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Parkinson

Mit einer App schneller zur Diagnose?

Am Universitätsklinikum Münster wird derzeit ein mobiles System zur Bewegungsanalyse von Menschen mit Parkinson erprobt. Damit soll die Diagnosemöglichkeit verbessert werden.

Parkinsonpatient Heinrich G. führt nach Anweisung von Martina Langguth Bewegungen aus. Am Arm zeichnet die Smartwatch diese auf.

Vor zehn Jahren wird bei Heinrich G. Parkinson diagnostiziert. Da ist er 64 Jahre alt und noch als LKW-Fahrer bei einem Futtermittelunternehmen tätig. Mit der Erkrankung des zentralen Nervensystems lebt Heinrich G. allerdings schon länger. Denn dem Ausbruch der Erkrankung gehen wahrscheinlich jahrzehntelange Veränderungen im Körper voraus. Im frühen Stadium lässt sich die Erkrankung oft nur schwer feststellen. Typisch ist jedoch, dass sich Bewegungen einseitig verlangsamen und sich beispielsweise ein Zittern in Ruhe bemerkbar macht – und das auch ohne, dass es äußerlich gleich zu erkennen ist.

Und die Uhr horcht mit

Auffälligkeiten wie diese möglichst früh zu erkennen, wird derzeit in der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Münster (UKM) erforscht. Dazu hat Dr. Julian Varghese, Arzt und Informatiker an der Medizinischen Fakultät Münster, in Kooperation mit der Neurologie am UKM eine App entwickelt. Diese ist auf zwei digitale Uhren, sogenannte Smartwatches, installiert, die der Patient während der neurologischen Untersuchung an den Handgelenken trägt.

Die Untersuchung dauert nicht viel länger als 20 Minuten. Studienassistentin Martina Langguth legt dem Patienten an beiden Handgelenken eine Smartwatch an. Diese elektronische Armbanduhr verfügt über zusätzliche Sensoren und Funktionen. Neben der Uhrzeit lassen sich auf ihr weitere Informationen darstellen und zusätzliche Funktionen über Programme (Apps) aufrüsten. Die Smartwatch misst den Puls und kann Bewegungsdaten hochauflösend im Millisekundenbereich messen.

Die Daten werden verschlüsselt

Auf Anweisung führt der Patient bestimmte Bewegungsübungen aus. Ihm werden Rechenaufgaben gestellt und er absolviert Koordinationsübungen mit den Händen und Beinen, die ihm die Studienassistentin vorgibt. Seine Bewegungen werden über die auf der Smartwatch installierten App erfasst und anschließend ausgewertet.

Ergänzt werden die Bewegungsdaten der Hand um elektronische Fragebögen, die Martina Langguth am Smartphone ausfüllt. So fließen wichtige Informationen zur Familienanamnese, Medikation und Fragen zu Begleitsymptomen wie Depressionen, Schlafverhalten, Riechvermögen und allgemeine Lebensqualität in die Bewertung mit ein. Die Daten werden anschließend verschlüsselt und anonymisiert.

Klare Vorgaben für Testpersonen

Damit das System lernt, Parkinsonpatienten von Gesunden oder anderen Erkrankten mit ähnlichen Bewegungsstörungen, wie beispielsweise Patienten mit Multipler Sklerose, zu unterscheiden, gibt es diesbezüglich klare Vorgaben. „Zunächst wollen wir aus den gesammelten Daten schlau werden“, sagt Dr. Julian Varghese. Ziel der Wissenschaftler ist jedoch, aus den Bewegungsdaten der Testpersonen typische Charakteristika zu ermitteln. Sie sollen künftig Diagnosen für Parkinsonpatienten verbessern. Aber nicht nur das.

Möglicherweise lässt sich mit dem mobilen System eine Diagnose früher stellen als bislang möglich. Verändert sich ein Zittern in den Händen während der Therapie, könnte das auch auf eine nicht optimal eingestellte Medikation hinweisen. Davon könnte dann auch Heinrich G. profitieren. Aber soweit ist es noch lange nicht. Die Beobachtungsstudie läuft noch bis Ende 2020.

www.ukm.de

Den vollständigen Beitrag können Sie nachlesen auf den Gesundheitsseiten im Wochenblatt für Landwirtschaft & Landleben der Ausgabe 31 vom 01. August 2019.

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