Diabetische Retinopathie

Wenn Zucker die Netzhaut schädigt

Sie sind an Diabetes erkrankt? Dann haben Sie ein erhöhtes Risiko, chronische Veränderungen an der Netzhaut zu entwickeln und zu erblinden.

Chronische Gefäßveränderungen an der Netzhaut sind bei Diabetikern gar nicht selten. Neuere Studien stellen bei 40 Prozent der Typ-1-Diabetiker und bei 20 Prozent der Typ-2-Diabetiker eine Diabetische Retinopathie fest. Diese Erkrankung zählt zu den schwerwiegendsten Diabetesschäden am Auge und kann zur Erblindung führen. Für den Erhalt der Sehfähigkeit ist die Früherkennung daher sehr wichtig.

Kapillarnetz ist geschädigt

Bei den anfangs kaum spürbaren Veränderungen schädigt der übermäßige Blutzuckergehalt die kleinen Gefäße, die Kapillaren. Das Kapillarnetz im Körper dient der Sauerstoffversorgung. Durch die dünnwandigen Gefäße kann der Sauerstoff an das umliegende Gewebe abgegeben werden.

Ist das Kapillarnetz beschädigt, kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen Sauerstoffbedarf und -angebot. Auf lange Sicht stellt das Kapillarnetz seine Funktion ein und stirbt ab. Diese Prozesse
verlaufen an allen Organen ähnlich ab.

Es blutet in die Netzhaut ein

Im Auge werden beim Diabetiker die Kapillaren an einigen Stellen instabil. Die Innenauskleidung der Gefäße wölbt sich durch den im Gefäß befindlichen Druck nach außen. Es entstehen sackförmige Erweiterungen, die am Augenhintergrund als kleine rötliche Pünktchen sichtbar werden.

Platzen und bluten diese, fällt die Kapillare zusammen und verklebt, sodass sie ihre Funktion nicht mehr ausüben kann. Oftmals beginnen die Prozesse in der Peripherie der Netzhaut. Der Patient bemerkt diese Stufe der Veränderung oftmals nicht.

Nimmt der Gefäßschaden weiter zu, sind auch zentralere Gebiete in der Nähe der Makula betroffen. Da diese Bereiche für das scharfe Sehen verantwortlich sind, sieht der Patient schlechter. In diesem Stadium wird der Augenarzt eine Fluoreszenzangiographie veranlassen. Bei dieser speziellen Untersuchung spritzt der Arzt einen Farbstoff in die Vene des Arms. Dieser wird über das Gefäßsystem in das Auge gepumpt. Mittels einer speziellen Lichtwellenlänge kann der Augenarzt erkennen, inwieweit die Gefäße undurchlässig sind.

Undichtigkeiten der Gefäße in der Peripherie lassen sich überwiegend mit dem Laser behandeln. Zentrale betroffene Anteile, wie die Makula, sind nur mit Medikamenten zu therapieren. Diese werden direkt in das Auge appliziert.

Neue Gefäße taugen nicht

Wird in diesem fortgeschrittenen Stadium nicht behandelt, bleiben große Anteile der Netzhaut mit Sauerstoff unterversorgt. Die betroffenen Zellen beginnen Wachstumsstimulatoren für Gefäße zu produzieren. Allerdings sind diese neu angelegten Gefäße meist durchlässiger und brüchiger, sodass es zu Ödemen und akuten Blutungen im Auge kommen kann.

Der Augenarzt versucht in dieser Phase der Gefäßneubildung wieder für eine ausgewogene Sauerstoffbalance zu sorgen, um das zentrale, scharfe Sehen so lange wie möglich zu erhalten. Dazu verödet er mittels Laserkoagulation unterversorgte Netzhautareale. Allerdings bleibt das nicht ohne Folgen. Die Funktion des gelaserten Gewebes bleibt unwiderruflich zerstört. Im Gesichtsfeld entstehen Defekte.

Des Weiteren können Medikamente in das Auge appliziert werden, die die bereits gebildeten Stimulatoren für das Gefäßwachstum blockieren (Anti-VEGF). Beide Behandlungsmethoden bewirken, dass sich Gefäßneubildungen zurückbilden. Damit tritt weniger Flüssigkeit aus den Gefäßen, zeitgleich sinkt das Risiko akuter Blutungen.

Unterbleibt in diesem Stadium eine Behandlung, bilden sich die in den Glaskörper hineinragenden Gefäßneubildungen zu bindegewebigen, festen Strängen um. Diese leiten fortschreitend eine Ablösung der Netzhaut ein.

An diesem Punkt kann der Augenarzt nur noch den Glaskörper mit samt den aus Bindegewebe und Gefäßen bestehenden Strängen chirurgisch entfernen. Die Prognose für ein gutes Sehen ist dann meist schlecht. Mehrere Serien von Laserbehandlungen und Medikamentengaben in das Auge müssen im Anschluss zusätzlich erfolgen.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben auf den Gesundheitsseiten der Ausgabe 32/2018.

Weitere Informationen zum Thema Diabetes finden Sie hier:

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