Baumpflege

Streuobst: Jungbäume pflegen

Mit Hacke, Schere und Seil geht’s im Sommer auf die Streuobstwiese. Behutsame Eingriffe bringen besonders die jungen Gehölze weiter.

Auf einer Streuobstwiese ist rund ums Jahr etwas zu tun. Insbesondere die Neulinge brauchen Pflege von Fuß bis Kopf. Was im Sommer zu tun ist, erklärt Baumpfleger Peter Trapet. Bei der Biostation Paderborn-Senne arbeitet er im LEADER-Projekt „Streuobstwiesen aktiv“ der Region „Südliches Paderborner Land“ mit. Neben der Schere hat der Baumpfleger wetter- und reißfeste Schnur, Haselnuss-Stecken und eine robuste Rheinische Hacke dabei.

Rüttelprobe bei Jungbäumen

Peter Trapet schaut sich jeden Baum genau an: Ist er kräftig ausgetrieben? Dann rüttelt er am Stamm, um die Standfestigkeit zu prüfen. Verbiss durch Wühlmäuse oder andere Nager fällt dabei auf. Bei der Stammkontrolle achtet er auf folgende Punkte:

  • Ist die Veredlungsstelle intakt? Sie befindet bei Birn- und Apfelbäumen 20 cm über dem Boden, bei Kirschen oft auf Kopfhöhe.
  • Sind Stammaustriebe vorhanden? Wenn ja, sollten sie bis Johanni (24.6.) ausgerissen werden.
  • Gibt es Risse in der Rinde, etwa durch intensive Sonneneinstrahlung? Bei ersten Anzeichen kann Weißeln des Stammes vor Winterbeginn helfen, größere, lebensbedrohliche Risse zu vermeiden.
  • Wie sitzt die Anbindung des Stützpfahls? Sie darf nicht einwachsen, muss aber straff genug sein, um den Baum zu halten.
  • Wie sieht der Fuß des Obstbaumes aus? Er ist oft von hohem Gras verdeckt. Man legt ihn frei, um Schäden durch Mäher oder Verbiss zu entdecken. Frische Verletzungen können mit einem Lehmverband gegen Austrocknung behandelt werden.

    Ein typischer Mähschaden: Die unbehandelte Verletzung kann den Baum das Leben kosten. Frische Wunden versorgt man mit einem Lehmverband. (Bildquelle: Laarmann)

Baumscheibe hacken

Der Boden rund um den Stamm heisst Baumscheibe. „Ich rate dazu, die Baumscheibe in den ersten fünf Standjahren des Baumes frei von höherem Bewuchs zu halten“, sagt Peter Trapet. So muss der Baum Nährstoffe und Wasser nicht mit anderen Pflanzen teilen. Insbesondere bei schwächlichen Jungbäumen ist das effektiv. Das Hacken bricht die Kapillarschicht des Bodens auf und verringert Wasserverluste durch Verdunsten. Das hilft bei Trockenzeiten. Eine freie Baumscheibe sorgt zudem dafür, dass Mäher, Motorsense und Co. nicht unbemerkt bis an den Stamm geführt werden und diesen verletzen. Peter Trapet bearbeitet einen Radius von 50 cm rund um den Stamm eines Jungbaums mit der Rheinischen Hacke. Die entwurzelten Kräuter und Gräser bleiben als Mulch liegen.

50 cm Radius rund um den Stamm hackt man frei von konkurriendem Bewuchs. (Bildquelle: Laarmann)

Baumkrone: Spreizen und binden

In den ersten Jahren soll ein junger Obstbaum eine Krone mit Stamm plus Stammverlängerung und drei bis fünf Leitästen ausbilden. Entscheidend für diese Entwicklung ist ein fachgerechter Winterschnitt. Im Sommer formt der Obstbaumpfleger die Krone weiter aus und strebt dabei die Form eines Weinglases an. Dabei führen die Leitäste waagerecht oder mit leichter Aufwärtsneigung vom Stamm weg und richten sich dann nach oben aus. Junge, weiche Äste formt der Baumpfleger mit einfacher Hilfsmitteln:

Spreizhölzer – Stark aufrecht strebende Zweige biegt Peter Trapet in einen flacheren Winkel. Dazu schneidet er einen Holzstecken, etwa Haselnuss, so zu, dass er ihn zwischen den Steilast und einen weiteren Ast oder den Stamm schieben kann und den Steilast sanft in die gewünschte Richtung bringt. Der Stecken ist an beiden Enden V-förmig zugeschnitten. Innerhalb einer Wachstumsperiode nimmt der gebogene Ast die erzwungene Form dauerhaft an. Der Biegestecken wird entfernt.

Holzstecken, an beiden Enden V-förmig eingeschnitten, sind gut zum Spreizen steiler Äste. (Bildquelle: Trapet)

Schnüre – Nimmt ein junger Ast an den Enden nicht den gewünschten Aufwärtsdrall an, hilft man mit einer Schnur nach. Sie zieht den Ast im äußere Drittel nach oben und wird an einem anderen Ast oder am Stamm befestigt. Nach einer Wachstumsperiode ist die Form gefestigt. Die Schnur muss entfernt werden, damit sie nicht einwächst.

Ein Baum in zweiten Standjahr: Schnur und Spreizhölzer formen die Krone auf sanfte Weise. (Bildquelle: Laarmann)

Zu steil stehende Äste

Sehr wichtig ist die Kontrolle auf Schlitzäste“, sagt der Experte. Das sind aufrecht stehende Äste im Winkel von 35° oder steiler und nach innen eingewachsener Rinde. Unter Fruchtlast sind sie gefährdet, am Stammansatz abzubrechen. „Obstbäume haben eine eher schlechte Wundheilung. Deshalb wollen wir Brüche und große Schnittwunden vermeiden“, so der Experte. Hat ein Jungbaum einen Schlitzast, der mehr als daumendick ist, sollten dieser nicht komplett abgesägt werden. Besser ist es, den Ast bis auf einen Versorgungsstummel von 5 bis 10 cm Länge zurückzunehmen. Begründung: „Der versorgte Stummel verhindert zu große Schnittwunden am Stamm oder an den Leitästen.“

Müssen Schlitzäste weichen, sägt man sie nicht komplett ab, sondern lässt einen versorgten Stummel stehen, um die Wunde möglichst klein zu halten. (Bildquelle: Laarmann)