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Depressionen

Altersdepression: oft verkannt

Etwa jede vierte Frau und jeder achte Mann erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Depression. Das Alter schützt keineswegs vor ihr.

Angehörige von älteren Menschen mit Depressionen sollten im Umgang mit ihnen geduldig sein und sie ermutigen, professionelle Hilfe anzunehmen.

Neben Schlafstörungen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sind es oft auch Ängste oder Reizbarkeit, die auf eine Depression im Alter aufmerksam machen. Häufig ändert sich auch das Wesen des alten Menschen. Der Betroffene zieht sich zurück, ist nicht selten des Lebens überdrüssig.

Auch im Alter macht sich eine Depression häufig über körperliche Symptome bemerkbar. So können zum Beispiel Appetitstörungen, Magendruck, Gewichtsverlust, Kopfschmerzen, Druckgefühl im Hals oder in der Brust, Schwindelgefühle, Sehstörungen oder Muskelverspannungen auch Anzeichen für diese psychische Erkrankung sein.

Medikamentös therapieren

Hinter den Beschwerden verbergen ist mitunter auch andere Erkrankungen. Diese können zudem infolge von Nebenwirkungen einer medikamentösen Therapie oder aus Altersgründen auftreten. Weil die Symptome einer Depression so vielgestaltig sind, fällt eine eindeutige Diagnose oft schwer.

Erste Hinweise auf eine Depression geben oft verschiedene Fragebögen und Screeningtests, die der Arzt durchführt. Dabei spielen Aspekte wie Formen und Dauer der Symptome sowie der Schweregrad eine Rolle.

Depressiv oder dement?

Bei betagten Patienten lassen sich psychiatrische Erkrankungen nicht immer scharf voneinander abgrenzen. Typischerweise beginnt eine Demenz eher schleichend. Eine Depression kommt demgegenüber in einem meist kürzeren Zeitraum zum Tragen. Während Störungen der Hirnleistung bei demenziellen Erkrankungen deutlich im Vordergrund stehen und daran Erkrankte die Beschwerden eher bagatellisieren, können depressiv Erkrankte in der Regel ihre Sorgen und Nöte schildern und auch darauf aufmerksam machen. Im Regelfall sind depressive Menschen allgemein orientiert, können beispielsweise Datum und Uhrzeit nennen und kommen in ihrem Alltag zurecht. Im Verlauf einer demenziellen Erkrankung gehen diese Fähigkeiten oft verloren.

Eine Depression lässt sich psychotherapeutisch und/oder medikamentös behandeln. Etwa 80 % der Patienten sprechen auf eine medikamentöse Therapie an. Verbessert sich bzw. verschwindet die depressive Symptomatik, wird die Therapie mindestens zwei Jahre beibehalten. Der Erfolg einer Therapie ist nicht abhängig vom Lebensalter und auch bei hochaltrigen Patienten unbedingt ratsam.

Zu beachten ist, dass ältere Patienten beim Absetzen der Antidepressiva ein erhöhtes Rückfallrisiko von etwa 60 % tragen. Die überwiegende Mehrzahl der Patienten lässt sich jedoch mit derselben Therapie bei Wiederaufnahme erneut erfolgreich behandeln. Grundsätzlich gilt die Regel, dass eine neue Medikation anfangs niedrig dosiert und im weiteren Verlauf langsam gesteigert wird.

Wechselwirkung beachten

Viele moderne Antidepressiva wirken nach wenigen Tagen. Bei älteren Präparaten ist dies meist erst nach zwei Wochen zu beobachten. Oft müssen Antidepressiva drei bis vier Wochen eingenommen werden, bevor sich deren Wirkung beurteilen lässt. Es kann dann notwendig sein, die Dosierung des Medikamentes anzupassen oder dieses zu wechseln, weil es nicht ausreichend wirkt oder es zu Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Arzneien kommt.

Der Beitrag ist nachzulesen auf dem Gesundheitsseiten der Wochenblattfolge 12/2019.

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