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Kniegelenkersatz

Ersatzgelenk ist oft die letzte Option

Arthrose ist einer der Hauptgründe, warum in Deutschland jährlich etwa 170  000 Menschen ein künstliches Kniegelenk erhalten. Wir befragten dazu den Spezialisten für Gelenkendoprothetik Dr. Frank Horst vom St. Josef Stift Sendenhorst.

Ist der Schaden im Kniegelenk so groß, dass Knochen auf Knochen reibt, hilft meist nur noch eine künstliche Knieprothese.  

Ein geschädigter Gelenkknorpel gilt als Auslöser für die Kniearthrose. Lässt sich dieser nicht einfach reparieren?

Nein, so einfach ist das nicht. Knorpel ist festes, glattes, elastisches Gewebe. Es überzieht im Gelenk die Knochenabschnitte, die sich gegenüberliegen. Hier schützt er die Knochen wie ein Stoßdämpfer und sorgt mit der Gelenkflüssigkeit für einen reibungslosen Bewegungsablauf. Diese Gelenkflüssigkeit versorgt auch den Knorpel, denn er hat selbst keine eigene Blutversorgung. Deshalb kann sich geschädigter Knorpel auch kaum selbst regenerieren. Der Körper kann den Knorpel auch nicht nachwachsen lassen. Bestenfalls entsteht Faserknorpel, ein Narbengewebe, das nicht so fest und elastisch ist und auch nicht die Fähigkeit hat, Wasser zu binden, wie es der hyaline Gelenkknorpel vermag.

Auch gibt es bislang kein Mittel, das Gelenkknorpel aufbaut oder repariert.
Das gilt auch für die Einnahme von Glucosamin und Chondroitinsulfat oder einer Kombination der beiden Nahrungsergänzungsmittel. Sie sollen den vorhandenen Knorpel in seiner Struktur unterstützen, eine therapeutische Wirkung bei Arthrose ist aber nicht zu erwarten.

Wie kommt es eigentlich zu Schäden am Gelenkknorpel?

Gelenkknorpelschäden können unterschiedliche Ursachen haben. Vor allem sind es Fehlstellungen der Beinachse. Diese sind, außer bei offensichtlichen X- oder O-Beinen, äußerlich gar nicht immer so erkennbar. Aber auch Überlastungen, die mit erhöhtem Verschleiß einhergehen, Entzündungen oder Knochen- oder Bandverletzungen können Gelenkknorpel nachhaltig schädigen. Schreitet der Gelenkverschleiß fort, entstehen mit der Zeit auch Veränderungen in der Gelenkkapsel, am Knochen und an der Muskulatur.

Wann raten Sie zu einem künstlichen Gelenk?

Unser oberstes Ziel ist es, ein Gelenk möglichst lange zu erhalten. Meist haben die Patienten schon jahrelang versucht, mittels der konservativen Therapie Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Gelenk in den Griff zu bekommen. Dazu gehört die Behandlung mit Schmerzmitteln, aber auch krankengymnastische Übungen.

Manchen hat zeitweise Akupunktur oder eine transkutane Elektrostimulation (TENS) geholfen. Auch eine physikalische Therapie mit Interferenzstrom, bei der zwei Ströme rechtwinkelig auf das Gelenk treffen, können helfen, Schmerzen zu lindern. Der entscheidende Satz, der über den weiteren Verlauf der Therapie und einen Gelenkersatz entscheidet, lautet:

"Meine Lebensqualität leidet"

Mit welchen operativen Eingriffen lässt sich der künstliche Gelenkersatz verzögern?

Bei X- oder O-Beinen lässt sich eine Fehlstellung der Beinachsen oft operativ beheben. Bei O-Beinen würde man beispielsweise die Innenseite des Unterschenkelkopfes etwa zu 2/3 einschneiden, mit Knochensubstanz auffüllen und mit einer Platte versehen.➜

Liegt ein isolierter Knorpeldefekt vor, kann unter bestimmten Vo­raussetzungen gesundes Knorpelgewebe aus dem Knie entnommen, in einem Speziallabor angezüchtet und entsprechend aufbereitet werden und wieder ins Knie transplantiert werden. So lassen sich kleine Defekte im Gelenkknorpel ausgleichen.

Ist der Gelenkverschleiß jedoch zu weit fortgeschritten, hilft oft nur ein künstlicher Gelenkersatz, also eine fest im Knochen verankerte Prothese aus Metall und der Kunststoffkomponente Polyethylen.

Knieendoprothesen gibt es in unterschiedlichen Modellen. Wann kommt welche Art von Prothese infrage?

Muss nur ein Teil des Kniegelenkes ersetzt werden, gibt es sogenannte Knieteil- oder Schlittenprothesen. Bereiche, in denen der Knorpel noch intakt ist, werden belassen. So lässt sich die Implantation einer Knievollprothese häufig bis zu 10 oder 15 Jahre hinausschieben.

Bei der Knie-Vollprothese werden die beiden Gelenkflächen durch künstliche Gleit­flächen ersetzt.
Sind dagegen im gesamten Kniegelenk die Gelenkflächen abgenutzt, schmerzen diese und ist die Bewegung eingeschränkt, ist meist eine Vollprothese des Kniegelenks erforderlich. Bei einer Vollprothese ersetzt der Orthopäde beide Gelenkflächen im Kniegelenk – also den oberschenkelseitigen und den schienbeinseitigen Bereich – durch künstliche Gleitflächen.

Bei modernen Oberflächenprothesen muss nur die verschlissene Knorpeloberfläche entfernt werden, der Knochen bleibt weitgehend intakt. Auch die Seitenbänder und das hintere Kreuzband bleiben erhalten. Die Prothesen werden zementfrei oder zementiert verankert. In den meisten Fällen zementiert man die Knieendoprothese ein, um sie im Knochen zu befestigen. Der Vorteil ist, dass man bei einem Austausch die Chance hat, die Prothese ohne sehr großen Knochenverlust wieder herauszubekommen. Das ist immer aber eine individuelle Entscheidung.

Wie sieht die weitere Therapie nach der OP aus?

Die Patienten bleiben in der Regel eine Woche in der Klinik. Hier werden sie unter Schmerztherapie mobilisiert, erhalten Lymphdrainage und eine Gangschulung.

Dem schließt sich in der Regel eine dreiwöchige Rehabilitationsmaßnahme (Reha) an. Die kann auch in unserem Hause erfolgen. Die Patienten werden in dieser Zeit in einer Gruppe von zehn Personen von demselben Therapeuten und Arzt betreut. Ziel ist es, nach drei Wochen wieder ohne Stützen und weitgehend ohne Schmerzmittel zu gehen. Es werden differenziert Ausdauer, Kraft und Koordination trainiert. Außerdem werden Alltagssituationen und das Reaktionsvermögen geübt.

Kann ich mit einer Knieprothese all das tun, was ich mit einem gesunden Knie tun könnte?

Vieles geht. Das Bein wieder voll strecken, das kann fast jeder wieder. Das Knie lässt sich meist 110 Grad oder mehr beugen. Nach der Reha sind es meist etwa 100 Grad. Damit kann man Treppen steigen und auch Rad fahren. Wichtig ist, dass der Patient Übergewicht vermeidet und in Bewegung bleibt.

Das vollständige Interview lesen Sie im Wochenblatt für Landwirtschaft & Landleben auf den Gesundheitsseiten der Folge 28 vom 11. Juli 2019.

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