugen, Stählen, Ketten aller Größen und Arten, Rollfässer, Prüf­anlage und Schautafeln, die das Ganze erklären.

Die meisten Maschinen werden bei einer Führung im Betrieb gezeigt. Was vor sich geht, liegt offen zu Tage – die reine Mechanik. Wie der Stahl in passende Stücke geschnitten, zu einem U gebogen, warm in das jüngste Kettenglied eingehängt und schließlich verschlossen wird – alles logisch, ­alles klar. Trotzdem: Kettenschmieden ist eine Welt für sich.

Was es da nicht alles gibt: Bindeketten, Viehketten, Gerüst-, Wagen- und Karrenketten, Trag- und Zugketten, Ketten geknüpft und gedreht, Ketten fürs Militär, für den Bergbau, Ankerketten mit Steg für Schiffe, Ketten mit Ringen und Haken, Knebeln und Wirbeln, ­Ketten für alles und jeden, Ketten für die Welt.

Eine Region lag an der Kette

In der Gegend um Fröndenberg und Iserlohn waren die Kettenschmieden zu Hause. Als es im 19. Jahrhundert losging, waren es die Kötter, die neben ihrer Mini-­Landwirtschaft in einem kleinen Schmiedehäuschen in Heimarbeit Ketten herstellten. Zu zweit oder zu dritt und meist im Winterhalbjahr standen sie am Schmiedefeuer, traten den Blasebalg und schlugen mit dem Hammer zu, pro Glied sieben Mal. 30 m Kette pro Tag war der Plan, harte, eintönige Arbeit von früh bis spät bei spärlichem Lohn.

Wilhelm Prünte war der erste, der 1858 in Fröndenberg eine Kettenschmiedefabrik gründete. Andere folgten nach und schließlich galt Fröndenberg als Stadt der Ketten mit mehr als 4000 Beschäftigten. Rund 100 Jahre ging das gut, bis in den 1980er-Jahren das märkische Sauerland im internationalen Wettbewerb nicht mehr mithalten konnte. Bevor die letzte Fabrik abgerissen und die letzte Biegemaschine auf dem Schrott gelandet war, hatte sich das Team vom Förderverein ­gekümmert und die Sachzeugen der industriellen Tradition für die Nachwelt bewahrt.

Am Ruhrtalradweg

Heute wirkt die Welt aus Feuer und Stahl fast exotisch. Ein Ausflug in diese fremde, dabei gar nicht so ­ferne Vergangenheit bietet sich vor allem den Radfahrern an, die auf dem Ruhrtalradweg unterwegs sind. Diese beliebte Route führt ganz in der Nähe vorbei. Vielleicht fällt dem ein oder anderen Radler auf, was sein Fahrzeug mit die­sem kleinen, aber feinen ­Museum zu tun hat: Hätte, hätte, Fahr­radkette…

Die wuchtige Stanze zeigt schon mal den Weg: Direkt am Ruhrradweg liegt das Kettenschmiedemuseum – sehenswert, auch in Corona-Zeiten. (Bildquelle: C. Mörstedt)

Hier geht’s lang

Ort: Das Westfälische Kettenschmiedemuseum, Himmelmannpark, Ruhrstraße 12, 58730 Fröndenberg/Ruhr, liegt am Ruhrtalradweg, ziemlich genau auf der Hälfte zwischen Ruhrquelle und Rhein.
Eintritt:
frei – Spende erwünscht.
Geöffnet: Unter den Corona-Bedingungen ist das Museum derzeit nur sonntags von 11 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Schmiedevorführungen sind jeweils am ersten Sonntag im Monat stündlich von 10.30 bis 14.30 Uhr zu sehen.
Wegen der Corona-Einschränkungen können Gruppen bis maximal 6 Personen gleichzeitig das Haus besuchen.
Weitere Informationen: Anmel­dungen bei Norbert Muczka, Tel. (0  23  03) 8  20  04 oder (01  71) 7  09  29  63, E-Mail: norbert-muczka@t-online.de.

www.freu-dich-auf-froendenberg.de
www.ruhrtalradweg.de


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