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Nadelstiche machen mobil

Dry Needling ist eine Therapieform zur Behandlung von muskelbedingten Beschwerden. Dabei lösen Punktionen mit sehr feinen Nadeln Verspannungen und Verhärtungen im Muskel, sogenannte Triggerpunkte.

Beim Dry Needling werden feine Nadeln zentimetertief in den Muskel gestochen. Foto: Wulfekotte

Schmerzen in der Schulter machten Edith Nabers jahrelang das Leben schwer. Die Landfrau aus Alstätte konnte ihren Arm nur noch bis etwa 60 Grad abwinkeln. Ihr Arzt riet ihr schließlich zur Operation. Das war vor knapp drei Jahren. Heute ist die 44-Jährige beschwerdefrei. Operieren lassen hat sie sich aber nie. Was ihr geholfen hat, ist eine in Deutschland noch sehr unbekannte Therapieform, das „Dry Needling“.

Technik aus den USA

Dry Needling heißt übersetzt „trockenes Nadeln“. Der Name rührt daher, dass bei der Behandlung nur mit Nadeln gearbeitet und kein Wirkstoff eingesetzt wird. Carina Tenspolde hat das Dry Needling während ihres Studiums zur Physiotherapeutin in den Niederlanden kennengelernt. Nach einer entsprechenden Weiterbildung in der Schweiz betreibt die 27-Jährige heute zwei physiotherapeutische Praxen mit dem Schwerpunkt Dry Needling, eine in den Niederlanden und eine in ihrem Wohnort Vreden im Kreis Borken.

Lösen von Triggerpunkten

Die Behandlung mit Dry Needling zielt auf die Ursache von Beschwerden. Das sind in vielen Fällen sogenannte Triggerpunkte. Dabei handelt es sich um verhärtete Stellen im Muskelgewebe, die Schmerzen verursachen und die Beweglichkeit einschränken können. Das Einsatzgebiet für Dry Needling ist breit. Neben Muskelverspannungen behandelt Carina Tenspolde beispielsweise Arthrose, Tennisarme, Fersensporne, Bandscheibenvorfälle, Schiefstellungen, Bewegungseinschränkungen nach Verletzungen oder Operationen, aber auch Migräne oder Tinnitus.

Kurzer, krampfartiger Schmerz

Zu Beginn einer Behandlung erfolgt eine ausführliche Anamnese. Dabei geht es in erster Linie um die Frage, ob die Beschwerden durch Triggerpunkte ausgelöst werden. Ist das der Fall, tastet sie den schmerzenden Muskel ab und sucht nach diesen Triggerpunkten. Dann sticht sie mit der Nadel in den Muskel hi­nein. Sobald der Triggerpunkt getroffen ist, beginnt der Muskel zu zucken. Es entsteht für wenige Sekunden ein Gefühl, ähnlich wie bei einem Muskelkrampf. Nach einer Dry-Needling-Behandlung verspürt der Patient in den punktierten Muskeln eine Art Muskelkater. Dieser legt sich nach etwa drei Tagen.

In den Niederlanden, wie auch in der Schweiz, England, den USA und einigen anderen Ländern, ist Dry Needling offizieller Bestandteil einer Rehabilitationstherapie. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Krankenkassen in den Niederlanden die Behandlung zahlen. In Deutschland müssen die Patienten selbst für die Kosten aufkommen.

Schnelle Besserung

Erste Erfolge sind oft unmittelbar nach der Anwendung spürbar. Verspannungen haben sich gelöst und die Mobilität ist möglicherweise direkt verbessert. „Mir ging es durch das Dry Needling stetig besser“, berichtet Edith Nabers.

Therapeuten für Dry Needling sind in Deutschland noch dünn gesät. Eine bundesweite Liste mit entsprechenden Therapeuten gibt es nicht. „Es gibt aber immer mehr Physiotherapeuten, Heilpraktiker und Ärzte, die das zusätzlich anbieten“, erklärt Carina Tens­polde. Ursula Wulfekotte

Den ausführlichen Artikel zum Thema Dry Needling lesen Sie in Wochenblatt Folge 42 auf der Seite 88.