Corona

Corona wirkt lange nach

Corona hat den Alltag der Kinder auf den Kopf gestellt. Bewegungsmangel und der Trend zu Süßigkeiten haben bei ihnen Spuren hinterlassen, die sie und die Gesellschaft noch lange beschäftigen werden.

Fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen hat sich in der Corona-Pandemie weniger bewegt als vorher, etwa ein Viertel hat mehr Süßigkeiten gegessen. Die Folge: Jedes sechste Kind zwischen drei und 17 Jahren ist in der Corona-Pandemie dicker geworden. Das ist das Ergebnis einer Elternbefragung im Auftrag der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) und des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums (EKFZ).

Folgen bei Zehn- bis Zwölfjährigen besonders deutlich

In der Altersgruppe der Zehn- bis Zwölfjährigen haben mit 32 % besonders viele Kinder zugenommen. Diese Altersgruppe war auch psychisch durch die Corona-Pandemie besonders häufig belastet. Warum sich die Folgen der Pandemie gerade in diesem Alter so deutlich zeigen, ist unklar. Möglicherweise spielt die beginnende Pubertät eine Rolle, vermutet Dr. Susann Weihrauch-Blüher, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) der DAG.

Auffällig war außerdem, dass Kinder aus einkommensschwachen Familien etwa doppelt so häufig zugenommen haben als gleichal­trige Kinder aus finanziell besser gestellten Familien. Auch die seelische Belastung war bei ihnen deutlich höher. Zu den Gründen gibt es auch hier nur Vermutungen. Sorge bereitet, dass sich das soziale Ungleichgewicht durch die Pandemie verstärkt hat. Denn Übergewicht hat häufig Stigmatisierung zur Folge, was viele weitere Nachteile mit sich bringt, unter anderem bei der späteren Berufswahl.

Auch mit gesundheitlichen Folgen ist zu rechnen. „Übergewicht kann schon bei Kindern und Jugend­lichen zu Bluthochdruck, einer Fettleber oder Diabetes führen. Schon vor Corona waren 15 % der Kinder und Jugendlichen von Übergewicht betroffen, 6 % sogar von starkem Übergewicht“, erklärt Dr. Weihrauch-Blüher.

Zahlen & Fakten

Von den befragten Kindern und Jugendlichen
- bewegen sich 44 % weniger als vor der Pandemie, bei Kindern im Alter von zehn bis zwölf Jahren sind es sogar 57 %;
- hat sich bei 33 % die körperlich-sportliche Fitness verschlechtert, bei Kindern im Alter von zehn bis zwölf Jahren sind es 48 %;
- belastet bei 43 % die Pandemie die seelische Stabilität ­„mittel“ oder „stark“;
- haben 70 % die Medien­nutzung gesteigert;
- greifen 27 % häufiger zu Süßwaren als zuvor.
Die Pandemie hat jedoch auch eine positive Folge: 34 % der Familien essen häufiger gemeinsam als zuvor.

Politik muss gegensteuern

„Die Folgen der Pandemie müssen aufgefangen werden, sonst werden die ‚Corona-Kilos‘ zum Bumerang für die Gesundheit einer ganzen

Generation“, sagt Prof. Hans Hauner, Direktor des EKFZ für Ernährungsmedizin. Beispielsweise fordert er, dass die Finanzierung der Adipositas-Therapie durch die Krankenkassen zur Regel werden müsste. Derzeit handelt es sich dabei um Einzelfallentscheidungen.

Auch die Politik ruft er zum Handeln auf, zum Beispiel durch eine gezielte Besteuerung. Die Zuckersteuer in Großbritannien zum ­Beispiel habe gezeigt, dass sich ­dadurch der Zuckergehalt der Lebens­mittel reduzieren lasse.

Kinder sollen lernen, selbst zu kochen

Die Schulen sieht Prof. Hauner ebenfalls in der Pflicht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung habe zwar gute Qualitätskriterien für die Kita- und Schulverpflegung erarbeitet. Diese seien aber nicht verpflichtend und würden nur selten eingehalten.

Wichtig sei zwar auch die Ernährungsbildung in den Schulen. Nach Möglichkeit sollten die Schüler aber praktisch lernen, sich selbst eine Mahlzeit zuzubereiten. „Das würde sich lohnen“, ist Prof. Hauner sicher.

Depressionen und Essstörungen

Die Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen haben massive Folgen für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Vor allem an Depressionen und Essstörungen leiden deutlich mehr Minderjährige als vor der Pandemie. Das zeigt der aktuelle Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK.
- 15- bis 17-Jährige: Bei den älteren Teenagern kamen 2021 im Vergleich zum Vorjahr 28 % mehr mit Depressionen und 17 % mehr mit Essstörungen in Kliniken. Im Vergleich zu 2019 steigen die Krankenhausaufenthalte bei Essstörungen sogar um 40 %. Mädchen wurden über 32-mal so häufig wegen Essstörungen stationär behandelt wie Jungen.
Aufgrund von emotionalen Stö­rungen wurden 2021 42 % mehr Jugendliche stationär versorgt als im Jahr zuvor. Zu den emotionalen Störungen zählen zum Beispiel Trennungsangst, soziale Ängstlichkeit oder Phobien.
- Zehn- bis 14-Jährige: Auch in dieser Altersgruppe nahmen die psychischen Probleme zu. Die Zahl der stationären Behandlungen stieg bei Depressionen um 27 %, bei Angststörungen um 25 % und bei Essstörungen um 21 %.
- Fünf- bis Neunjährige: Sie litten vor allem unter Störungen der sozialen Funktion (plus 36 %) und unter Entwicklungsstörungen (plus 11 %). Jungen waren in dieser Alters­gruppe deutlich häufiger betroffen als Mädchen.

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