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Durch den Kakao gezogen

Schulmilch in der Diskussion

Die Organisation foodwatch hat mit einer Petition gegen gezuckerte Schulmilchprodukte eine Diskussion losgetreten. Im Zentrum steht die Frage, ob Kakao Kindern gut tut oder ihnen schadet. Es geht aber um mehr.

Milch und Kakao fördern die Konzentrationsfähigkeit von Schülern - ein Ergebnis von Untersuchungen unter anderem an der TU Dortmund,

Die Organisation "foodwatch" hat kürzlich Bundesländer, die neben Schulmilch auch Kakao anbieten, aufgefordert, diesen aus dem Programm zu streichen. Aufgrund seines hohen Zuckergehalts fördere Kakao Übergewicht bei Kindern, hieß es zur Begründung.

Zum Hintergrund: Die Schulmilchbeihilfe der Europäischen Union gibt es seit 1977. Ziel ist es, bei Schülern den Konsum gesunder, vitamin- und mineralstoffreicher Milcherzeugnisse zu fördern. Denn viele Kinder schaffen es nicht, die unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen drei Portionen Milch oder Milchprodukte täglich zu sich zu nehmen. Im vergangenen Jahr hat die EU beschlossen, nur noch Milchprodukte ohne Zuckerzusätze zu fördern.

Schulmilch-Programm: So läuft es in NRW

NRW nutzt eine Ausnahmeregelung, um in den Schulen auch weiterhin Kakao anbieten zu können. Vanille- und Erdbeermilch sind aufgrund des höheren Zuckergehalts seit den Sommerferien aus dem Programm gestrichen.

Bereits 2017 wurden die beiden bisher getrennt laufenden Programme für Schulobst bzw. -gemüse und Schulmilch zum "EU-Schulprogramm NRW" zusammengefasst. In diesem Rahmen sorgt das Land NRW dafür, dass die EU-Mittel aus der Schulmilchbeihilfe bei den Schülern ankommt. Das Geld erhalten die Molkereien oder andere Anbieter, die Milch an Kitas und Schulen liefern. Auf diese Weise haben die Kinder die Möglichkeit, relativ günstig einen Viertelliter Schulmilch pro Tag zu bekommen.

Zuckerarm und konzentrationsfördernd

Bei dem Kakao handele es sich um eine vergleichsweise zuckerarme Variante, betont Frank Maurer von der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW. Erlaubt sei ein Zuckerzusatz von bis zu 7 %. Tatsächlich werden diesem Kakao nur etwa 4 % Zucker zugesetzt. Die meisten im Handel erhältlichen Kakaogetränke enthalten mehr Zucker. Neben der Energie liefern Milch und Kakao wertvolle Inhaltsstoffe, wie Eiweiß, Calcium oder Vitamin B12.

So viel Zucker steckt drin: Zuckergehalte von Milch, Kakao und Getränken im Vergleich.

Dass gerade Kakao die Konzentrationsfähigkeit von Schulkindern fördert, hat Prof. Günter Eissing vom Institut für Gesundheitsförderung und Verbraucherbildung an der Technischen Universität Dortmund vor zwei Jahren nachgewiesen. Eissing spricht sich deshalb dafür aus, Kindern in der Schule neben Milch auch Kakao anzubieten.

Im Schuljahr 2016/17 nahmen in NRW insgesamt 3020 Kitas und 2417 schulische Einrichtungen, vor allem Grundschulen, am Programm teil. Das entspricht etwa 30,4 % der Kitas und 42,9 % der Schulen in NRW.

Erst einmal die Eltern fragen

Das Festhalten am Kakao-Angebot hat die Organisation foodwatch scharf kritisiert. In einer Petition vom 17. August forderte foodwatch die Bundesländer, die noch Kakao anbieten, auf, künftig nur noch reine Milch im Rahmen der Förderung anzubieten. Angesprochen waren neben NRW noch Hessen, Brandenburg und Berlin.

Die Umweltministerin aus Hessen, Priska Hinz (Grüne), hat angekündigt, Kakao aus dem Programm zu streichen. Anders die NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU): Sie ist bei ihrer Entscheidung geblieben, den Kakao vorerst nicht aus dem Programm zu nehmen, und möchte die Eltern in die Entscheidung einbeziehen. Dafür soll noch in diesem Jahr eine Befragung durchgeführt werden, erklärt Nora Gerstenberg, Pressereferentin des Umweltministeriums. Nähere Details stehen derzeit noch nicht fest.

Für die beteiligten Molkereien und Lieferanten würde die Streichung von Kakao das Projekt Schulmilch zunehmend uninteressant machen. Von FrieslandCampina heißt es: Sollte das Bundesland NRW den Kakao aus der Förderung herausnehmen, würde es für die Molkerei schwierig, den Schulmilch-Vertrieb aufrechtzuerhalten. Das hätte auch Auswirkungen auf die Milchbetriebe im Land. Denn die Schulmilch wird vorwiegend lokal von den Landwirten in NRW für Schulkinder in NRW produziert.

Ein schräger Vergleich

Foodwatch hat den Lieferanten von Schulmilch, allen voran der Molkerei FrieslandCampina, auch vorgeworfen, sie würde die Milch überteuert an den Schulen verkaufen. Schulmilch ist jedoch preislich nicht mit der Milch aus dem Discounter zu vergleichen. Bei der Schulmilch handelt es sich um frische Milch, in einigen Fällen auch um H-Milch, die regelmäßig an die Schulen und Kitas geliefert wird. Etwa die Hälfte der Milch wird in Glasflaschen ausgeliefert. Die Lieferanten sorgen nicht nur für die Belieferung jeder einzelnen Schule, sondern sie holen die leeren Flaschen und Kartons auch wieder ab und kümmern sich um die Reinigung bzw. Entsorgung. Diese Logistik ist teuer. Viele kleinere Molkereien haben sich aufgrund des hohen Aufwandes inzwischen aus dem Schulmilch-Programm zurückgezogen.

Ausführlichere Informationen und einen Kommentar zur "foodwatch"-Petition finden Sie im aktuellen Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben, Folge 37/2018, vom 13. September 2018.