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Vegan reicht für Kinder nicht

Kinder, die vegan ernährt werden, haben ein hohes Risiko für Mangelerscheinungen. Ohne die Zufuhr von Nahrungsergänzungsmitteln ist eine ausreichende Nährstoffzufuhr nicht zu gewährleisten.

Obst und Gemüse sind für Kinder sehr wichtig. Doch nur eine abwechslungs­reiche Kost, inklusive tierischer Produkte, liefert alle nötigen Nährstoffe. Fotos: Fotolia/Oksana Kuzmina

In Deutschland ernähren sich etwa 2 % der Menschen vegetarisch. Rund 12 % der Vegetarier leben vegan, verzichten also komplett auf tierische Erzeugnisse. Überwiegend sind es ethische oder gesundheitliche Aspekte, welche die Menschen zum Verzicht veranlassen.

Ob eine vegetarische oder gar eine vegane Ernährung geeignet ist, den Menschen mit allen nötigen Nährstoffen zu versorgen, das ist umstritten. Wichtig ist auf jeden Fall, dass sich Vegetarier und Veganer sehr intensiv mit ihrer Ernährung befassen, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.

Keine kleinen Erwachsenen

Was bei einem Erwachsenen noch relativ gut funktionieren mag, sieht bei einem Kind oder gar einem Säugling ganz anders aus. Sie stellen andere Ansprüche an die Ernährung. Eine Mangelversorgung im Kindesalter kann schwerwiegendere, bleibende Folgen haben. „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“, gibt Dr. Claudia Laupert-Deick am Montag vergangener Woche während eines Vortragsabends in der Katholischen Akademie Stapelfeld im niedersächsischen Cloppenburg zu bedenken. Dr. Laupert- Deick betreibt eine Praxis für Ernährungstherapie in Bonn.

Der typische Vegetarier ist weiblich, jung, überdurchschnittlich gebildet und lebt in der Großstadt. Das hat die Vegetarier- Studie der Universität Jena gezeigt. „Das bedeutet, dass die meisten Vegetarier Frauen im gebärfähigen Alter sind“, stellt die Referentin fest. Deshalb ist es wichtig, sich mit den Auswirkungen der vegetarischen Ernährung auf Säuglinge und Kleinkinder zu befassen. Denn Mütter ernähren ihre Kinder in der Regel nach den gleichen Prinzipien, die sie für ihre eigene Ernährung haben.

Der Nährstoffbedarf eines Kleinkindes unterscheidet sich wesentlich von dem eines Erwachsenen. Mit der „Optimierten Mischkost“ hat das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) Grundlagen für die Ernährung von Kindern erarbeitet. Diese sehen beispielsweise vor, dass Kinder und Jugend­liche dreimal pro Woche Fleisch, zweimal Fisch und in der Woche zwei bis drei Eier essen sollten. Hinzu kommen Milch und Milchprodukte.

Für diese Empfehlungen gibt es gute Gründe. Tierische Lebensmittel versorgen die Kinder mit Nährstoffen, die sie für ihre Entwicklung notwendig brauchen:

  • Eisen: Es ist nötig für die Bildung des roten Blutfarbstoffes, das Hämoglobin. Eisen aus
    tierischen Produkten kann vom Körper wesentlich besser aufgenommen werden als Eisen pflanzlichen Ursprungs.
  • B-Vitamine: Das Vitamin B12 ist für den Folsäurestoffwechsel und die Blutbildung wichtig. Vitamin B1 spielt eine große Rolle beim Kohlenhydratstoffwechsel und Vitamin B6 benötigt der Körper für den Eiweißstoffwechsel und das Immunsystem.
  • Eiweiß: Tierisches Eiweiß hat eine höhere biologische Wertigkeit als pflanzliches Eiweiß. Das bedeutet, es lässt sich leichter in körpereigenes Eiweiß umwandeln.

Darüber hinaus liefern tierische Erzeugnisse weitere wichtige Nährstoffe wie bestimmte Fettsäuren, Calcium, Magnesium, Zink, und Jod.

Mangelversorgung droht

Erhalten Säuglinge und Kleinkinder keinerlei tierische Produkte, sind sie mit diesen Nährstoffen nur mangelhaft versorgt. Bei vegetarisch ernährten Säuglingen bis vier Monaten – bzw. bei Kindern stillender Mütter, die sich vegetarisch ernähren – ist vor allem die Versorgung mit Vitamin D, Eisen und Jod kritisch. Ernährt sich die voll stillende Mutter vegan, kann auch
bei den Vitaminen B2 und B12 ein Mangel auftreten. Stillt die Mutter über die ersten vier Monate hinaus voll, dann wird die Versorgung mit weiteren Nährstoffen zum Problem, wie Zink, Calcium, α-Linolensäure und Eiweiß.

Dr. Claudia Laupert-Deick ist überzeugt, dass eine vegane Ernährung den Nährstoffbedarf eines Kindes nicht adäquat decken kann. „Nährstoffmängel können im Säuglings­alter zu schweren körperlichen und geistigen Fehlentwicklungen beitragen“, warnt die Ernährungsexpertin. Deshalb seien Nahrungsergänzungsmittel für vegan ernährte Kinder zwingend notwendig. Sie hat festgestellt, dass es keinen einzigen konkreten veganen Ernährungsplan für Kinder gibt, der eine ausgewogene Versorgung mit allen Nährstoffen sicherstellt.
Sowohl die DGE als auch das FKE erklären, dass eine vegane Ernährung in der gesamten Kindheit ungeeignet ist. Das FKE ergänzt, dass mit einer lakto-vegetarischen Ernährung der Energie- und Nährstoffbedarf von Kindern bei geschickter Lebensmittelkombination gedeckt werden kann. Gemeint ist damit zum Beispiel die Kombination von eisenreichem Getreide, wie Hirse, Haferflocken oder Grünkern, mit Vitamin C zur Verbesserung der Eisenversorgung.

Für das Kind nur das Beste

Bei all ihren Bedenken, wenn es um die vegane Ernährung von Kindern geht, warnt Dr. Claudia Laupert-Deick jedoch davor, mit dem erhobenen Zeigefinger auf Eltern zuzugehen, die ihr Kind vegan ernähren. „Alle Eltern möchten das Beste für ihr Kind“, weiß sie. Wichtig für diese Eltern ist eine einfühlsame Ernährungsberatung. Bleiben die Eltern bei ihrer Einstellung, sollten die Kinder unbedingt regelmäßig ärztlich untersucht werden, um mögliche Mangelsymptome frühzeitig zu erkennen. Zudem müssen die Eltern unbedingt dafür sorgen, dass ihr Kind bestimmte kritische Nährstoffe als Nahrungsergänzung erhält. Wul