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Medikamenten-Einnahme

Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Ernährung

Bestimmte Nahrungsmittel oder Getränke können die Wirkung einiger Arzneimitteln beeinflussen. Solche Wechselwirkungen sind nicht zu unterschätzen. Es macht aber auch einen Unterschied, zu welchem Zeitpunkt ein Medikament eingenommen wird.

Medikamente sollten grundsätzlich mit Leitungswasser eingenommen werden.

Hand aufs Herz: Lesen Sie sich den Beipackzettel eines Medikaments immer durch? Das sollten Sie aber. Darin stehen unter anderem wichtige Informationen dazu, wie Sie das Medikament einnehmen sollten. Einige besonders wichtige Aspekte dazu erklärt Dr. Dorit Meyer, Apothekerin aus Bünde im Kreis Herford.

Der richtige Zeitpunkt für die Einnahme

Eine grundsätzliche Empfehlung gibt Dr. Dorit Meyer vorweg: „Nehmen Sie Medikamente am besten immer mit Leitungswasser ein.“ Ganz wichtig ist darüber hinaus der richtige Einnahmezeitpunkt. Einige Medikamente sollen morgens nüchtern eingenommen werden, zum Beispiel Schilddrüsenhormone oder Osteoporosemittel. Zwischen der Einnahme und dem Frühstück müssen dann mindestens 30 Minuten liegen.

Soll ein Medikament vor dem Essen eingenommen werden, ist auch dann ein Abstand von mindestens 30 Minuten zur nächsten Mahlzeit einzuhalten. Das ist oft der Fall, wenn das Arzneimittel einen Magensaft-resistenten Überzug hat, wie Magensäurehemmer.

Andere Medikamente sollen gezielt zum oder nach dem Essen eingenommen werden. Das ist oft der Fall, wenn ein Wirkstoff den Magen nur langsam verlassen soll. Einige Wirkstoffe werden auch erst durch die Magensäure freigesetzt. Medikamente, die den Magen reizen können, sind in Kombination mit einer Mahlzeit besser verträglich. Eine Einnahme zum Essen bedeutet, dass das Mittel während oder unmittelbar nach dem Essen mit Wasser einzunehmen ist. Das gilt zum Beispiel für das Diabetes-Medikament Metformin. Lautet die Empfehlung „nach dem Essen“, gibt es meistens in der Packungsbeilage genauere In­for­ma­tionen, in welchem Abstand zum Essen das Mittel einzunehmen ist.

Aklkohol kann die Medikamentenwirkung verstärken

Neben dem Einnahmezeitpunkt können bestimmte Lebensmittel und Getränke einen Einfluss auf die Medikamentenwirkung haben. Dr. Dorit Meyer nennt die wichtigsten Wechselwirkungen:

Alkohol: Er kann die Wirkung bestimmter Wirkstoffe, beispielsweise von Beruhigungsmitteln, erhöhen. Zudem verstärkt er die unerwünschten Nebenwirkungen von Neuroleptika. In Kombination mit Paracetamol kann er die leberschädigende Wirkung des Medikaments verstärken. Bei hohen Dosierungen der Schmerzmittel Ibuprofen oder Diclofenac besteht in Kombination mit Alkohol die Gefahr von Magenblutungen. Einige Wirkstoffe, wie das Herzmittel Verapamil oder Ranitidin, ein Mittel gegen Sodbrennen, hemmen den Abbau von Alkohol im Körper.

Grapefruit: Diese Frucht hemmt den Abbau einiger Wirkstoffe. Vorsicht ist zum Beispiel geboten beim Cholesterinsenker Simvastatin sowie bei Mitteln gegen Epilepsie und bei Schlafmitteln. Grape­fruit ist auch in vielen Multivitaminsäften enthalten. Deshalb sind auch diese zu meiden.

Calcium bindet manche Wirkstoffe

Milch und Milchprodukte: Das in der Milch enthaltene Calcium bindet einige Wirkstoffe. Es entsteht ein Komplex, den der Körper nicht aufnehmen kann. Wer Mittel gegen Knochenschwund, bestimmte Infektionen, Schilddrüsenerkrankungen oder Eisenmangel einnimmt, sollte deshalb zwischen der Einnahme und dem Verzehr von Milchprodukten eine Pause von mindestens zwei Stunden einhalten.

Johanniskraut: Es beschleunigt den Abbau einiger Wirkstoffe und vermindert dadurch ihre Wirkung. Das gilt unter anderem für Immunsuppressiva, Krebsmittel, HIV-Mittel und Verhütungsmittel.

Vitamin K-haltige Lebensmittel: Dazu zählt vor allem grünes Gemüse. Vitamin K beeinflusst den Effekt blutverdünnender Arzneimittel, wie Phenprocoumon oder Warfarin. Patienten, die solche Medikamente einnehmen, sollten nicht ganz drauf verzichten, sondern den Verzehr einschränken.

Eiweißreiche Nahrung: Eiweiß kann die Wirkung des Parkinson-Mittels Levodopa vermindern. Deshalb sind Mittel mit diesem Wirkstoff mindestens 30 Minuten vor dem Essen einzunehmen.

Goji-Beeren: Wer Macumar zur Blutverdünnung einnimmt, sollte Goji-Beeren meiden. Inhaltsstoffe dieser Beeren können die Blutungsneigung erhöhen.

Raucher brauchen oft eine höhere Dosis

Kaffee und Tee (schwarz, grün): Die Gerbstoffe aus Kaffee oder Tee bilden mit einigen Arzneimitteln, wie Antidepressiva oder Eisenpräparaten, schwerlösliche Komplexe. Dadurch kann die Aufnahme des Wirkstoffs um bis zu 80 % reduziert sein.

Lakritz: Bei übermäßigem Verzehr kann es zu Kaliumverlust kommen. Außerdem kann der Blutdruck steigen. Deshalb sollten Risikogruppen, wie Hypertoniker, Diabetiker oder Schwangere, nicht täglich größerer Mengen, also mehr als 50 g, davon essen.

Tabakrauch: Ab etwa sieben Zigaretten am Tag erhöht das Rauchen den Abbau von Arzneimitteln im Körper, zum Beispiel bei Theophyllin oder Psychopharmaka. Das bedeutet, dass Raucher eine höhere Dosis von dem Medikament benötigen.

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