Zum Inhalt springen
21 °C Münster (Westfalen)

Drücken Sie Öffnen / Eingabe / Enter / Return um die Suche zu starten

DA Kunsthaus Kloster Gravenhorst

Kloster zeigt hochkarätige Kunst für den ländlichen Raum

Das Kloster Gravenhorst bei Hörstel, Kreis Steinfurt, startet drei neue Projekte zur Kunst im ländlichen Raum. Es geht um Grünkohl, goldene Scheiben – und um die Suche nach verschwundenen Innenräumen im Dorf.

Kloster Gravenhorst bei Hörstel war Fabrik, Jagdschloss, Flüchtlingslager – und ist seit 15 Jahren „DA Kunsthaus“.

Wer hat denn schon mal in Riesenbeck im Dorfknast, also im „Kittchen“ gesessen? Claudia Antonius und JörgJozowiak fragen das augenzwinkernd, aber durchaus ernst. Die beiden suchen dringend jemanden, der diesen längst verschwundenen Ort von innen kennt und beschreiben kann. „Die Älteren im Dorf erinnern sich alle noch an diesen Bau, aber keiner konnte uns bislang schildern, wie es da drinnen ausgesehen hat.“

Aber wo in der Dorfschule der Ofen stand, wo im Lebensmittelgeschäft von Paula Lütkemeyer die Schokotafeln und die Stopfwolle zum Verkauf lagen und warum im Kontor der einstigen Landmaschinenfabrik Niemeyer Mäuse am Papierkorb nagten – das alles hat das Wiener Künstlerpaar bereits in Erfahrung bringen können. Mitglieder des örtlichen Heimatvereins sowie betag­-te Frauen und Männer des Altenheims St. Elisabeth haben den beiden bis ins Detail berichtet, welche verschwundenen Innenräume des Dorfes sie bis heute als Erinnerung in sich tragen.

Die beiden Künstler aus Wien suchen in Riesenbeck solche „verschwundene Räume“, um sie später in stilisierter Form nachzuzeichnen und ihren einstigen Sinn zu erkunden. Sinnsuche und Heimatkunde einmal ganz anders: Das ist der Kern des Kunstprojektes, das die beiden derzeit unter dem Titel „Einst war jetzt“ im Kloster Gravenhorst in die Tat umsetzen.

Werke mit Ortsbezug

Das Kloster, ein jahrhundertealtes Baudenkmal, dient seit gut 15 Jahren als Ort für hochkarätige zeit­genössische Kunst im ländlichen Raum. Es beherbergt Ateliers, in denen Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland und Europa für ein Jahr als Stipendiaten arbeiten können.

Einzige Bedingung: Ihre Werke müssen einen Bezug zum Ort, zur umgebenden Landschaft oder zur Bevölkerung herstellen. Das sorgt dafür, dass die Werke, die in Gravenhorst entstehen, nicht auf einer kunstästhetischen „Wolke sieben“ entschweben. Vielmehr sind sie mit den Menschen und Landschaften nebenan verbunden.

Das Publikum war beeindruckt: Ein Licht- und Klang-Konzert im ehemaligen Schlafsaal des Klosters bildete in der vergangenen Woche den Auftakt zum neuen Projektjahr.

Grünkohl und Goldschalen

In der vergangenen Woche wurden die diesjährigen drei Projekte vorgestellt. Neben der Suche nach den verschwundenen Orten geht es unter anderem um – Grünkohl. Die westfälische Allerweltspflanze steht im Mittelpunkt eines Kunstprojektes von Swaantje Güntzel und Jan Philipp Scheibe. Die beiden wollen am Kloster in Kürze einen Grünkohlacker anlegen und unter anderem die Kultur dieser Pflanze, frühere Rezepte, Redensarten und Geschichten zum Grünkohl erkunden und gestalten.

„Sonne.Mond.Wasser“ lautet der Titel der Skulptur, die der Zimmermann und Architekt Andy Brauneis zurzeit vorbereitet. Im Sommer will er am Kloster zwei überdimensionale, von Weitem sichtbare goldene Schalen auf­stellen. Er möchte damit auf die klösterliche Wasserbaukunst, aber auch auf die Rolle des Wassers für Landwirtschaft und Gartenbau hinweisen.

Eine weitere Neuerung: Ende März öffnet auf dem Gelände die „Saisonale“. Künstler präsentieren dort zeitgenössische Formen der Gartenkunst, Skulpturen, Lichtkunst und unter anderem auch einen Strohballen-Garten.

Kloster Gravenhorst: Gut zu wissen
Die ehemalige Klosteranlage bei Hörstel im Kreis Steinfurt, 1256 als Zisterzienserinnenkloster gegründet und um 1800 aufgelöst, war danach Fabrik, Jagdschloss, Flüchtlingslager – und ist seit der Regionale 2004 „DA Kunsthaus Gravenhorst“. Das Kürzel DA steht für die Verbindung von Denkmal und Atelier.
Das Haus ist dienstags bis samstags von 14 bis 18 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen finden zwischen April und September sonntags um 15 Uhr sowie nach Voranmeldung statt.
Die historische Wassermühle am Kloster ist an jedem ersten Sonntag im Monat von 14 bis 18 Uhr geöffnet.
Weitere Termine:
7. und 8. April 2019: Schräge Bretter – Theater im Kloster für Jugendliche und Erwachsene.
22. April 2019: Osterfest mit fröhlicher Eiersuche, Figurentheater und Kunstaktionen.
19. Mai 2019: Marktzauber – Klostermarkt mit regionalen Produkten, traditionellem Kunst-)Handwerk und Präsentation der aktuellen Kunstprojekte.
16. Juni 2019: Burgen- und Schlössertag mit Picknick für alle und Kunstaktionen rund um das Thema „Knappheit und Überfluss von Lebensmitteln“.
12. Juli 2019: Abend der offenen Tür mit Ideenwerkstatt, Eröffnung der Sommerausstellung und Beginn der Klangkunstreihe „Soundseeing – Klänge zum Angucken“.
Weitere Informationen unter Tel. (0  25  51) 69  42  00, www.da-kunsthaus.de.