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Haltung bewahren

Ursache vieler Erkrankungen des Bewegungs­apparates ist eine schlechte Körperhaltung. Auf dessen Korrektur setzt die Brügger-Therapie.

Eine schlechte Haltung (Kreuzchen) bei Arbeiten am PC, auf der Toilette oder beim Heben lässt sich gezielt korrigieren (Häkchen). Foto: Fotolia/lermey

Beobachten Sie einmal Babys oder Kleinkinder in ihren Bewegungen. Sie werden feststellen, dass diese kleinen Menschen so gut wie nie eine schlechte Haltung einnehmen.

Sie halten ihren Rücken gerade, wenn sie einen Ball vom Boden aufheben wollen und gehen dabei in die Knie. Babys und Kleinkinder leiden selten an Rückenschmerzen. Schreitet die körperliche Entwicklung voran, geht diese Selbstverständlichkeit gesunder Bewegungsabläufe leider verloren.

Mancher lungert auf der Couch herum, sitzt ungünstig vor dem PC oder bewegt sich ansonsten wenig im Alltag. Erwachsene versuchen häufig eine vorwiegend sitzende Tätigkeit mit Sport auszugleichen. Sie joggen, gehen ins Fitnessstudio oder sind aktiv im Mannschaftssport. Körperliches Training und Bewegung finden meist geballt statt, nach Feierabend.

Körper schützt sich

Absurderweise kann genau dieses Verhalten, die Kombination aus Bewegungsmonotonie und Überbelastung, irgendwann Beschwerden am Bewegungssystem auslösen. Dies ist auch der Ursprungsgedanke des Schweizer Neurologen und Psychiaters Alois Brügger. Seiner Meinung nach sind zahlreiche Erkrankungen des menschlichen Bewegungsapparates auf Fehlbelastungen von Wirbelsäule und Gelenken zurückzu­führen.

Oft beginnt alles mit einer schlechten Körperhaltung. Hinzu kommen dann Belastungen durch Beruf, Freizeitbeschäftigungen und Hobbys. Sowohl zu wenig Bewegung, beispielsweise durch sitzende Tätigkeiten im Berufsalltag, als auch Überbelastung durch zu viel einseitige oder falsche Bewegungen sind schädlich. Sie führen zu Veränderungen der Gelenke und zu Schmerzen an Muskeln und Sehnen.

Unser Körper ist in der Lage, darauf zu reagieren, indem er eine überbelastete Struktur schützt. Er baut Schon- und Schutzprogramme auf. Der Patient nimmt eine schiefe Körperhaltung ein, hinkt oder hat Schmerzen bei bestimmten Bewegungen. Die eigentliche Ursache dafür bleibt erst einmal verborgen. Nicht selten ketten sich Beschwerden aneinander und werden somit immer größer. Erst tut nur der Arm weh, dann plötzlich auch der Nacken und zu guter Letzt plagen stetige Kopfschmerzen. Für viele Patienten ist es überraschend, dass der Ort der Beschwerden und der tatsächliche Auslöser weit voneinander entfernt liegen können.

Die Ursache für eine schmerzhaft eingeschränkte Halswirbelsäule kann beispielsweise eine überlastete Finger- und Handmuskulatur sein. Häufig bekommen Menschen Nackenbeschwerden, wenn sie die meiste Zeit des Tages am PC verbringen und viel mit der Tastatur oder der Maus arbeiten müssen. Andere Patienten beklagen Rückenschmerzen, obwohl der eigentliche Auslöser in einer verkürzten Beinmuskulatur liegt.

Oft sind muskuläre Verkürzungen und Überlastungen der Gelenke die Ursache. Diese entstehen, weil der Alltag vieler Betroffener von Bewegungsarmut und Bewegungsmonotonie gekennzeichnet ist. Aber auch andere Störfaktoren wie Narben oder Bandscheibenvorfälle können die oben beschriebenen Schutzreaktionen und somit eine Reihe von schmerzhaften Bewegungseinschränkungen am gesamten Bewegungssystem zur Folge haben.

Brügger-Konzept hilft

In der Therapie lässt sich der Physiotherapeut vom Patienten seine Bewegungssituation im Alltag ganz genau erklären. So kann er herausfinden, von welcher Fehlbelastung die Schmerzen ausgelöst werden. Anhand seiner Untersuchungen entwickelt der Therapeut ein Bewegungskonzept für den Patienten. Dieses Therapiekonzept sieht vor, dass der Patient:

  • eine aufrechte Körperhaltung während der Arbeit im Alltag erlernt;
  • die Statik des gesamten Körpers korrigiert und
  • die infolge länger anhaltender Muskelanspannung entstandenen Muskelverkürzungen löst.

Die physiotherapeutischen Übungen können sehr gut in den Patientenalltag integriert werden. Gleichzeitig beugen sie weiteren oder wiederkehrenden Bewegungsproblemen vor und steigern die Lebensqualität. Svenja Roer