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Netzhautablösung

Notfall: Blitze und Rußregen

Löst sich die Netzhaut im Auge, kommt es zu verschiedenen Sehstörungen. Eile ist geboten. Denn das Augenlicht ist in Gefahr.

Die Netzhaut unseres Auges ist nur 0,1 bis 0,5 mm dick und besteht aus zwei Schichten. Löst sie sich vom Augapfel, droht Erblindung.  

Lichtblitze, Rußregen und schlimmstenfalls dunkle Schatten im Gesichtsfeld – dies spüren Patienten vor oder während einer Netzhautablösung. Sie ist ein Augennotfall, der schnell behandelt werden muss – auch am Wochenende. Unbehandelt kann sie zur Erblindung führen. Ein Riss in der Netzhaut, die Vorform der Ablösung, lässt sich mithilfe eines Lasers versiegeln. Löst sich jedoch die Netzhaut ab, sind aufwendigere Operationen notwendig. Besonders an der Makula, dem Punkt des schärfsten Sehens, muss eine Ablösung der Netzhaut verhindert werden.

Sehstörung ernst nehmen

Die Netzhaut kleidet den Augapfel von innen aus. Sie besteht aus zwei Schichten, zwischen denen sich ein hauchdünner, flüssigkeitsgefüllter Spalt befindet. Ein geringer Unterdruck in dem Spalt sorgt dafür, dass die beiden Schichten eng aneinanderliegen. Löst sich nun die obere Schicht der Netzhaut von der unteren, sterben die Sinneszellen nach kurzer Zeit ab und beeinträchtigen das Sehvermögen.

Berichten Patienten, dass sie unvermittelt Lichtblitze sehen oder schwarze Punkte, die durch das Sichtfeld fallen, dann ist Eile geboten. Beide Symptome weisen auf Risse in der Netzhaut hin. Patienten sehen Lichtblitze, wenn der schrumpfende Glaskörper an der Netzhaut zerrt und sich von ihr löst. Die belasteten Nerven interpretieren diesen Vorgang dann als Lichtsignale.

Werden Blutgefäße in der Netzhaut durch den Zug verletzt und blutet es im Auge, sehen Patienten diese freigesetzten Blutzellen als sogenannten Rußregen.

Augenspiegelung nötig

Unter dem Augenmikroskop und mithilfe des Spiegel-Kontaktglases sucht der Arzt bei den genannten Symptomen zunächst nach Verletzungen der Netzhaut. Hierfür wird die Pupille des Patienten mit speziellen Augentropfen weitgestellt. Danach darf der Patient zeitweise kein Fahrzeug fahren.

Die Netzhaut lässt sich auch mittels des Bildgebungssystems Optomap untersuchen. Hierbei scannen zwei Laser die Netzhaut und erstellen ein digitales Bild. Das Verfahren dauert nur wenige Sekunden und ist schmerzfrei.

Lasern beugt Ablösung vor

Die häufigste Form einer Netzhaut­ablösung ist rissbedingt, rhegmatogen. Meist entstehen diese Risse, weil der Glaskörper, der den Aug­apfel von innen ausfüllt, altersbedingt geschrumpft ist und an der Netzhaut zu ziehen beginnt. Vom Riss aus dringt Kammerwasser unter die Netzhaut und hebt sich ab. Die Flüssigkeit drückt sich weiter vor. Dies reduziert die Sehfähigkeit an dieser Stelle – so entstehen die wahrgenommenen Schatten. Auch ein Schlag auf das Auge kann zu einem Netzhautriss führen.

Bislang gibt es keine medikamentöse Therapie. Bei einem Riss in der Netzhaut kann dieser mit Lasernarben versiegelt oder von außen vereist werden. Beide Maßnahmen beugen einer Netzhautablösung vor und können ambulant erfolgen. Doch die Gefahr einer Netzhautablösung ist dadurch nie ganz gebannt.

Eindellen oder entfernen

Bei großflächiger Ablösung der Netzhaut muss operiert werden. Der Operateur versucht die Netzhaut wieder an das darunter liegende Pigmentepithel und die Aderhaut zu drücken. So kann die Sehkraft oft erhalten bleiben.

Einerseits kann der Operateur den Augapfel mit einer Art Gürtel aus Silikon (Buckle, Cerclage) umringen. Dieser dellt den Augapfel ein und erhöht damit den Druck im Auge. So lässt sich an mehreren Stellen die erwünschte Neuverbindung anstoßen. Andererseits kann der Operateur den Glaskörper gänzlich entfernen, um weiteren Zug an der Netzhaut zu verhindern.

Zunächst wird die gallertartige, durchsichtige Masse im Aug­apfel abgesaugt. Löst sich die Netzhaut im oberen Teil des Augapfels, füllt der Operateur eine Gasblase ein. Das Gas drängt nach oben und drückt die Netzhaut an. Mit der Zeit wird das Gas durch Kammerwasser verdrängt.

Etwas komplizierter wird die Behandlung, wenn sich die Netzhaut im unteren Bereich ablöst. Der Glaskörper wird dann durch Silikonöl ersetzt. Das Öl ist schwerer als die Flüssigkeit im Auge und drückt nach unten – verschwindet allerdings nicht. Einige Zeit nach dem Eingriff muss in einer zweiten Operation das Öl entfernt werden.

Weitere Ursachen möglich

Weit komplizierter sind:

  • Tumore, aus deren krankhaften Gefäßen Flüssigkeit austritt, die sich unter der Netzhaut sammelt (seröse Ablatio) sowie
  • in den Glaskörper wachsende krankhafte Gefäße, die sich zu festen Bindegewebssträngen umwandeln und dann den Augapfel zum Schrumpfen bringen und dabei die Netzhaut abziehen (traktive Ablatio). Davon betroffen sind meist Diabetiker.

Auch hier gilt, je früher eine Ablösung behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

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