Grünes Licht lässt Gewebe verdampfen

Mehr als 4 Mio. Männer leiden bundesweit an einer gutartig vergrößerten Prostata. Risikopatienten können jetzt auf eine
schonende Lasertherapie hoffen.


Freitagmorgen, 10.30 Uhr in der Klinik für Urologie des Herz-Jesu-Krankenhauses Münster-Hiltrup. Heute ist Operationstag für Oberarzt Tobias Schleifer und sein Team. Im OP-Saal behandelt er gerade einen Patienten mit gutartiger Vergrößerung der Prostata. Der ganze OP-Saal ist abgedunkelt und schimmert geradezu unwirklich lichtgrün, wenn Urologe Schleifer das Prostatagewebe mittels Laserstrahl verdampfen lässt.

Seit Kurzem arbeitet die urologische Abteilung mit einem neuartigem Lasersystem, der GreenLight XPS Lasertherapie. „Es ist vor allem auch für die Behandlung von Risikopatienten geeignet, die blutverdünnende Medikamente einnehmen müssen oder für die eine lange Narkose aus gesundheitlichen Gründen nicht vertretbar wäre“, erklärte Dr. Drasko Brkovic. Im Rahmen einer Presseveranstaltung stellte der Chefarzt der Klinik für Urologie, Onkologische Urologie und Neuro-Urologie das neue Behandlungsverfahren im Herz-Jesu-Krankenhaus der Öffentlichkeit vor.

Gutartig vergrößertes Drüsengewebe


„Wir werden immer älter und es ist ein physiologischer Vorgang, dass mit dem Alter auch die Prostata größer wird“, erklärte Urologe Dr. Drasko Brkovic. Wenn sich die normalerweise kastaniengroße Drüse, die sich direkt unterhalb der Harnblase befindet, vergrößert, übt sie Druck auf die Harnröhre aus. Es kommt zu häufigem Harndrang und verzögerter Blasenentleerung.

Im weiteren Verlauf nehmen die Symptome zu und die Base entleert sich nicht mehr vollständig. Restharn bleibt in der Blase. Krankheitserreger haben dann leichtes Spiel und es kommt zu Harnwegsinfektionen und -entzündungen. Im Spätstadium der gutartigen Prostatavergrößerung engt das Drüsengewebe die Harnröhre so stark ein, dass die Blasenfunktion versagt. Harn staut sich und es kann zu schweren Nierenschäden kommen. Spätestens dann ist ein operativer Eingriff erforderlich.

Therapiemöglichkeiten

Es stehen viele verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. „Welche letztendlich die optimale ist, sollte jeder Patient mit seinem Urologen besprechen“, erklärte Dr. Drasko Brkovic.

Gängige operative Therapieverfahren

Ein gängiges operatives Verfahren sei die TURP-Methode, bei der sich eine gutartige Prostatavergrößerung bis etwa 100 g mittels elektrischem Schneidstroms und Drahtschlinge ausschälen lässt.

Bei ausgeprägter Prostatavergrößerung von mehr als 100 g werde häufig die offene Operation – Adenomenukleation – bevorzugt.

Vor allem für ältere Patienten und solche mit Schlaganfall oder Herzinfarkt in der Vorgeschichte seien die gängigen Therapieverfahren risikoreich. „Patienten, die mit Blutverdünnern wie Aspirin, Marcumar oder Heparin behandelt werden, müssen die Medikamente für einige Tage absetzen, um an der Prostata operiert werden zu können“, erklärte Brkovic. Internisten warnten davor. Denn die Gefahr, auch durch kurzzeitiges Absetzen der Medikamente einen Schlaganfall oder eine Thrombose zu erleiden, bestehe auch noch viele Monate später.

Für diese Risikopatienten sieht Urologe Brkovic mit dem Green Light-XPS Laser eine risikoarme Behandlungsalternative, weil die Patienten ihre blutverdünnenden Medikamente nicht absetzen müssten.

So funktioniert der Laser

Unter Narkose wird über ein Zytoskop eine dünne Laserfaser in die Harnröhre eingeführt. Durch die Faser wird das Licht des grünen Lasers geleitet. Dessen Energie lässt das vergrößerte Drüsengewebe unter Zugabe von steriler Kochsalzlösung verdampfen. Das Prostatagewebe wird vom Laser schichtweise präzise abgetragen. Über einen Monitor kann der Operateur dem Behandlungsbereich gut einsehen und den Laserstrahl entsprechend steuern.

Wie die Lasertherapie genau funktioniert und welche weiteren Vorteile sie hat, können Sie in der Wochenblattfolge 21 auf den Gesundheitsseiten nachlesen. LHo


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