Antibabypille

Die „Pille“ - es gibt sie seit 60 Jahren

Neben der Empfängnisverhütung wird das Hormonpräparat auch zur Behandlung häufiger Störungen des weiblichen Hormonhaushalts eingesetzt. Doch meist nicht ohne Risiken.

Weltweit schlucken täglich über 100 Mio. Frauen die Antibabypille. Es gibt sie mittlerweile in unterschiedlichen Zusammensetzungen und Dosierungen. Doch frei von möglichen Nebenwirkungen, wie einer erhöhten Thrombosegefahr, sind sie nicht, wie Prof. Dr. Vanadin Seifert-Klauss vom Klinikum rechts der Isar in München berichtet.

Pille und mögliche erhöhte Suizidgefahr

„Nach wie vor ist die Pille das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel“, sagt die Gynäkologin. Doch aktuelle Auswertungen der gesetzlichen Krankenkassen (AOK und TKK) zeigen, dass sich insbesondere junge Frauen weniger häufig die Pille verschreiben lassen – und das, obwohl sie für Frauen bis zum Alter von 22 Jahren kostenlos ist.

Mögliche Gründe dafür sind etwa neue Warnhinweise in den Beipackzetteln der Produkte, die auf eine erhöhte Suizidgefährdung als Folge von Depressionen aufmerksam machen.

Grundlage für die Warnungen sind Studien aus Dänemark und den USA, die bei Pillenanwenderinnen vermehrt depressive Verstimmungen feststellten, erklärt Prof. Vanadin Seifert-Klauss. Allerdings relativierten gynäkologische Fachgesellschaften in Deutschland die Schlussfolgerungen aus den Studien.

Neben methodischen Mängeln kritisierten sie, dass ein Zusammenhang zwischen Hormondosis/­-präparat und depressiver Symptomatik fehle. „Die Studiendaten zeigen lediglich ­einen zeitlichen Zusammenhang zwischen Pillenanwendung und Depression bzw. Selbstmordrisiko, nicht jedoch eine Ursächlichkeit“, informiert die Gynäkologin.

Pille und das erhöhte Risiko für Thrombosen

Tatsächlich aber können einige Pillenpräparate das Risiko für einen Gefäßverschluss durch Blutgerinnsel erhöhen. „Dies betrifft nicht die Minipillen, die ausschließlich Gestagen enthalten, sondern nur Präparate mit Hormonkombinationen“, erklärt Prof. Vanadin Seifert-Klauss.

Dazu zählen etwa Pillenpräparate mit einem Anteil an Ethinyl-Estradiol, einem synthetischen Arzneistoff aus der Gruppe der Estrogene. Es gebe auch Hinweise, dass Präparate der 3. und 4. Generation, insbesondere jene mit dem künstlichen Gestagen Drospirenon, das Thromboserisiko erhöhe. Das Gleiche gelte für kombinierte orale Kontrazeptive, die im Langzyklus eingenommen werden.

Allerdings sei das Risiko generell auf niedrigem Niveau und im Verhältnis zu sehen. So sei das Thromboserisiko für Schwangere und Frauen nach einer Geburt um ein Vielfaches höher.

Haben Sie das gewusst?

Die Pille der 1. Generation enthielt bis zu zehnmal mehr Estrogen als heutige Pillen.
- Mit der 2. Generation sank die Hormonmenge in den Mikrogrammbereich, was die Verträglichkeit verbesserte. Zusätzlich beinhalten diese Mikropillen das Gestagen Levonorgestrel in unterschiedlicher Konzentration.
- Die Pillen der 3. und 4. Generation enthalten andere Gestagene wie Gestoden oder Desogestrel (3. Generation) bzw. Drospirenon (4. Generation). Heutige Pillen-Präparate unterscheiden sich in ihrem Anteil von Estrogen und Gestagen im Verlauf des Zyklus: Bei Einphasenpillen bleiben die jeweiligen Anteile während der gesamten Einnahmedauer (Zyklus) konstant. Bei Zwei- und Mehrphasenpillen verändert sich je nach Zyklusphase die Konzentration an Estrogen und Gestagen. Minipillen bestehen nur aus Gestagenen.

Vor allem spielten individuelle Faktoren, wie Rauchen, Übergewicht oder eine erblich bedingte Veranlagung zur Thrombose (Thrombophilie) eine entscheidende Rolle für das Thromboserisiko. Prof. Vanadin Seifert-Klauss sieht in der Einnahme der Pille bei korrekter Anwendung und gesundheitlicher Eignung viele Vorteile.

Pille und ihre therapeutische Wirkung

Neben der Verhütung habe die Pille auch therapeutische Wirkung, etwa auf Blutarmut durch zu starke Blutungen, bei unregelmäßiger Periode, bei Endometriose oder bei Akne. „Höhere Östrogendosierungen können manchmal sogar positiv sein, wenn man zum Beispiel eine Neigung zu Eierstockzysten hat. Dann können höher dosierte Östrogenpillen dieser Neigung entgegenwirken“, informiert Gynäkologin Seifert-Klauss. Immer sei aber der Nutzen im Verhältnis zu individuellen Risiken für Nebenwirkungen abzuwägen.

Den vollständigen Beitrag können Sie nachlesen auf den Gesundheitsseiten im Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben vom 17. September 2020 in der Folge 38.

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