Sepsis / Blutvergiftung / Notfall

Eine Sepsis wird oft unterschätzt

An einer Sepsis – besser bekannt als Blutvergiftung – sterben jedes Jahr rund 75  000 Menschen. Frühzeitig behandelt wären viele Infektionen vermeidbar. Kennen Sie die Symptome?

Eine Blutvergiftung bringen die meisten Menschen mit einer infizierten Wunde und einem roten Strich auf der Haut in Verbindung, der in Richtung Herzen wandert. Tatsächlich zeigt der rote Strich eine Entzündung der Lymphbahnen an, die zu einer Sepsis führen kann. Doch das ist die absolute Seltenheit. Die Ursache für eine Sepsis ist immer eine Infektion, doch die kann an allen Körperregionen auftreten.

Ältere Menschen sind gefährdeter für Sepsis

Jeder kann an Sepsis erkranken. Doch es gibt Risikogruppen. Neben Frühgeborenen sind insbesondere ältere Menschen ab 60 Jahren gefährdeter. Patienten mit chro-nischen Erkrankungen beispiels-weise der Lunge, Leber oder desHerzens sowie Menschen mit geschwächten Immunsystem, wie etwa Diabetes-, Krebs- und Dialysepatienten zählen ebenfalls dazu.

Die Symptome einer Sepsis werden oft nicht erkannt. Das verzögert häufig eine Therapie. Dabei ist eine frühzeitige Behandlung lebensrettend, denn unbehandelt ist die Sepsis tödlich. In Deutschland ist sie die dritthäufigste Todesursache nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

Infektion ist stets der Auslöser für Sepsis

Wie kommt es aber nun zu einer Sepsis? Am Anfang steht immer eine Infektion. Diese kann durch Viren oder Bakterien; selten auch durch Pilze oder Parasiten ausgelöst werden, erklärt Dr. Magnus Kaffarnik, Mediziner mit Schwerpunktpraxis für Infektionsmedizin in Berlin anlässlich des Deutschen Seniorentages in Hannover.

Insbesondere bakterielle Lungenentzündungen und Infektionen der Bauchorange wie Darm- und Gallenblasenentzündungen, ebenso wie Harnwegsinfekte können einen solch schweren Verlauf nehmen, dass es zu einer Sepsis kommt. Bakterien können beispielsweise auch durch einen Katheter in die Haut und Blutbahn gelangen.

Ebenso kann eine Sepsis infolge einer Entzündung von Knochen und Gelenken oder aufgrund einer ­In-fektion des Gehirns hervorgerufen werden. „In der Regel wird eine Sepsis durch bakterielle Infektionen ausgelöst“, sagt Dr. Magnus Kaffarnik.

Schafft es die körpereigene Immunabwehr nicht, die Erreger vor Ort in Schach zu halten, können sich diese über das Blut und die Lymphwege im ganzen Körper ausbreiten. Das ist ein großes Problem. Setzen sich die Bakterien in Organen fest, können sich Abszesse bilden. „Viele von den Bakterien bilden auch Toxine, also Giftstoffe“, erklärt der Mediziner.

Das Immunsystem erkennt die große Menge an Erregern und überschwemmt den Körper mit Botenstoffen, um das Immunsystem stärker zu aktivieren. Die ausgelöste Abwehr­reaktion kann so stark sein, dass nicht nur die Erreger, sondern auch körpereigene Zellen und ­Organe angegriffen werden.

Was bei einer Sepsis im Körper schief läuft

Aus der lokalen Infektion entwickelt sich so eine Erkrankung des gesamten Körpers. Zu Beginn fiebern septische Patienten häufig, oftmals in Verbindung mit Schüttelfrost. Doch Obacht: Insbesondere ältere Menschen haben nicht immer hohes Fieber, sie können auch eine Körpertemperatur unter 36 °C aufweisen.

Zu einem septischen Schock kommt es, wenn der Körper die Blutgefäße weitet und der Blutdruck extrem fällt. Um den Körper besser mit Sauerstoff zu versorgen, steigen in der Folge Herz- und Atemfrequenz. Irgendwann kann der Körper die Erweiterung der Blutgefäße nicht mehr stoppen. Der Druck in den Gefäßen wird immer schlechter und auch die innere Schicht der Blutgefäße wird vom körpereigenen Immunsystem angegriffen.

Es entstehen Löcher im Blutgefäßsystem und dadurch tritt Flüssigkeit aus. Menschen mit einer Sepsis sind daher aufgedunsen. Organe werden nicht mehr adäquat mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und drohen zu versagen. „Wenn wir da nicht frühzeitig gegensteuern, führt ein septischer Schock zum Tod“, so Dr. Kaffarnik.

Die Sepsis antibiotisch behandeln

Zunächst wird ein Breitspektrum-Antibiotikum gegeben, um nicht unnötig Zeit zu verlieren. Vorab werden Blutproben oder Sekret beispielsweise aus dem Rachen oder der Lunge oder aus dem Urin entnommen, um die auslösenden Erreger zu bestimmen. Erst wenn der Erreger feststeht, kann gezielt ein Antibiotikum gegeben werden.

Um ein Organversagen zu verhindern, werden Infusionen gegeben. Sie sollen den Mangel an Flüssigkeit in dem Blutgefäßsystem ausgleichen, um den Blutdruck anzuheben und die Organe wieder besser mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen.

Ist der Patient schon auf der Intensivstation, kann auch mit Adrenalin gegen den Blutdruckabfall gesteuert werden, weil das die Blutgefäße wieder verengt. Versagen die Lunge oder die Nieren, können Organersatzverfahren wie künstliche Beatmung und Dialyse die Therapie unterstützen.

Immunabwehr wird bei Sepsis zum Problem

Wichtig aber: „Man kann das überschießende Immunsystem nicht therapieren“, sagt Dr. Magnus Kaffarnik. Es lassen sich nur die infrage kommenden Bakterien mit Antibiotika behandeln. Je eher eine Sepsis behandelt wird, desto besser stehen die Überlebenschancen. Bei einem septischen Schock beträgt die Sterberate 60 %.

Kennen Sie die Anzeichen einer Sepsis?
Häufige Krankheitsanzeichen einer Sepsis sind meist:
- Fieber und Schüttelfrost;
- schneller Plus und Herzrasen;

- Kurzatmigkeit, beschleunigte Atmung (mehr als 22 Atemzüge/Min);
- feuchte Haut, Schwitzen und Schwäche;
- niedriger Blutdruck;
- kalte, fleckige Haut an Armen/Beinen;
- Verwirrtheit und Desorientiertheit;
- Schmerzen, starkes Unwohlsein;
- nie gekanntes schweres Krankheitsgefühl.
Einzelne Symptome sind nicht unbedingt Besorgnis erregend. „Kommen jedoch mehrere Anzeichen zusammen und fühlen sich Betroffene extrem krank, haben sie starke Schmerzen oder sind vom Wesen her stark verändert, könnte es sich um eine Sepsis handeln“, sagt Dr. Ilona Köster-Steinebach vom Aktionsbündnis Patientensicherheit. In dem Fall ist schnelle Hilfe überlebenswichtig.

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