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Rote Augen

Rote Augen: nicht immer harmlos

Rote Augen gehören zum Arzt, wenn sie gleich­zeitig schmerzen und das Sehen beeinträchtigen. Doch was rötet sie und was hilft dagegen?

Wer nicht ausreichend Hygiene beim Tragen von Kontaktlinsen einhält, riskiert Infektionen am Auge.  

Angeschwollene oder geplatzte kleine Adern in der Bindehaut führen oft zu roten Augen. Die Auslöser dafür sind vielfältig und reichen von Fremdkörpern, reizenden Stoffen und Allergenen über Bakterien, Viren, Amöben und einzelligen Pilze bis zu Krankheiten, die den ganzen Körper betreffen. Leichte Rötungen und Einblutungen heilen oft von alleine ab. Wer jedoch schlechter sieht, Schmerzen hat und blendempfindlich ist, sollte den Arzt aufsuchen.

Ursache: bakterielle Infektionen

Es ist nicht nur ein rotes Auge, das Frederik G. zum Augenarzt führt. Sein Auge ist eitrig verklebt, er sieht nur noch verschwommen und hat starke Schmerzen. Der Augenarzt entdeckt grün-gelben Schleim auf seiner Hornhaut, ein Zeichen für ein bakteriell verursachtes Hornhautgeschwür.

Nicht rechtzeitig behandelt, kann ein Hornhautgeschwür zum Verlust des gesamten Auges führen.  

Dieses Geschwür hat die Hornhaut des Patienten so tief verletzt, dass der Augenarzt dies entfernen und ein Hornhaut-Transplantat aufnähen muss. Frederik G. hat noch Glück gehabt. Denn im Extremfall kann ein solches Geschwür in wenigen Stunden die Hornhaut durchbrechen und zum Verlust des gesamten Auges führen. Wie aber kam es zu einer solchen bakteriellen Infektion?

Studien aus den USA zeigen, dass 30 % der Patienten mit Entzündungen der Hornhaut Kontaktlinsenträger sind. Doch viele halten es mit der Hygiene ihrer Linsen nicht so genau. So auch Frederik. Nach einem Besuch im Krankenhaus wäscht er seine Hände nicht gründlich. Keime geraten beim Herausnehmen an eine Kontaktlinse und vermehren sich im Linsengefäß. Das Desinfektionsmittel darin war alt und verdünnt. Am nächsten Morgen setzt Frederik die Kontaktlinse samt Bakterien auf seine Hornhaut. Und die Infektion nimmt ihren Lauf.

Sind Hornhaut und Bindehaut infiziert und liegt noch kein Hornhaut-Geschwür vor, kann der Infekt ohne großen Schaden antibiotisch therapiert werden. Im Fall von Frederik G. findet das Labor in Abstrichen von Linse und Gefäß den Krankenhauskeim Pseudomonas aeroginosa, der auch in feuchter Gartenerde zu finden ist. Krankenhauskeime tragen oft Resistenzen gegen einige Antibiotika.

Meist harmlos

Spontan auftauchende, großflächige Einblutungen im Auge sehen verheerend aus. Sie sind eigentlich harmlos und werden innerhalb von ein bis zwei Wochen resorbiert. Es sollten aber der Blutdruck und evt. der Spiegel des Blutverdünnungsmittels überprüft werden.

Bestimmte einzellige Amöben – ebenfalls aus der Gartenerde – rufen vergleichbare Symptome hervor, sind aber mit anderen Wirkstoffen zu behandeln. Laboruntersuchungen sind daher wichtig, um passende antibiotische Augentropfen auszuwählen.

Bakterielle Infektionen kommen aber auch bei Nicht-Kontaktlinsenträgern vor. Oft sind Hautbakterien dafür verantwortlich, beispielsweise Streptokokken und Staphylokokken. Typisch sind auch hier eitrig verklebte und verkrustete Lidränder und Schmerzen vor allem am Morgen. Ist die Hornhaut nicht beteiligt, sieht ein Patient meist noch gut. Antibiotische Tropfen bekämpfen solche Bindehaut-Infekte wirkungsvoll.

Ursache: Herpes- und andere Viren

Auch Herpes-Viren rufen Entzündungen der Bindehaut hervor. Der Infekt im Auge wird oft von typischen Herpes-Bläschen im Gesicht insbesondere auf der Nase begleitet. Die Bläschen sind meist auch die Quelle der Viren im Auge. Schnell ist das zweite Auge mitbetroffen. Also Achtung: Nicht die Augen reiben, auch wenn es juckt. Betroffene Augen tränen stark. Augentropfen, die die Vervielfältigung der Viren aufhalten, sogenannte Virostatika, helfen gegen Herpes-Viren.

Für die Augengrippe sind die sehr widerstandsfähigen Adenoviren verantwortlich. Horn- und Bindehaut sind entzündet. Patienten verspüren starke Schmerzen, sind blendempfindlich, ihre Augen sind rot und tränen stark. Die Augengrippe ist sehr ansteckend und lässt sich nur symptomatisch mit befeuchtenden Augentropfen behandeln. Meist ist der Infekt innerhalb von zwei bis vier Wochen überstanden. Patienten müssen jedoch regelmäßig die Hände waschen, Türklinken reinigen, täglich Handtücher und Bettwäsche wechseln und sollten möglichst daheim bleiben.

Einen Augengrippe-Verdacht sollten Patienten der Arzt-Praxis vor dem Besuch mitteilen. Diese kann dann spezielle Hygiene-Maßnahmen und einen besonderen Wartebereich vorbereiten. Im Laborabstrich bestätigte Adenoviren sind innerhalb von 24 Stunden meldepflichtig.

Den Beitrag können Sie nachlesen im Wochenblatt für Landwirtschaft & Landleben Folge 17 vom 25. April 2019 auf den Gesundheitsseiten.

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