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Sanierung à la Schweizer Käse

Die gründliche Reinigung, die neuen Fugen, das neu eingedeckte Dach und neue Fenster haben das Aussehen des Hauses deutlich verändert. Foto: Hertleif

Ruth Frieling-Bagert erinnert sich lebhaft an die Staubwolken, die das Haus der Familie vor rund zwei Jahren umwehten. Mit einem Sandstrahlgerät verpassten Fachleute der Fassade eine kräftige „Abreibung“. „Den Sand haben wir noch wochenlang überall wiedergefunden: im Garten, in den Dachrinnen, auf den Fenstern, einfach in jeder Ritze“, erzählt die 49-Jährige. Der Staub hat sich inzwischen gelegt. Geblieben ist die Freude über ein schmuckes Haus mit neuen Fenstern und Blendläden, einem neuen Dach und einer sonnig-sandfarbenen Fassade.

„Das habe ich mir immer gewünscht“, sagt Schwiegermutter Hedwig Frieling. „Aber neue Ställe hatten immer Vorrang.“ Die Familie betreibt auf ihrem Hof in Darup, einem Ortsteil von Nottuln im Kreis Coesfeld, Schweinezucht mit 200 Sauen und Ackerbau. Geklappt hat das Projekt „Fassadensanierung“ nun, weil Wunsch und Wille, eine Förderung und günstige Zinsen zusammenkamen.

Eigener Steinbruch

Der Zweistock mit der Fassade aus Baumberger Sandstein ist im Jahr 1922 erbaut worden. Das Material kam zum großen Teil aus dem eigenen Steinbruch einige Hundert Meter hinter dem Hof. „Onkel Bernhard hat die meisten Steine gebrochen“, berichtet Paul Frieling, heute der Senior auf dem Hof. Die Maurer, die beim Neubau anpackten, verstanden sich auf das Puzzlespiel mit den unregelmäßigen Steinen. Halt gab zunächst der Mörtel. Erst ein paar Jahre später wurde mit Zement verfugt. Das war eine für die Zeit übliche, in der Rückschau aber falsche Methode.

Bröckelnde Fassade

Der harte Zement fror im Winter heraus und sprengte dabei auch Sandsteinteile ab. „Es bröckelte immer mehr“, berichtet Ruth Frieling-Bagert. Besonders wenn der Ostwind an der Fassade rüttelte, hatte diese nicht mehr viel entgegenzusetzen. Auf der rückwärtigen Westseite war die Sandsteinfassade nie verfugt worden. Teilweise nisteten Vögel zwischen den Steinen.

Aus den Gedankenspielen über die Sanierung wurde Ernst, als Frielings von einem Förderprogramm des Landes „Ländlicher Raum 2007–2013“ erfuhren. Im Rahmen der „Integrierten ländlichen Entwicklung“ war auch die Sanierung historischer Bausubstanz möglich. Anfang 2012 stellten Frielings ihren Antrag. Ende 2013 gab es eine Zusage. Das Warten hat sich aus Sicht der Familie gelohnt: Rund ein Drittel der Kosten, die im hohen fünfstelligen Bereich lagen, konnte sie über die Förderung abdecken.

Zum Maßnahmenpaket gehörten:

  • der Austausch der Fugen und beschädigter Steine,
  • eine Sandstrahl-Behandlung der Fassade, um loses Material zu entfernen,
  • eine neue Dacheindeckung mit roten Ziegeln im historischen Format,
  • neue Dachüberstände, um die Fassade besser zu schützen,
  • 19 neue Fenster sowie Blendläden aus Holz, die nach historischen Vorbildern gefertigt wurden, und
  • eine neue Außentür zum Sitzplatz im Garten.

    ahe

Mehr über das Projekt der Familie Frieling lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Wochenblatts 2/2017 ab Seite 68.

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