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Sehschärfe in Gefahr: Keratokonus

Schon wieder neue Gläser

Sie sind jung und können trotz Brille immer schlechter sehen? Möglicher­weise leiden Sie an Keratokonus, einer unregelmäßigen Verkrümmung der Hornhaut. Diese sollte unbedingt augenärztlich behandelt werden.

Beim Keratokonus verdünnt und vernarbt die zentrale Hornhaut. Die Mitte wölbt sich dann kegelförmig vor.

Lisa ist 16 Jahre alt und trägt eine Brille. Als sie plötzlich unscharf sieht, wird sie beim Optiker vorstellig. Der misst ihre Sehschärfe, doch die liegt fast bei 100 %. Und auch die Sehzeichen auf der Tafel kann die Schülerin korrekt erkennen. Zur weiteren Dia­gnostik verweist der Optiker sie an den Augenarzt.

Oft Topografie notwendig

Der untersucht die junge Patientin und sieht mit dem Augenmikroskop zunächst keine Veränderungen. Doch er schöpft Verdacht. Denn wird die Hornhaut eines Patienten zeitgleich mit der Pubertät dünner und verliert sie ihre regelmäßige Kuppelform, liegt ein Keratokonus vor. Dann wird die Hornhaut nicht nur an einer umschriebenen Stelle stetig dünner, sondern auch instabiler. Schließlich wölbt sie sich nach außen. Dadurch steigt die Brechkraft der Hornhaut und die Betroffenen werden kurzsichtig. Sie sehen dann auch mit Brille unscharf.

Abgebildete Punkte dehnen sich für sie zu Stäben, deshalb heißt diese Sehstörung auch Stabsichtigkeit oder Astigmatismus. Einer Theorie zufolge ist die Ursache dieses Prozesses ein Ungleichgewicht zwischen Entzündungsfaktoren und deren Hemmstoffen. Da der Keratokonus innerhalb von Familien gehäuft auftritt, liegt eine genetische Komponente nahe. Die genaue Ursache ist jedoch nicht vollständig geklärt.

Transplantation möglich

Häufig lässt sich die Erkrankung erst mittels einer Topografie feststellen. Eine automatisch rotierende Kamera misst dabei die Unregelmäßigkeiten der Hornhaut und kartiert sie computergestützt. Das Verfahren dauert weniger als zwei Sekunden und erfolgt berührungsfrei. Die runden Hornhautkarten stellen über eine Farbskala Ab­weichungen in der Brechkraft oder unterschiedliche Dicken dar.

Eine durchschnittliche gesunde Hornhaut ist rund einen halben Millimeter dick. Bei einem weit fortgeschrittenen Keratokonus misst die Hornhaut an vielen Stellen nur noch die Hälfte. In diesem Endstadium bilden sich Narben und Dehnungsstreifen in der Hornhaut. Die noch jungen Patienten sehen dann häufig trotz Brille nur 10 bis 50 %. Bei manchen Patienten stoppt der Prozess abrupt, bei anderen hat er innerhalb eines Jahres bereits schlimme Folgen.

Denn ist die Hornhaut nur noch 250 Mikrometer dick und sieht der Patient sehr unscharf – das tritt bei einer Sehschärfe kleiner als 30 % auf – verhilft meist nur eine Hornhaut-Transplantation wieder zu mehr Sehschärfe. Auch wenn bereits trübe Hornhautnarben vorliegen, können diese nur durch eine Transplantation einer klaren Hornhaut wiederhergestellt werden. Oft lässt sich damit aber die Sehkraft nicht ganz wieder erreichen und nach einigen Jahrzehnten kann eine erneute Transplantation notwendig werden.

Bei der 16-jährigen Lisa konnte die Erkrankung im Frühstadium entdeckt und behandelt werden. Ihre Hornhaut hatte noch eine Dicke von mehr als 400 Mikrometern. Somit konnte bei ihr eine Vernetzungstherapie der Hornhaut – das UV-Crosslinking – durchgeführt werden (siehe Kasten). Möglich und sinnvoll ist dieses Verfahren, wenn die Unregelmäßigkeit der Hornhaut noch korrigierbar und eine akzeptable Sehschärfe mit Brille oder Kontaktlinse zu er­zielen ist.

Spezielle Kontaktlinsen

Bei Patienten mit mäßigem Keratokonus bestehen innerhalb eines Auges Brechkraft-Unterschiede auf der Hornhaut von zwei oder mehr Dioptrien. Eine Brille mit Zylinder­gläsern kann die Unterschiede nur bedingt ausgleichen, sodass trotz Brille die Sehschärfe nur 60 % oder weniger beträgt.

Zeigt die Hornhaut-Topografie eine ausreichende Dicke, kann die Hornhaut ebenfalls mittels UV-Cross­linking stabilisiert werden. Die Unregelmäßigkeiten der Hornhaut bleiben im fortgeschrittenen Stadium jedoch bestehen. Sie lassen sich dann nur mit „maßgeschneiderten“ Kontaktlinsen korrigieren. Diese werden etwa drei Monate nach der Behandlung angepasst.

Eine darauf spezialisierte Optikerin fertigt anhand der Hornhautkarten für beide Augen Kontaktlinsen an, die die Ausbuchtungen und Vertiefungen der Hornhaut ausgleichen. Sie formen mit den Augen ein insgesamt regelmäßiges optisches System. Das Besondere dieser Linsen ist, dass sie unten mit einer Materialverdickung als Gewicht versehen werden. Dieses hält sie auf dem Tränenfilm in der richtigen Position gegenüber der Hornhaut. Auch Patienten mit mäßigem Keratokonus können so mit den Kontaktlinsen wieder scharf sehen.

Instabile Hornhaut vernetzen

Das UV-Crosslinking ist ein ambulanter Eingriff, der im Bindegewebe der Hornhaut neue Querverbindungen schafft. Zunächst entfernt der Arzt schonend das zuoberst liegende Epithel. Es wird später nachwachsen. Auf die Bindegewebsschicht darunter tropft er eine Riboflavin-Lösung.

Nun wird die Hornhaut 30 Minuten lang mit UV-Licht bestrahlt. Das Ribo­flavin vernetzt dabei die Kollagenfasern des Bindegewebes und stabilisiert es. Die Augen heilen nun unter dem Schutz therapeutischer Kontaktlinsen einige Tage.

Je früher die Behandlung erfolgt, desto eher kann die vorhandene Sehschärfe erhalten werden. Die Behandlung ist schmerzlos. Die Kosten dafür können von den gesetzlichen Krankenkassen nur auf Antrag mit Sondergenehmigung erstattet werden.

Weiter Informationen zum Thema Hornhaut des Auges finden Sie hier: