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Metamizol: Vorsicht geboten

Novalgin ist ein Schmerzmittel mit vielen Namen. Es wird oft verordnet. In Fachkreisen ist dies umstritten. Und das aus gutem Grund.

Das Schmerzmittel Novalgin mit dem Wirkstoff Metamizol bzw. Novaminsulfon ist verschreibungspflichtig. Es gibt klar begrenzte Anwendungsgebiete. Foto: Fotolia/Photographee.eu 

Zwanzig Novalgin-Tabletten bitte“, fordert ein Kunde in der Apotheke. Als Antwort auf diesen Wunsch informiere ich den Patienten, dass das Medikament, dessen Wirkstoff Novaminsulfon oder auch Metamizol heißt, verschreibungspflichtig ist und er deshalb ein Rezept vom Arzt benötigt.

Wieso das denn? Das habe er doch immer zu Hause! Als ich diese Aussage hinterfrage, bekomme ich zu hören, dass das Medikament immer wieder vom Arzt auf seinen Wunsch gegen allgemeine Schmerzen und Fieber verordnet wird. Denn es hilft ja so gut. An dieser Stelle schlage ich innerlich die Hände über dem Kopf zusammen, denn für die Verordnung des Mittels gibt es klare Vorgaben.

Gutes Schmerzmittel

Novaminsulfon bzw. Metamizol zählt zu den Nichtopioiden. Das heißt, dass es den Schmerz nicht im Gehirn, sondern in der Peripherie ausschaltet. Der genaue Wirkungsmechanismus ist nicht bekannt. Unter den peripheren Schmerzmitteln (Analgetika) wirkt es am stärksten fiebersenkend und schmerzlindernd. Gegen Entzündungen hilft es nicht.

Sehr gut wirkt es wegen seiner entkrampfenden Eigenschaften gegen den Eingeweideschmerz, der zum Beispiel bei Gallen- oder Nierenkoliken auftritt. Doch zugelassen ist es nur für akute, starke Schmerzen nach Operationen oder Verletzungen, Kolikschmerzen und Tumorschmerzen. Bei allen anderen Schmerzen oder Fieber ist es nur angezeigt, wenn andere Maßnahmen nicht wirken oder kontraindiziert sind.

Damit wird deutlich, warum Novalgin nicht als Mittel für und gegen alles in die Hausapotheke gehört und der oben erwähnte Patient für seine Situation mit Paracetamol oder Ibuprofen besser bedient ist. Warum aber gibt es so viele Einschränkungen bei diesem scheinbar so guten Schmerzmittel? Denn meist wird das Mittel gut vertragen. Der Grund ist, dass das Medikament selbst wenn es in der Vergangenheit keine Probleme bereitete, doch plötzlich Überempfindlichkeitsreaktionen hervorrufen kann. Und die können lebensbedrohlich sein!

Gefährliche Reaktionen

Zu den nicht allergischen Reaktionen zählt starker Blutdruckabfall bis zum Kreislaufkollaps nach der Einnahme. Je höher die Dosis, desto höher ist das Risiko. Besonders Patienten mit niedrigem Blutdruck sollten vorsichtig sein. Verordnet der Arzt Tropfen, geben Sie 20 Tropfen in ein halbes Glas Wasser. Das wird langsam, also schluckweise getrunken. Ist nach 45 bis 60 Minuten noch keine ausreichende Schmerzstillung eingetreten, können Sie noch einmal 20 Tropfen auf die gleiche Weise nachdosieren. Reicht diese Dosis nicht aus, muss der Patient zum Arzt.

Allergische Nebenwirkungen betreffen meist Patienten, die bereits Allergien haben, zum Beispiel gegen Pollen oder Lebensmittel. Sie treten häufig innerhalb der ersten Stunde nach Einnahme auf, können sich aber auch noch Stunden später einstellen. Leichte Anzeichen können Hautjucken, -brennen oder -rötungen sein. Kurzatmigkeit, Übelkeit oder Erbrechen gehören auch dazu.

Bei schweren Formen kommt es zu Schwellungen der Haut und Schleimhäute mit Atemnot, Herzrhythmusstörungen, Schwindel oder Kreislaufschock. Wer unter einem Analgetika-Asthma leidet, riskiert eher einen Asthma-Anfall. Bei den ersten Anzeichen für eine Unverträglichkeit darf das Medikament nicht mehr eingenommen werden und der Arzt ist aufzusuchen. Denn aus leichten können schwere Formen entstehen wie die Agranulozytose. Siehe dazu Kasten.

Es gibt auch Vorteile

Trotzdem hat aus ärztlicher Sicht der Wirkstoff viele Vorteile: Im Gegensatz zu anderen Schmerzmitteln bereitet es geringe Nebenwirkungen am Magen und Herz-Kreislauf-System. Nach Operationen und bei Koliken ist es ein sehr wichtiges Mittel. Wird es gut vertragen, hat es eine große therapeutische Breite. Das heißt, dass der Spielraum zwischen wirksamer Dosis und Überdosierung recht groß ist.

Schmerztherapeuten kombinieren es gern, um stärker wirksame Substanzen wie Morphin zu „unterstützen“. Dabei wird der vorgesehene Anwendungszeitraum von einer Woche bei Weitem überschritten. Dann aber gehört eine engmaschige ärztliche Kontrolle zum Therapieschema dazu.

Fazit

Trotz aller Widersprüche: Drängen Sie Ihren Arzt nicht, Ihnen ­Metamizol bzw. Novaminsulfon zu verordnen. Wenn er es verordnet, vertrauen Sie darauf, dass er sich an die Sicherheitsauflagen hält. Tropfen nehmen Sie wie oben beschrieben mit Wasser ein. Die Tageshöchstdosis beträgt 4 x 40 Tropfen oder 4 x 2 Tabletten. Das sind 4 x 1000 mg Metamizol.

Fahren Sie erst wieder Auto, wenn Sie wissen, dass Sie das Medikament gut vertragen. Bei Unverträglichkeiten und grippeähnlichen Beschwerden setzen Sie das Medikament ab und konsultieren unverzüglich Ihren Arzt. Bei einer Dauertherapie nehmen Sie die Termine zur Blutkontrolle wahr. Kokemoor