Qualität, Tierwohl und Arbeitsbedingungen

Durchwachsen: Stiftung Warentest prüft Schweinefleisch

Die Stiftung Warentest hat Schweinenackensteaks unter die Lupe genommen. Viele gute Noten gab es für den Geschmack, schlechte für Produktion und Verarbeitung.

Das ist Timing: Während der Kreis Gütersloh wegen des Corona-Ausbruchs bei Tönnies Schlagzeilen macht, hievt die Stiftung Warentest einen Beitrag über Schweinesteaks ins Heft. ­Unter die Lupe genommen haben die Prüfer die geschmackliche Qualität des Fleisches, aber auch die Auswirkungen aller Produktionsschritte auf Tier, Mensch und Umwelt. Bereits im Februar haben sich die Prüfer dazu auch den Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück angeschaut. Der Eindruck der Tester: „Erstaunlich offen ließen uns die Schlachtbetriebe ihr blutiges Tagewerk sehen.“

Guter Geschmack

Nüchterner liest sich der Rest der Untersuchung. 15 frisch abgepackte Steaks und Koteletts haben die Tester in Discountern, Supermärkten und Biomärkten eingekauft, darunter vier Produkte in Bio­qualität. Die im Mai ermittelten Preise liegen zwischen 5,70 und 19,90 €/kg. Acht Produkte, davon zwei bio, schlossen bei der Qualität mit dem Gesamturteil „gut“ ab.

Die Besten im Test sind ein Bio­produkt aus Bayern, die Haus­marke der Bio-Supermarktkette Denn’s und Nackenkoteletts der Marke Purland von Kaufland. Ein „gut“ gab es auch für Produkte von Edeka, Lidl, Penny, Real und Aldi Nord. Nur „ausreichend“ waren Nackensteaks von Norma und Rewe Wilhelm Brandenburg.

„Sowohl konventionelle also auch Biobetriebe produzieren einwandfreies Fleisch“, schreiben die Tester. Das gilt in erster Linie für Aussehen, Geruch, Geschmack und Mundgefühl. Rückstände von Antibiotika und Krankheitserreger wie Salmonellen und Listerien traten beim Test nicht zutage. Wohl aber fanden die Prüfer in 10 von 15 Produkten antibiotikaresistente Keime. Zwar bedeute das keine akute Gefahr. Hände und Messer sollten nach Umgang mit dem Fleisch dennoch sorgfältig gereinigt werden. Weniger gute Noten bekommt das getestete Fleisch, wenn es um das Wohl der Tiere und die Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen geht. Sämtliche konventionellen Produkte erreichen maximal die Note „ausreichend“, weil sie kaum mehr als die gesetzlichen Mindeststandards erfüllen. „Mangelhaft“ fällt die ­Bewertung für Edeka und Netto aus, weil sie keine Angaben zu Schlachtbetrieben und Lieferanten machten, nicht einmal zu denen ihrer Biosteaks.

Kritik an Standards

Sieben Schlachthöfe und zwölf Landwirte, die für die getesteten Produkte liefern, hat das Prüf-Team der Stiftung Warentest besucht. Es bemängelt die aktuellen Standards, weil sie den Tieren wenig Platz biete und Kupieren sowie betäubungsloses Kastrieren noch zulasse. Die Handelsketten nutzten ihre Marktmacht nicht, betonen die Tester. Aldi, Lidl und Co gäben ihren Lieferanten zu wenig Anreize, ins Tierwohl zu investieren. Ähnlich mau sei ihr Interesse an sozialen und ökologischen Belangen in der Lieferkette. Das Ergebnis: Mit ihrer Preispolitik förderten sie Massentierhaltung und prekäre Arbeitsverhältnisse.

Wörtlich heißt es im Bericht: „Das Leben vieler Schweine verläuft trostlos, die Bedingungen der ­Arbeiter sind hart. Lebensmittelhändler, Bauern und Schlachter setzen dem zu wenig entgegen.“ Schweine bräuchten endlich eine Lobby: aus Anbietern, aber auch Verbrauchern, denen Fleisch mehr wert sei als bisher.

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