Rheuma

Rheuma ist so vielfältig

Morbus Bechterew tritt meist in jungen Lebensjahren auf, die Polymalgia Rheumatica dagegen erst viel später. Auf dem Patiententag des Kooperativen Rheumazentrums Münsterland e. V. war darüber mehr zu erfahren.

Peter de Beyer ist 58 Jahre alt und an Morbus Bechterew erkrankt. Die Diagnose erhält er mit Anfang 40. Dabei machten sich erste Beschwerden mit den typisch tief sitzenden Rückenschmerzen schon im Alter von 20 Jahren bemerkbar. Doch die Ärzte finden nichts. Es vergehen Jahre, in denen die Beschwerden schubweise stärker werden und er zunehmend weitere Symptome entwickelt. Nachts wird er oft vor Rückenschmerzen wach, muss aufstehen und sich bewegen, damit er Linderung verspürt. Morgens fühlt er sich steif und hat Anlaufbeschwerden. „Es braucht etwa eine Stunde, bis ich mich richtig bewegen kann“, erklärt er. Tagsüber ist er oft müde.

Das hat Auswirkungen auf den Alltag

Mit Anfang 40 hat er einen Bandscheibenvorfall und wird operiert. „Danach kam ich lange Zeit nicht richtig auf die Beine“, sagt der Münsteraner. Er stellt einen Antrag auf Schwerbehinderung und unterzieht sich einem medizinischen Gutachten. „Der Gutachter hat dann erkannt, dass ich Morbus Bechterew habe“, erzählt Peter de Beyer. Er erhält den Grad einer Schwerbehinderung von 50.

Die Erkrankung hat natürlich Auswirkungen auf seine Anstellung als Vermessungstechniker. Heute arbeitet er ausschließlich im Innendienst und muss viel sitzen. Völlig kontraproduktiv für seine sich fortlaufend versteifende Wirbelsäule. Doch Peter de Beyer weiß sich zu helfen, wie er anlässlich einer Patientenveranstaltung des Kooperativen Rheumazentrums Münsterland e. V. am Universitätsklinikum in Münster (UKM)berichtet.

Er nutzt technische Hilfsmittel wie einen höhenverstellbaren Schreibtisch und einen speziellen Schreibtischstuhl zur Entlastung der Sitzbeinhöcker. So oft wie möglich erledigt er Arbeiten im Stehen und nutzt Bewegungsangebote im Betrieb. Er sucht das Gespräch mit Vorgesetzten und sonstigen Akteuren, um Anpassungen und Verständnis am Arbeitsplatz anzustoßen. So hat er mit seinem Arbeitgeber beispielsweise eine längere Mittagspause vereinbart, damit er sich in dieser Zeit ausreichend lange bewegen kann. Denn das ist wichtig, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

Morbus Bechterew verläuft chronisch und in Schüben

Beim Morbus Bechterew führen entzündliche Prozesse zu einer knöchernen Einsteifung und Verformung der Wirbelsäule. Die rheumatische Erkrankung ist bislang nicht heilbar. Auslöser ist vermutlich eine Fehlsteuerung des Immunsystems. Experten gehen derzeit davon aus, dass eine Infektion mit einer erblichen Veranlagung zusammentreffen muss, damit ein Morbus Bechterew entsteht. Anfangs sind die Beschwerden oft unspezifisch:
- Tief sitzende Rückenschmerzen, dabei kann die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule eingeschränkt sein und Schmerzen können bis in den Oberschenkel ausstrahlen.
- Die Beschwerden bessern sich durch Bewegung, nicht aber durch Ruhe.
- Morgens nach dem Aufstehen sind die Körperregionen länger als 30 Minuten steif.
- Das Gesäß schmerzt mal links oder mal rechts.
- Rückenschmerzen führen in der zweiten Nachthälfte zum Erwachen.

- Weitere Symptome können hinzu kommen.

Bewegen hilft gegen das Versteifen

In seiner Freizeit bewegt er sich viel, betreibt Wassergymnastik und spezielles Gerätetraining. Kräftigungs- und Dehnübungen sind wichtig, um beweglich zu bleiben und die Wirbelsäule zu unterstützen. Auch auf seine Ernährung achtet der Rheumapatient. Er isst viel fettreichen Kaltwasserfisch, um reichlich Omega-3-Fettsäuren aufzunehmen sowie reichlich Gemüse. Den Verzehr von Schweinefleisch hat er aufgrund der enthaltenden Arachindonsäure, die Entzündungen in den Gelenken fördert, stark reduziert.

Doch ganz ohne Medikamente kommt der Morbus Bechterew-Patient nicht aus. Bei Bedarf nimmt er schmerz- und/oder entzündungshemmende Mittel wie Ibuprofen. „Alle vier Wochen spritze ich ein Biologika, das die Entzündungsprozesse in den Gelenken blockt“, erklärt Peter de Beyer. Mit diesen Maßnahmen kann er den Verlauf der Erkrankung gut kontrollieren. Dennoch gibt es Tage, an denen er nicht in Schwung kommt und alles schwer fällt, wie er sagt.

Tipp:

Weitere Informationen sind erhältlich über die Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB): www.dvbm-nrw.de.

Typisch: Schulterschmerz im Alter

Mit Steifigkeit am frühen Morgen über längere Zeit und nachts haben aber auch Patienten mit Polymalgia Rheumatica (PMR) zu kämpfen. Diese rheumatische Erkrankung betrifft fast ausschließlich über 50-Jährige. Es erkranken etwa dreimal mehr Frauen als Männer.

Typisch sind Muskelschmerzen im Schultergürtel, Nacken und Beckengürtel. „Die Patienten haben Schwierigkeiten, die Arme zu heben oder Treppen zu steigen“, erklärt Dr. Dr. med. Ulrich Gerth vom UKM. Das Anfangsstadium verlaufe oft unspezifisch mit Fieber, Appetitlosigkeit, Nachtschweiß, allgemeinem Unwohlsein und depressiven Verstimmungen. Fast immer sind auch Blutwerte wie die Blutsenkungsgeschwindigkeit und das C-reaktive Protein erhöht.

„Behandeln lässt sich die PMR in der Regel sehr gut mit Cortison, meist Prednison“, informiert der Rheumatologe. Langfristig soll das Cortison reduziert bzw. abgesetzt werden. Ist das nicht möglich, kann auch eine Cortison sparende Therapie beispielsweise mit Methotrexat erfolgen.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie auf den Gesundheitsseiten der Wochenblattausgabe 21 vom 23. Mai 2019.

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