Sonderausstellung

Archäologiemuseum in Herne: "Gebt der Pest den Rest"

Pestepidemien gehören hierzulande der Vergangenheit an. Dennoch haben sie ihre abschreckenden Spuren hinterlassen, wie eine Ausstellung in Herne zeigt. Sie führt zum Beispiel in ein Waldstück bei Bad Wünnenberg.

Im Wald von Leiberg, einem kleinen Dorf bei Bad Wünnenberg im Paderborner Land, befindet sich einer der wenigen Pestfriedhöfe Deutschlands. Ein uraltes Steinkreuz, gut 1 m hoch, erinnert bis heute an die Stelle, an der 400 Männer, Frauen und Kinder beigesetzt worden sind. Sie waren von der „gottgesandten Pestilenz“ hingerafft worden, wie die Inschrift des Steinkreuzes bis heute gut lesbar mitteilt. Der Dorffriedhof hatte seinerzeit die vielen Toten nicht aufnehmen können. Deshalb hatte der Landesherr angeordnet, die Toten gut 2 km entfernt vom Dorf im Wald zu bestatten.

Das alles spielte sich im Dreißigjährigen Krieg ab und ist fast 400 Jahre her. Aber was genau steckte dahinter? Was eigentlich ist die Pest, die in früheren Zeiten auch „Schwarzer Tod“ genannt wurde? Wie haben sich die Menschen dagegen gewehrt? Gibt es die Pest heute noch?

Versteckte Münzen aus Münster

Diese Fragen beleuchtet eine neue Ausstellung im Westfälischen Archäologiemuseum in Herne, eine Einrichtung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Zu sehen sind, bei diesem Ort nicht weiter verwunderlich, archäologische Funde:

  • Steinwerkzeuge aus einem Grab bei Augsburg etwa,
  • Tontafeln der Bronzezeit aus dem heutigen Nahen Osten, aber auch ein
  • Münzschatzfund, der mitten in Münster, in der Nähe des Rathauses, gefunden worden ist.

Die Münzen gehörte jüdischen Einwohnern der Bischofsstadt. Ihnen war im Mittelalter angelastet worden, die Brunnen vergiftet zu haben – vor den blutigen Verfolgungen hat es eine jüdische Familie geschafft, die Münzen eilig zu vergraben.

Die tatsächlichen Verursacher der Epidemien, die Pestbakterien, wurden erst vor gut 120 Jahren entdeckt. Besucher können echte, aber unschädlich gemachte Pestbakterien in Herne unter dem Mikroskop beobachten.

Der Rattenfloh überträgt den Pesterreger auf den Menschen. (Bildquelle: S. Leenen / LWL)

Thema "nicht gerade leicht", aber aktuell

Das alles macht schaudern und klingt nicht sofort einladend. Bei der Eröffnung in der vergangenen Woche sprach Dieter Gebhard, der Vorsitzende der LWL-Landschaftsversammlung, denn auch von einer spannenden und lehrreichen Ausstellung „über ein nicht gerade leichtes Thema“.

Tatsächlich dürfte es so manchen eher abstoßen und wirkt sehr weit weg. Doch ­dieser Schein trügt, wie LWL-Direktor Matthias Löb bei der Eröffnungs-Pressekonferenz erläuterte: „Die Diskussionen um eine Impfpflicht verdeutlichen, wie aktuell das Thema ansteckender Krankheiten ist.“

Löb zog einen weiteren Bogen in die Gegenwart: Im Angesicht existenzieller Bedrohungen wie des Pesttodes gebe es oft Schuldzu­weisungen an Minderheiten. „Das Ausgrenzen ganzer Bevölkerungsgruppen und ihre Verfolgung wegen einer vermeintlichen Bedrohung ist ein Muster, das sich bis in die Gegenwart fortsetzt. Die Pest ist größtenteils Geschichte, die Verhaltensmuster sind es nicht.“

Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm begleitet die Ausstellung. Dazu zählen etwa ein Spielfilmabend, ein Chorkonzert unter dem Titel „Totentanz und Himmelsreigen“, eine Lesung mit gruseligen Pestgeschichten oder auch Angebote für Kinder unter dem Motto „Gebt der Pest den Rest“.


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Ort: Die Ausstellung im Westfälischen Landesmuseum für Archäologie in Herne, Europaplatz 1, ist bis zum 10. Mai 2020 geöffnet.
Geöffnet:
dienstags, mittwochs und freitags von 9 bis 17 Uhr, donnerstags von 9 bis 19 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 18 Uhr.
Eintritt:
Erwachsene 9 €, ermäßigt 4,50 € (Kombiticket Dauer- und Sonderausstellung). Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre haben freien Eintritt.
Weitere Informationen:
Tel. (0 23 23) 94 62 80, www.landesmuseum-herne.de.


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