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Bewegung nach der Krebs-OP

Ein Armstrumpf muss immer getragen werden, damit das Lymphödem klein bleibt. Foto: Leifeld

Die Operation ist geschafft, der Tumor entfernt. Viele Krebspatienten haben damit die erste Hürde der Behandlung genommen. Auf den ersten Blick scheint es so, als müsse sich der Patient erst erholen. Doch das stimmt nicht ganz. Denn nach einer Krebsoperation sollte unmittelbar mit der physiotherapeutischen Behandlung begonnen werden. Und das nicht ohne Grund.

Patienten mit Tumoren sind aufgrund ihrer Erkrankung stärker thrombosegefährdet als andere Menschen. Löst sich ein Thrombus, also ein Blutpfropf, kann er vom Blutstrom mitgerissen werden und beispielsweise Lungengefäße verschließen, was zu einer Lungenembolie führt. Längeres Liegen verstärkt jedoch nicht nur dieses Risiko. Auch die Lunge wird dann nicht richtig belüftet. Damit steigt das Risiko eine Lungenentzündung zu bekommen. Demnach gilt die Regel: Nicht länger liegen, als unbedingt erforderlich! Dabei unterstützen Physiotherapeuten.

Sie helfen den Patienten sich schnell nach der Operation auf die Bettkante zu setzen oder sogar einige Schritte zu gehen. Das ist wichtig, um den Kreislauf anzuregen. Ist das Aufstehen noch nicht möglich, lernen die Patienten von Physiotherapeuten ein Bewegungsprogramm, das im Liegen durchgeführt werden kann. Auch die Atemtherapie ist ein wichtiger Bestandteil in der Zeit direkt nach der Operation.

Patienten nach einer Lungenoperation trainieren, mit gezielter Atemtherapie die Lungenfunktion zu verbessern. Patienten nach großen Operationen entwickeln sehr schnell Fehl- und Schonhaltungen. In der Physiotherapie lernen sie diese zu erkennen. Mit gezielten Übungen stärken sie beeinträchtigte Muskelgruppen, um sich wieder so natürlich wie möglich bewegen zu können. Somit lassen sich Krankheits- und Operationsfolgen durch gezielte Physiotherapie lindert oder ganz vermeiden.

Bewegung bei Erschöpfung

Viele Patienten sind während der Krebstherapie erschöpft und müde. Eine besondere Form der Müdigkeit bei Krebs heißt in der Fachsprache Fatigue. Auch Patienten mit Multipler Sklerose leiden oft daran. Angepasstes, vom Physiotherapeuten angeleitetes Bewegungstraining verbessert derartige Erschöpfungszustände. Auch Depressionen und Ängste lassen sich durch Training oft bessern. Insgesamt gibt es nur wenige Situationen, in denen Bewegung tatsächlich schaden kann. Jeder Patient sollte aber darauf achten, dass er sich nicht überfordert. Nehmen Sie sich auf ihrem Spaziergang ein schönes Buch mit und genießen sie in der Sonne auf einer Bank oder in einem Cafe eine Lese- und Bewegungspause.

Lymphödeme vermeiden

Bei Krebsoperationen wird in der Regel mindestens ein Lymphknoten entfernt. Lymphabflusswege werden so unterbrochen und Gewebeflüssigkeit kann nicht mehr richtig abfließen und staut sich. Es entsteht ein Lymphödem. Wird ein Lymphknoten in der Achsel entnommen, wie beispielsweise beim Brustkrebs, entsteht eine Lymphödem am Arm. Werden die Lymphknoten in der Leiste entfernt, zum Beispiel beim Prostatakrebs, kann sich ein Ödem an einem Bein bilden.

Dieser Situation ist jedoch kein Patient hifllos ausgeliefert. Lymphödeme lassen sich vermeiden, wenn einige Maßnahmen beherzigt werden. Wichtig ist, das Körpergewicht auf einem normalen Niveau zu halten. Die betroffene Extremität darf nicht durch enge Kleidung eingeschnürt werden. Extreme Hitze und Kälte ist zu vermeiden. Massagen und Fango können das geschwächte Lymphsystem strapazieren, sodass sich ein Ödem entwickeln kann.

Zu vermeiden sind ebenfalls Überbelastungen ohne Erholungsphasen wie einseitige Hausarbeit, das Tragen schwerer Lasten sowie Fließband- und Akkordarbeit. Es bildet sich dann vermehrt Lymphflüssigkeit. Sollten Sie eine Schwellung in nur einem Arm oder Bein an sich entdecken, kann es sich um ein Lymphödem handeln. Auch Schwere-, Druck- und Spannungsgefühl, Hautveränderungen, verbreiterte Hautfalten und schnelle Ermüdbarkeit können ein Warnzeichen sein. Svenja Leifeld M.A. Berufspädagogion Physiotherapie