Tinnitus

Tinnitus: Krach im Ohr ausblenden

Quälende Ohrgeräusche bringen Menschen mit chronischem Tinnitus oft an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Das hat auch Rolf Pross erfahren und viele Therapien ausprobiert. Letztendlich lindert nur eines.

Alles beginnt vor rund fünf Jahren. Rolf Pross wird eines Nachts wach. Ihm ist speiübel. Und: „Ich dachte, mir platzt der Kopf vor Krach.“ Die Geräuschkulisse, die der 66-Jährige seitdem in seinem linken Ohr wahrnimmt, beschreibt er als sehr hohes Pfeifen, gekoppelt mit einem störenden Rauschen.

Rolf Pross befindet sich zu dem Zeitpunkt aufgrund neurologischer Ausfälle wie Schwindel- und Krampfanfälle in ärztlicher Behandlung. Wenig später stellen die Ärzte bei ihm die Verdachtsdiagnose „Limbische Enzephalitis“. Diese Art von Entzündung des zentralen Nervensystems wird seitdem medikamentös behandelt, wie der Ruheständler aus Dülmen im Kreis Coesfeld berichtet. Damit hält er die Beschwerden seiner neurologischen Erkrankung in Schach, doch nicht den „Krach im Ohr“ – wie er seinen mittlerweile chronischen Tinnitus bezeichnet.

In der medizinischen Fachsprache werden akustische Geräusche, die nur der Betroffene wahrnimmt – ohne dass es dafür eine äußere Schallquelle bzw. objektive Ursache gibt –, als Tinnitus bezeichnet. Die Geräusche können in einem Ohr, in beiden Ohren oder als Kopfgeräusche auftreten. Neben einem Pfeifen und Rauschen nehmen ­Patienten mit Tinnitus auch ein Summen, Zischen, Hämmern, Klopfen, Knarren oder Klingeln wahr – nicht selten auch mehrere Geräusche gleichzeitig.

Akutbehandlung des Tinnitus blieb erfolglos

Rolf Pross wendet sich an einen HNO-Arzt. Der untersucht ihn und führt einen Hörtest durch, um insbesondere einen Hörsturz aus­zuschließen, der sehr häufig mit einem akuten Tinnitus verbunden ist und zu Hörverlust führen kann. Doch der Facharzt kann außer einer altersbedingten Hörminderung keine organischen Ursachen für den Tinnitus feststellen.

Er bietet ihm eine Cortisonstoßtherapie an. Dabei wird über das Trommelfell Cortison verabreicht. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen nimmt Pross Abstand von dieser Behandlung und hofft, dass der Tinnitus von allein wieder verschwindet.

Jeder Vierte hat laut Deutscher Tinnitus-­Liga schon einmal einen Tinnitus gehabt, wenn auch nur vorübergehend. Sehr häufig verschwinden akute Ohrgeräusche von allein wieder. Halten Ohrgeräusche länger als drei Monate an, sprechen Mediziner von einem chronischen Tinnitus. Er ist weder gefährlich noch lebensbedrohlich. Dennoch kann er einen...