Hygiene

Menstruation: Ein Höschen für die Tage

Tampons und Binden verursachen viel Müll. Eine Alternative könnte Menstruationsunterwäsche sein. Einfache Handhabung, sicherer Schutz, kein Abfall – was perfekt scheint, verdient einen genauen Blick.

Etwa 12  000 Tampons oder Binden verbraucht eine Frau von der ersten bis zur letzten Regelblutung. Das ist viel Müll, der eine Menge Geld gekostet hat. Schon länger wird der Ruf nach umweltverträglicheren Alternativen laut. Eine ist die Menstruationstasse. Sie fängt das Blut direkt in der Scheide auf. Doch die Handhabung ist gewöhnungsbedürftig und nicht jede Frau fühlt sich damit wohl. Einfacher ist Menstruationsunterwäsche.

Die Wäscheteile funktionieren wie eine Binde, die in den Slip inte­griert ist. Praktischer geht es kaum: Einfach den Slip anziehen und ­fertig. Je nach Blutungsstärke sollte die Unterwäsche mehrmals täglich, spätestens aber nach 24 Stunden gewechselt werden.

Mehrere Schichten bieten Schutz

Die Slips haben im Schritt mehrere Schichten. Eine innere Schicht saugt das Blut auf. Eine Membran verhindert, dass Flüssigkeit ausläuft. Die Schichten, die die Haut berühren, sind weich und sollen laut Hersteller trocken bleiben. Wie genau die Wäsche aufgebaut ist und aus welchen Materialien sie besteht, ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich.

Aber wie sicher ist die Wäsche? Auch das ist vom jeweiligen Produkt abhängig. Die Hersteller orientieren sich hier häufig an Tampons. Sie geben an, wie vielen Tampons die Aufnahmemenge der Slips entspricht. Gut geeignet sind die meisten Slips für leichte bis mittlere Blutungen. An Tagen mit starker Blutung ist dagegen häufig ein zusätzlicher Schutz, zum Beispiel mit einer Binde oder einem Tampon, notwendig.

Geringe Waschtemperatur kann problematisch sein

Nach dem Tragen sollte der Slip zunächst von Hand unter kaltem Wasser ausgewaschen werden. Danach kann er in der Waschmaschine mitgewaschen werden. Das Problem: Viele Hersteller empfehlen eine maximale Waschtemperatur von 40 °C, einige sogar nur von 30 °C. Für ­eine hygienische Reinigung sind jedoch 60 °C nötig. Manche Wäschestücke halten solche Temperaturen zwar aus. Sie verschleißen dann aber schneller. Die meisten Slips sind laut Hersteller etwa zwei Jahre funktionstüchtig, allerdings nur bei der empfohlenen Waschtemperatur.

Nach dem Waschen sollte die Wäsche an der Luft getrocknet werden. Das kann eine ganze Weile, bis zu 24 Stunden, dauern. Da kaum jemand jeden Tag wäscht, sind pro Periode etwa fünf Slips nötig. Ein Menstruationsslip kostet im Durchschnitt etwa 20 bis 40 €. Eine Tragedauer von zwei Jahren vorausgesetzt, sind das im Jahr etwa 75 €. Zum Vergleich: Wer ein Jahr lang während der Periode Tampons benutzt, gibt dafür etwa 20 bis 30 € aus. Der Preis kann also nicht das ausschlaggebende Argument für die Menstruationsunterwäsche sein.

Besser Wäsche ohne Biozide wählen

Bleibt der Umweltaspekt. Hier lohnt ein genauerer Blick auf die verwendeten Materialien. Zum Beispiel verwenden einige Anbieter in den Stoffen Biozide, die Bakterien hemmen und so für mehr Hygiene sorgen und unangenehme Gerüche verhindern sollen. Zum Einsatz kommen beispielsweise Zinkpyrithion oder Silberchlorid. Wie diese Biozide sich auf die menschliche Gesundheit auswirken, ist bisher nicht abschließend geklärt, die Stoffe stehen aber in der Kritik.

„Biozide wie Zinkpyrithion oder Silberchlorid sollten unverzichtbaren Anwendungen vorbehalten sein, zum Beispiel medizinischen Anwendungen, und nicht Bestandteil von Massenprodukten wie Bekleidung sein. Denn die Anwendung von Bioziden kann zur Bildung resistenter Bakterien führen und zur Belastung der Umwelt“, erklärt Diplom-Chemikerin Dr. Kerstin Etzenbach-­Effers von der Verbraucherzentrale NRW gegenüber dem Webmagazin „Peppermynta“. Deshalb sollte nach Möglichkeit Wäsche aus­gewählt werden, die auf Biozide ­verzichtet. Ohnehin sei es wahrscheinlich, dass ein großer Teil der Silberionen nach mehrmaliger Maschinenwäsche im Abwasser landen, sagt die Expertin. Sie geht daher davon aus, dass sich der ­gewünschte geruchshemmende Effekt schnell auswäscht.

Schwierige Entsorgung der Wäsche

Die Menge an Müll ist sicher mit Menstruationsunterwäsche geringer als mit Binden oder Tampons. Doch nach zwei Jahren muss auch diese entsorgt werden. Einige Anbieter empfehlen zwar, sie danach weiter wie normale Unterwäsche zu tragen. Ob die Nutzerinnen das aber machen ist ungewiss. Außerdem dürfte es schwierig sein, den Überblick zu behalten, welcher Slip noch „dicht“ ist und welcher nicht mehr. In der Entsorgung allerdings kann der Materialmix, aus dem die Höschen bestehen, zu Problemen führen. Wirklich nachhaltig ist also auch das nicht.

Fazit: Gut für leichte Tage

Letztendlich bleibt es eine Entscheidung, die jede Frau für sich treffen muss. Die leichte Handhabung machen die Menstruationsunterwäsche für Frauen interessant, die eher leichte Blutungen haben oder sich bei stärkeren Blutungen zusätzlichen Schutz wünschen. Auch für junge Mädchen können sie eine gute, diskrete Lösung darstellen. Muss der Slip jedoch gewechselt werden, kann das zumindest unterwegs umständlicher sein als das bei Wegwerfprodukten der Fall ist. Allein aus finanzieller oder ökologischer Sicht ist Menstruationsunterwäsche nur bedingt die bessere Alternative zu Tampons oder Binden. Hier kommt es auf das Material und die Nutzungsdauer an.

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