Hoergeräte

Fragen an den Hörakustikmeister

Hörgeschädigte Menschen sind irgendwann auf Technik angewiesen. Was bei der Auswahl von Hörgeräten bei Schwerhörigkeit zu beachten ist, dazu befragten wir Hörakustikmeister, Päd- und CI-Akustiker Kevin Steier aus Rheine.

Seit etwa acht Jahren leiten Sie das Hörzentrum in Rheine und versorgen Menschen mit Hörsystemen. Wie bemerke ich, dass ich schwerhörig bin?

Meist stellt sich ein Hörverlust schleichend ein und wird von vielen nicht rechtzeitig erkannt. Ursache für eine Schwerhörigkeit im Alter ist oft der Verschleiß von Haarsinneszellen im Innenohr. Betroffene überhören dann beispielsweise die helle Türklingel, das Piepsignal der durchgelaufenen Waschmaschine oder das Vogelgezwitscher im Garten. Typisch ist auch, dass Betroffene vieles nicht mehr alles deutlich empfinden. Längere Gespräche werden zunehmend anstrengend. Viele Betroffene schildern dies mit der Aussage „Ich höre, aber versteh nicht mehr alles.“

Was kann ich von einem Hörgerät erwarten?

Ein Hörgerät sorgt dafür, dass Umgebungsgeräusche wieder erkannt und Sprache wieder deutlicher wahrgenommen wird. Im Alltag können Hörgeräteträger wieder aktiver und weniger angestrengt an Unterhaltungen teilnehmen. Und um ein häufiges Problem zu nennen: Der Fernseher kann endlich leiser gestellt werden. Wichtig ist zu wissen, dass es mit einem Hörsystem etwas Zeit braucht bis man sich an die durch das Hörsystem veränderte Situation gewöhnt hat.

Womit ist in der Eingewöhnungsphase zu rechnen?

Wer nach langer Schwerhörigkeit ein Hörgerät trägt, empfindet seine Umgebung häufig als ungewohnt. Plötzlich fallen Geräusche wie Geschirrklappern, der Betrieb elektrischer Haushaltsgeräte oder der Verkehrslärm auf das Hörzentrum im Gehirn ein.

Unser Gehirn ist zu Beginn mit der Menge an Informationen oft überfordert. Hier braucht es Geduld, da unser Gehirn erst mit der Zeit wieder lernt, die Siganle einzuordnen und wichtiges von unwichtigem zu trennen. Die Gewöhnungszeit an Hörsysteme hängt vom Grad der Schwerhörigkeit ab und davon, wie lange eine Schwerhörigkeit unbehandelt war. Wichtig ist, dass man das Hörgerät regelmäßig und so lange wie möglich in möglichst allen Alltagssituationen trägt.

So mancher ist mit einem Hörgerät versorgt, versteht aber trotzdem nicht gut. Woran liegt das?

Hier sind wir wieder bei den Erwartungen und dem Bewusstsein für seine eigene Hörsitutaion. Hören ist ein sehr komplexer Vorgang und das Verstehen der Sprache findet im Gehirn statt. Bleiben akustische Reize aus, weil durch Verschleiß der Sinneszellen im Innenohr immer weniger wahrgenommen wird, verkümmern die Bereiche im Gehirn, die das Gehörte verarbeiten.

Dann wird Hören und Verstehen regelrecht verlernt. Man muss als Betroffener klar informiert werden, was zu welchem Zeitpunkt ein erreichbares Ziel ist und was gegebenenfalls noch Zeit braucht.

Welche Extras bieten zuzahlungspflichtige Hörgeräte?

Eines Vorweg: Viele Menschen kommen mit einer zuzahlungsfreien Technik gut zurecht. Der Hörgeräteakustiker kann jedes Gerät nach persönlichem Bedarf anpassen. So ist auch hier für jeden Hörverlust etwas dabei. Über zuzahlungsfreie Hörsysteme hinaus gibt es Hörgeräte, die mit zusätzlichen Komfortfunktionen ausgestattet sind. Hierzu zählen zum Beispiel die Nutzung von Akkus oder die Bluetoothfähigkeit der Hörsysteme.

Es gibt unterschiedliche Hörsysteme. Wie finde ich das richtige Hörgerät für mich?

Hörsysteme unterscheiden sich in ihrer Bauform, in ihrer Leistung, durch diverse Zusatzfunktionen und im Design. Welches Gerät für Sie infrage kommt, hängt unter anderem von der Ausprägung Ihres Hörverlustes, Ihren Wünschen sowie Lebens- und Hörgewohnheiten ab. Auch die Handhabung spielt eine wichtige Rolle. Sie sollten das Hörgerät gut eigenständig bedienen und einsetzen können.

Der Hörakustiker muss verschiedene Systeme zeigen und erklären. In der Regel können Sie mindestens drei verschiedene Modelle ausprobieren. Da beim Hören die eigene Empfindung eine große Rolle spielt, sollten Sie sich auf jeden Fall Hörgeräte verschiedener Hersteller anhören. Hier haben Sie die Möglichkeit, sich mit den einzelnen Testgeräten durch den Alltag zu bewegen. Mit Ihrem Favoriten gehen Sie dann in die Feinabstimmung und erleben das Gerät ruhig ein paar Wochen vor dem Kauf.

Das Interview können Sie nachlesen auf dem Gesundheitsseiten im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben vom 03. September 2020, Folge 36.

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