Leben am Schlauch

Claudia Keller kann keine Nahrung verdauen. Dank einer ausgeklügelten ernährungsmedizinischen Therapie kann sie trotzdem ein aktives Leben führen.

Seit zehn Jahren wird Claudia Keller aus Mettingen künstlich ernährt. Sie hat schafft es trotzdem ein aktives, selbstbestimmtes Leben zu führen.

Ohne ihren Rucksack geht Claudia Keller nirgendwo hin. Darin befindet sich ihre Nahrung für den gesamten Tag. Aber nicht in Form von Butterbroten, Schnitzeln und Obst, sondern als milchige oder durchsichtigeFlüssigkeit in einem sterilen Plastikbeutel.

Wer genau hinschaut erkennt, dass ein dünner Schlauch vom Rucksack unter ihren Pulli führt. Dort gelangt die flüssige Nahrung über einen Katheder in den Körper der 39-Jährigen. Was für Außenstehende schrecklich klingen mag, ist für die lebensfrohe Frau aus Mettingen im Kreis Steinfurt ein Segen. Denn diese Art der Ernährung macht es ihr erst möglich, ein weitgehend normales Leben zu führen.

Heilung nicht möglich

Claudia Keller ging es nicht immer so gut. Mit Mitte 20 erkrankte sie an einem so genannten Malabsorptionssyndrom. Aus ungeklärten Gründen ist ihr Körper nicht mehr in der Lage, Nahrung zu verdauen. „Ich habe jede Mahlzeit erbrochen, hatte unverdaute Stühle“, beschreibt die frühere Pastoralreferentin die Symptome.

Innerhalb eines halben Jahres fiel ihre Gewicht von über 100 kg auf nur noch 35 kg im Januar 2004. Im Dezember 2003 begannen die Ärzte, sie künstlich zu ernähren. Viel mehr konnten die Ärzte nicht für sie machen. Über die künstliche Ernährung konnte Claudia Keller ihr niedriges Gewicht halten, mehr aber nicht. „Ich habe nur im Bett gelegen und vor mich hin vegetiert“, schildert sie die damalige Zeit.

Neue Hoffnung

Obwohl ihrer Situation ausweglos erschien, hat die willensstarke Frau nicht aufgegeben. Sie recherchierte im Internet und erfuhr von einem Mediziner an der Uniklinik Münster, der das Thema Ernährungsmedizin zu seiner Passion gemacht hat, Prof. Dr. Markus Masin.

„Damit fing ein neues Leben an“, erzählt Claudia Keller. Prof. Masin machte bei ihr zunächst eine BIA-Messung. Damit lässt sich die Körperzusammensetzung und der Ernährungszustand eines Menschen erfassen. Auf Grundlage der Ergebnisse stellte er eine Nahrung zusammen, die auf ihre individuellen Bedürfnisse ausgerichtet war. Schon nach kurzer Zeit ging es ihr besser. Sie nahm an Gewicht zu und gewann an Kraft und Lebensqualität. Heute führt Claudia Keller ein weitgehend eigenständiges Leben. Doch die Art, wie sie sich ernährt, erfordert einen hohen Zeitaufwand und viel Disziplin.

Lebe jeden Tag

Gesund ist sie zwar nicht, aber wer Claudia Keller sieht, erkennt nicht, wie krank sie tatsächlich ist. Sie wirkt selbstbewusst, aktiv und lebenslustig. Dass sie jeden Morgen mehr als eine Stunde braucht, bis sie diesen Eindruck erwecken kann, lässt sie sich nicht anmerken. Und auch von den Schmerzen, die sie immer wieder quälen, und den Einschränkungen, die ihre medizinische Versorgung mit sich bringt, erfahren Außenstehende wenig.

„Ich habe gelernt, mit der Krankheit zu leben, sie bestimmt nicht mehr mein Leben“, betont die willensstarke Frau. Sie ist dankbar und glücklich darüber, dass sie durch das ausgeklügelte Ernährungssystem heute die Möglichkeit hat, aktiv am Leben teilzunehmen. Dennoch weiß sie, dass ihr Leben immer in Gefahr ist. Deshalb lautet ihr Lebensmotto: „Lebe jeden Tag.“ Ursula Wulfekotte

Den ausführlichen Artikel lesen Sie im Wochenblatt Folge 14/2014 auf den Gesundheitsseiten.


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