Corona Antikörpertests

Was Antikörpertests aussagen

Antikörper-Schnelltests auf das Corona-Virus SARS-CoV-02 gelten bislang als wenig zuverlässig. Was aber ist von Labortests auf Antikörper zu erwarten? Und gilt man bei positivem Ergebnis als immun?

Wie schön wäre es, wenn sich mit einem einfachen Antikörpertest 100%ig nachweisen ließe, dass man die Corona-Infektion mit SARS-CoV-2 schon überstanden hat und dagegen immun ist?

Dann könnte man sich unbehelligt frei in der Gesellschaft bewegen, ohne strenge Schutz- und Hygienemaßnahmen einhalten müssen. Man könnte wieder Kontakte zu Menschen aus Risikogruppen pflegen, ohne Angst zu haben, sie mit dem gefährlichen Virus zu infizieren. Doch leider ist das noch Zukunftsmusik. Bislang gibt es einen solch sicheren Einzeltest nicht.

Corona-Antikörper-Schnelltests sind zu ungenau

Zwar bieten vor allem im Internet verschiedene Hersteller eine Reihe von Antikörper-Schnelltests für zu Hause an. Doch Experten warnen: Die Testergebnisse der Antikörper-Schnelltests sind nicht zuverlässig genug. Zum einem handelt es sich bei den Schnelltests um Medizinprodukte. Diese müssen nicht unabhängig geprüft werden. Zum anderen hat sich gezeigt, dass diese einfachen Schnelltests (lateral flow-Methode) nicht zwischen dem neuartigen Corona-Virus SARS-CoV-2 und anderen Corona- Viren unterscheiden können.

Es gibt bereits Corona-Viren, die schon viele Jahre im „Umlauf“ sind und einfache Erkältungskrankheiten auslösen, auf die unser Körper bereits Antikörper gebildet haben kann. Reagieren die Schnelltests auch auf Antikörper gegen harmlose Corona-Viren, könnte das Ergebnis falsch positiv ausfallen. Das heißt, Sie wähnen sich in der Sicherheit Covid-19 durchgemacht zu haben, obwohl das gar nicht der Fall ist.

Fehlerquelle bei Corona-Antikörper-Schnelltest

Entscheidend für das Ergebnis des Schnelltests ist auch der Zeitpunkt der Testung. Antikörper lassen sich bei Virusinfektionen wie mit dem SARS-CoV-2 meist erst eine Woche nach Erkrankungsbeginn nachweisen, in der Regel sogar erst nach 14 Tagen oder später. Sie sind deshalb nicht geeignet, um akute Erkrankungen nachzuweisen.

Frühestens eine Woche nach Infektionsbeginn sind erste Antikörper wie das IgA und das IgM messbar. Der Antikörper IgG ist wahrscheinlich aber erst ab zwei bis drei Wochen nach der Erstinfektion nachweisbar. Wer also zu früh testet, testet sich dann möglicherweise falsch negativ, hat sich aber doch infiziert. Auf das alleinige Ergebnis eines solchen Antikörper-Schnelltests ist also kein Verlass. Die Kosten für diese Antikörper-Schnelltests werden daher von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.

Labortests auf Corona-Antikörper sind zuverlässiger

Derzeit arbeiten verschiedene Pharmakonzerne an Antikörpertests, die in Fachlaboren analysiert werden. Diese Labortests sind nicht für den Hausgebrauch und können von Vertragsärzten zulasten der gesetzlichen Krankenkasse abgerechnet werden, wenn der Patient auch Symptome hatte. Positive Antikörpertests gelten als indirekter Erregernachweis und sind somit meldepflichtig.

Seit Mai ist beispielsweise der neue Antikörpertest (Elecsys) von der Firma Roche zugelassen. Dieser Test ist nur für spezielle Analysegeräte in Fachlaboren entwickelt worden. Mittels einer Blutprobe, die der Arzt abnimmt und ins Labor schickt, soll festgestellt werden können, ob die Person ­bereits Antikörper gegen SARS-CoV-2 in sich trägt.

Bei einigen Menschen, die nachgewiesen eine Infektion durchgemacht haben, lassen sich gar keine Antikörper finden.

Dieser Labortest soll nach Aussage der Pharmafirma eine 100%ige Sensitivität haben. Die Prozentzahl gibt an, wie viele Menschen mit einem positiven Testergebnis die Krankheit auch wirklich gehabt haben. Will heißen, der medizinische Test erkennt alle positiv Getesteten, also tatsächlich Erkrankten.

Demgegenüber steht die Spezifität eines Tests. Sie gibt die Wahrscheinlichkeit an, mit der Gesunde, die nicht an der betreffenden Erkrankung leiden, im Test auch als gesund erkannt werden. Nach Herstellerangaben von Roche soll der neue Test eine Spezifität von 99,81 % haben. Will heißen: Von 1000 Personen werden statistisch 1,9 Personen falsch positiv getestet. Ein positives Ergebnis muss daher durch einen zweiten Test bestätigt werden.

Fazit über derzeitige Antikörpertests auf Coronavirus SARS-CoV-2

Der neue Antikörpertest von ­Roche scheint ein relativ sicheres Ergebnis zu erzielen. Aber: Aus einem positiven Testergebnis lässt sich nicht schließen, dass man auch immun gegen die Erkrankung ist. Denn derzeit ist wissenschaftlich nicht sicher geklärt, ob ein Vorhandensein von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 eine Immunität gegen dieses Virus verleiht.
Und wenn doch, ist ungewiss, wie lange diese Immunität anhält. Ein positiver Antikörpertest ist nach derzeitigem Stand also kein Freibrief ­dafür, sich nicht mehr an Kontaktregeln und Hygienemaßnahmen halten zu müssen.

Den Beitrag können Sie nachlesen auf den Gesundheitsseiten im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben in Folge 22 vom 28. Mai 2020.

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