"Alles nur geklaut" in der Jugendstil-Zeche

Ausstellung in Dortmund: Plagiate, Spione und "escape-rooms"

Vor genau 50 Jahren wurde der Abriss der Dortmunder Zeche Zollern verhindert. Die Anlage mit ihrer Jugendstil-Fassade gilt heute als eines der bedeutendsten Industriedenkmäler. Eine Sonderausstellung führt zur Zeit in die Welt der Plagiate, Geheimdienste und Werksspione.

Die Pistole ist als Schmuckbrosche getarnt. Die Geheimkamera versteckt sich im BH – oder in einem umgerüsteten Feuerzeug. Diese Werkzeuge eines Geheimagenten sind zu ­sehen in der Sonderausstellung ­„Alles nur geklaut?“, die noch bis Mitte Oktober in der Zeche Zollverein in Dortmund, dem Indus­triemuseum, zu sehen ist.

Original oder gefälscht?

Die Ausstellung befasst sich auf rund 1000 m2 mit der Frage, wie Wissen geschaffen und geteilt, wie es gestohlen und wie es geschützt wird. Da geht es um kopierte Markenwaren bekannter Sporthersteller, um Erfinder und Abschreiber, um Spione und „Whistleblower“, um Lügen und „Fake News“ – ein höchst aktuelles Thema also, das uns nahezu täglich in den Nachrichten begegnet.

Zu den besonders spektakulären Exponaten zählen die Entschlüsselungsmaschine Enigma aus dem Zweiten Weltkrieg, ein 4000 Jahre altes Scheibenrad oder auch das Outfit der legendären Spionin ­Mata Hari.

Die Ausstellung blickt aber auch auf einen so scheinbar harmlosen westfälischen Gutsbesitzer und Unternehmer wie Friedrich Harkort, nach dem vielerorts Straßen und Plätze benannt sind. Er reiste vor genau 200 Jahren, 1819, nach England, um dort auszukundschaften, wie man eine Dampfmaschine baut. Was er in England sah, brachte er nach Westfalen mit – die Ausstellung nennt Harkort treffend ­einen „Industrie-Spionier“. Auch das Wikipedia-Prinzip des kollektiven Zusammentragens von Wissen ist so neu nicht, wie es scheint. Wikipedia hieß im 18. Jahrhundert „Krünitz“ und war ein 243-bändiges Lexikon, dessen vermeintlich alleiniger Autor das Wissen der Vielen zusammengetragen hat.

Rätseln im „Escape Room“

Das alles wird in Dortmund nicht einfach „nur“ ausgestellt, sondern Besucher können selbst ausprobieren und rätseln. In einer Art Testlabor können sie herausfinden, was das Original und was die Fälschung ist. Nach dem Vorbild der beliebten „Escape Rooms“ gibt es in Dortmund sogenannte Kammern des Wissens. In ihnen müssen kleine und große Besucher Rätsel lösen, bevor sich die Tür zur nächsten Kammer öffnet. Eine Spielrunde dauert zwischen 60 und 90 Minuten.

Blick auf die Verwaltung und das Fördergerüst der Zeche Zollern. (Bildquelle: Hudemann / LWL)

Zu sehen ist das alles in der „Zeche Zollern“ in Dortmund, der Zentrale des Westfälischen Industriemuseums mit seinen insgesamt acht Filialen. Die Zeche Zollern mit ihren Backsteingebäuden und der großenteils erhaltenen Technik wurde um 1900 gebaut. Berühmt ist vor allem die Maschinenhalle mit der markanten Stahlkonstruktion und dem eindrucksvollen Jugendstil-Portal. Vor genau 50 Jahren, 1969, konnte ihr Abriss verhindert werden – längst gilt die Halle und die gesamte Anlage als eines der bedeutendsten Industriedenkmäler im Land.

Die Maschinenhalle mit dem Jugendstil-Eingang ist das „Markenzeichen“ der Zeche. (Bildquelle: Holtappels / LWL)

Tipps für Besucher
Das Westfälische Industriemuseum Zeche Zollern (Grubenweg 5) in Dortmund ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Der Eintritt kostet für Erwachsene 5 €, ermäßigt 2,50 €, für Kinder und Jugendliche ist der Eintritt frei.

Weitere Informationen unter Tel. (02  31) 56  96  11  11.

www.zeche-zollern.de


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