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Kreislandfrauentag Warendorf

Trotz Krebs das Leben genießen

Manchmal läuft das Leben anders als geplant. Bei Nicole Staudinger war es der Brustkrebs, der ihr in die Quere kam. Wie sie es schafft, trotzdem positiv durchs Leben zu gehen, erklärte sie auf dem Kreislandfrauentag Warendorf.

von links: Geschäftsführerin Margret Bergmann, die Referentin Nicole Staudinger und die Vorsitzende Margret Möllmann.

Hinfallen, aufstehen und Krönchen richten diese Fähigkeit schätzt Regina Selhorst, Präsidentin des Westfälisch-Lippischen Landfrauenverbandes, besonders an den Landfrauen. Dieses hemdsärmelige und anpackende Wesen vieler Landfrauen ist gleichzeitig der Grund, warum Nicole Staudinger so gern zu deren Veranstaltungen kommt. Auf dem Kreislandfrauentag Warendorf in der Stadthalle Ahlen am vergangenen Samstag begeistert die Rednerin und Buchautorin vor 380 Landfrauen und Ehrengästen durch ihre spontane, ehrliche und humorvolle Art.

Vom Krebs ausgebremst

Dabei ging es für Nicole Staudinger keineswegs immer geradeaus. Als ersten „Knockout“ bezeichnet die gebürtige Kölnerin den Schwarzen Hautkrebs, der bei ihr sehr früh diagnostiziert wurde. Nachdem die Tumore entfernt waren, hätte es für die heute 37-jährige aber eigentlich weitergehen können wie geplant. Wäre ihr nicht der Brustkrebs dazwischen gekommen.

Die gelernte Verlagskauffrau und Mutter von zwei Kindern hatte gerade ihre Stelle gekündigt und angefangen, Schlagfertigkeitsseminare für Frauen zu geben. Da entdeckte sie im Juni 2014, am Morgen ihres 32. Geburtstages, einen Knoten in der Brust. Zwei Tage später stand fest: Es ist Brustkrebs. „Das passt mir jetzt gar nicht in den Kram“, sagte sie zu ihrer Ärztin. Die beschönigte jedoch nichts: „Wenn Sie das überleben wollen, müssen Sie jetzt handeln.“

Und das machte die junge Frau. Sie sagte alle bereits geplanten Seminar-Termine ab und begab sich in die Therapie. Mit sechs Chemotherapien und Bestrahlungen kämpfte sie gegen den Tumor an. Zusätzlich wurden ihr beide Brüste sowie die Eierstöcke entfernt. Was das alles für sie bedeutete, darüber spricht sie in Ahlen kaum. Das Wichtigste ist: Sie hat es geschafft. „Ich stehe nur deshalb hier, weil ich den Krebs selbst ertastet habe“, sagt sie und ermuntert die Frauen, die eigenen Brüste regelmäßig zu untersuchen.

Während der zweiten Chemotherapie kam ihr die Idee, ihre Geschichte aufzuschreiben. Entstanden ist daraus ihr erstes Buch „Brüste umständehalber abzugeben“. Inzwischen hat sie drei weitere Bücher veröffentlicht, das fünfte wird im kommenden Jahr erscheinen.

Den Weg annehmen

Ein Journalist sagte einmal zu ihr, da habe sich der Krebs für sie ja gelohnt. Dem widerspricht sie energisch. „Ich wäre gerne immer eine gesunde Frau geblieben.“ Ein Schicksalsschlag, wie die Diagnose Brustkrebs, sei wie ein Rolltor, dass ganz plötzlich herunterfährt und den geplanten Lebensweg beendet. Der Weg, auf dem es dann für Nicole Staudinger weitergehen sollte, war steinig, steil und sie konnte nicht sehen, wohin er führt. Ihr war aber klar, dass sie keine Alternative hat, wenn sie überleben will. „Ich habe dann andere Schuhe angezogen, meinen Rucksack gepackt und bin diesen Weg gegangen“, sagt sie sinnbildlich.

In einer solchen Situation sei es wichtig, das beste daraus zu machen. Sie forderte die Landfrauen auf, auch in schweren Zeiten die kleinen, schönen Momente im Alltag zu sehen und zu genießen.

Sorgen ändern gar nichts

Nicole Staudinger trägt eine mutierte Form des BRCA-Gen in sich, das für die Brustkrebs-Erkrankung verantwortlich ist. Das bedeutet für sie: „Meine Möglichkeiten alt zu werden, könnten besser sein.“ Das ist für sie aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. „Wenn ich jeden morgen aufstehe und überlege, wo jetzt wieder etwas gewachsen sein könnte – dann hätte ich die Therapie gar nicht machen müssen.“ Sie lebt nach dem Motto: Besteige den Berg erst, wenn er da ist. „Die Sorgen, die wir uns heute machen, ändern gar nichts. Sie sorgen nur dafür, dass wir die gesunden Tage nicht restlos genießen können.“

Eindrücke vom Kreislandfrauentag:

Margret Möllmann bedankte sich bei der langjährigen Geschäftsführerin des Kreislandfrauenverbandes Maria Jakubczak.

Die Referentin Nicole Staudinger signierte auf Wunsch ihre Bücher, die vor Ort zum Verkauf angeboten wurden.

Neun Frauen erhielten auf dem Kreislandfrauentag ihre Goldenen Meisterinnenbriefe.

Die Landfrauen aus Rinkerode hatten die Bühne herbstlich geschmückt.

Die Tischdekoration gab den Gästen gute Wünsche mit auf den Weg.

Der Erlös der Tombola ging in diesem Jahr an die Krebsforschung Spezialgebiet "Krebs bei Kindern und Jugendlichen" sowie an die Tschernobylhilfe Milte.