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Unser Kind hört schlecht

Je früher eine Hörstörung erkannt und korrigiert wird, umso besser stehen die Chancen, dass sich das Kind sprachlich normal entwickelt.

Reagiert ihr Kind nicht altersgerecht auf Geräusche, sollten Eltern dies ärztlich untersuchen lassen. Foto: Fotolia/Photographee.eu

Ben ist sieben Monate alt. Er ist gesund und propper. Doch seit einiger Zeit beobachtet seine Mutter, dass der Kleine nicht angemessen auf Geräusche reagiert. Läuft die Spieluhr, versucht das Kind nicht die Schallquelle zu lokalisieren.

Ben erschreckt auch nicht, wenn die Tür laut zuknallt. Sprachlich bab­belt er zwar vor sich hin, gibt aber immer noch keine zweisilbigen Laute von sich. All diese Anzeichen können auf eine Hörstörung hinweisen, die deutschlandweit etwa 500.000 Kinder betrifft; etwa 80.000 von ihnen so hochgradig, dass sie spezielle Fördermaßnahmen benötigen.

Folgen der Hörstörung

Bei Säuglingen und Kindern sind Hörstörungen meist erblich bedingt oder die Folge von Infektionen. Bleibt die Störung unerkannt, lernen Kinder die Sprache nicht richtig und sind nachfolgend auch in ihrer sozialen, emotionalen und schulischen Entwicklung beeinträchtigt. Je länger eine Schädigung des Gehörs unbehandelt bleibt, desto gravierender sind die Folgen.

Werden bis etwa zum vierten Lebensjahr nicht genügend Hör­eindrücke an das Gehirn weitergeleitet, bleiben diese Hirn­strukturen für den Rest des Lebens schwächer ausgebildet. Das lässt sich später nicht mehr ausgleichen. Deshalb wird seit 2009 auch für alle Neugeborenen ein Hörscreening angeboten. Die Teilnahme ist freiwillig.

Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen. Bereits in der Geburtsklinik wird untersucht, ob das Kind gut hören kann oder nicht. Der Test ist schmerzlos. Er erfordert keine Mitarbeit und erfolgt am besten nach dem Füttern des Kindes im Schlaf.

Was das Ergebnis bedeutet

Das Ergebnis des Hörscreenings ist noch keine Diagnose. Ein auffälliger Test bedeutet nicht automatisch, dass tatsächlich eine Hörstörung vorliegt. Allerdings ist eine Hörschädigung bei Neu­geborenen in den meisten Fällen nicht heilbar. Sie lässt sich aber wirksam behandeln, sodass sich das Kind weitgehend normal entwickelt. Je nach Auslöser der Störung kann das Kind Hörgeräte verordnet bekommen.

Manchmal ist auch eine Operation am Mittelohr oder bei Schädigung der Sinneszellen im Innenohr die Versorgung mit einer elektronischen Innenohrprothese (Cochlea-Implantat) notwendig. Im Rahmen einer Frühförderung sollte das Hören gefördert sowie bei stark beeinträchtigtem Hörvermögen die Gebärdensprache erlernt werden.

Hörstörung bei älteren Kids

Auch im späteren Kindesalter kann sich trotz eines unauffälli­-gen Neugeborenen-Screenings eine Schwerhörigkeit entwickeln. Sehr häufig ist die Übertragung des Schalls im äußeren Gehörgang und/oder Mittelohr gestört. Der Höreindruck ist mehr oder minder stark gedämpft.

Meist werden diese Störungen durch Ergüsse im Mittelohr – sogenannte Paukenergüsse – oder Mittelohrentzündungen verursacht. Bleiben die Ergüsse länger als drei Monate bestehen, kann das die Entwicklung der Sprache ungünstig beeinflussen.

Bei chronischen infektbedingten Ergüssen im Mittelohr kann die Einlage von Paukenröhrchen das Hörvermögen verbessern. Gegebenenfalls müssen auch vergrößerte Rachenmandeln entfernt werden, damit das Mittelohr besser belüftet wird. Sind die Gehörknöchelchen im Mittelohr durch eine Knochen­eiterung zerstört, ist eine Operation und manchmal auch ein Ersatz des betreffenden Gehörknöchelchens notwendig.

Probleme im Innenohr

Im Kindesalter kann ebenfalls das Schallempfinden gestört sein. Ursache ist eine Schädigung des Innenohrs oder des Hörnervs. Diese Hörstörung kann beispielsweise nach einer Infektion mit Mumps als vorübergehende oder als dauerhafte Taubheit auftreten.

Auch nach einer Hirnhaut-, einer Gehirnentzündung sowie anderen Schädigungen des Hörzentrums im Gehirn kann das Kind schwerhörig oder taub werden. Besteht eine Innenohrschwerhörigkeit, lässt sich der Hörverlust teilweise durch ein angepasstes Hörgerät kompensieren. Bei Taubheit ist
die Versorgung mit einer Innen­ohrprothese (Cochlea-Implantat) möglich. Dr. med. Anne Schulze Everding
www.ich-hoere.de
www.gehoerlosen-bund.de