Krebs

Wieso Kinder Krebs kriegen

Jährlich erkranken hierzulande rund 2000 Kinder und Jugendliche neu an Krebs. Die Ursachen sind größtenteils ungeklärt. Es gibt aber Risikofaktoren.

Bösartige Tumoren entstehen, wenn eine genetisch bedingte Veranlagung und auslösende Umweltfaktoren zusammenkommen – so die bisherige ­Erkenntnis. Neben angeborenen Veranlagungen sind es vor allem die Art und Weise und die Bedingungen unter denen Kinder aufwachsen, die letztlich bestimmen, ob sie später krebskrank werden. Zu den relevanten Risikofaktoren zählen Umweltbelastungen wie Luftverschmutzung, ionisierende und elektromagnetische Strahlung, aber auch Pestizide bzw. das berufliche Ausgesetztsein der Eltern mit bestimmten chemischen Substanzen.

Schwangere sollten aufpassen

Besonders in der Schwangerschaft ist Vorsicht geboten. Während dieser Zeit befinden sich alle kindlichen Organe in einem verletzlichen Entwicklungszustand. Umwelteinflüsse können die Organe dauerhaft schädigen, aber auch zu einer Krankheitsbereitschaft im späteren Leben führen. Zu den ­relevanten Umweltgiften zählen Dioxine, PCB, Pestizide und verschiedene Weichmacherverbindungen.

Schwangere sollten sich daher nicht an Renovierungsmaßnahmen beteiligen und den Kontakt zu Farben, Lacken und Pestiziden vermeiden. Über die Langzeitauswirkungen dieser Substanzen auf das Ungeborene gibt es allerdings keine Daten.

Aufgrund der erhöhten Empfindlichkeit des Ungeborenen gegenüber ionisierenden Strahlen gelten diesbezüglich in der Schwangerschaft verschärfte Regeln. Auf Röntgenuntersuchungen sollte besser verzichtet werden. Der mögliche Einfluss von elektromagnetischen Feldern beispielsweise durch Handys oder WLAN ist noch nicht abschließend beurteilbar.

Überhygiene schadet eher

Zur Ursache von Krebserkrankungen im Kindesalter wird seit Jahren geforscht. In vielen Fällen konnte gezeigt werden, dass bei den betroffenen Kindern eine erhöhte Empfindlichkeit des Genmaterials auf bestimmte umweltbedingte Einflüsse vorlag, sodass sich eher eine Krebserkrankung entwickeln konnte. Allerdings ist immer von einem komplexen Wechselspiel vieler Faktoren wie Gene und Umwelt auszu­gehen. Für die Entwicklung von Leukämien spielt das Immunsystem des Kindes eine große Rolle.

Kinder, deren körpereigenes Abwehrsystem in der frühen Jugend nicht stark genug stimuliert wurde – beispielsweise durch „Überhygiene“ – scheinen ein erhöhtes Risiko zu haben, an Leukämie zu erkranken. Man nimmt an, dass ein relativ ­untrainiertes Immunsystem, was dann Kontakt zu einem relevanten Krankheitserreger hat, überschießend reagiert. Im weiteren Verlauf kann es zu einer bösartigen Umwandlung der weißen Blutkörperchen kommen.

Es gibt risikoreiche Strahlungen

Seit den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki ist bekannt, dass ionisierende Strahlen in hohen Dosen krebserregend wirken. Bei Kindern lösen sie vor allem Leukämien und Schilddrüsenkrebs aus. Als Folge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sind über 6000 Kinder zusätzlich an Schilddrüsenkrebs erkrankt. Diese Erkrankungen waren vor allem durch den Verzehr von mit Jod 131 kontaminierter Milch und Blattgemüse ausgelöst worden.

Aber auch niedrige Strahlendosen können das Erbgut verändern. Jedes Mal, wenn radioaktive oder Röntgenstrahlung auf den Körper trifft, kann sich Erbgut verändern. Dabei ist die Gefahr von Erbgutschäden durch radioak­tive Strahlung 20-fach höher als durch Röntgenstrahlung. Schäden am Erbgut bedeuten aber nicht zwangsläufig den Beginn einer Krebserkrankung, da der Körper diese reparieren kann. Versagt der Reparaturmechanismus jedoch, kann eine Tumorerkrankung entstehen.

Je höher die Strahlen­dosis, der ein Kind ausgesetzt ist, desto höher ist das Krebs­risiko“

Besonders bildgebende Untersuchungen im Computertomographen (CT) sind mit einer hohen Strahlenbelastung verbunden. Studien beweisen ein erhöhtes Risiko für Tumoren und Leukämieerkrankungen nach Computertomographien im Kindes- und Jugendalter. Auch starke niederfrequente elektrische Felder sind möglicherweise krebserzeugend, wenn beispielsweise eine Familie direkt unter einer Hochspannungsleitung wohnt.

Ebenso kann natürliche Strahlung wie das Sonnenlicht insbesondere bei der noch dünnen, durchlässigen Kinderhaut UV-bedingte Akutschäden wie zum Beispiel Sonnenbrand verursachen. Durch Schäden am Erbmaterial der Hautzellen kann sich im späteren Leben vermehrt Hautkrebs bilden.

Auch Viren sind mögliche Auslöser

Bestimmte Viren, wie zum Beispiel das Epstein-Barr-Virus (EBV), das das Pfeiffersche Drüsenfieber verursacht, können im weiteren Verlauf Krebs auslösen. Die EBV-Viren verbleiben nach einer Infektion lebenslang in den weißen Blutkörperchen. Hier können sie, wenn sie nicht durch ein kompetentes Immunsystem in Schach gehalten werden, zu bösartigen Wucherungen des Lymphsystems führen. Dies wird häufiger nach Organtransplantationen beobachtet.

Besonders hoch ist das Risiko, wenn ein Patient ohne Immunschutz gegen EBV-Viren, ein EBV-­infiziertes Organ transplantiert bekommt und zur Vermeidung einer Abstoßungsreaktion Medikamente erhält, die das körpereigene Immunsystem unterdrücken.

Auch andere Viren, wie die Erreger der Hepatitis B, können durch eine chronische Entzündungsreaktion der Leber - in der Regel aber erst im Erwachsenenalter - Leberkrebs verursachen.

Den Beitrag können Sie nachlesen im Wochenblatt für Landwirtschaft & Landleben Folge 18 vom 25. April 2019 auf den Gesundheitsseiten.

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