Pflanzenverkauf kaum möglich

Corona: Lockdown für Frühlingsblumen

Volle Gewächshäuser – keine Absatzmöglichkeit: Vor diesem Problem stehen Gärtner, die Frühblüher wie Primeln und Hornveilchen produzieren. Muss die Ware erneut auf den Müll wie schon im Frühjahr 2020?

Klaus Diekhues ist traurig, ratlos, sauer. In den Gewächshäusern seines Gartenbaubetriebs in Emsdetten, Kreis Steinfurt, blühen die Primeln prächtig. Doch niemand kann sich daran erfreuen. Der Lockdown macht dem Gärtnermeister einen Strich durch seine Frühjahrsblumenrechnung. In normalen Jahren liefert der Betrieb die Frühjahsblüher vorwiegend an eine Erzeugergemeinschaft. Diese verkauft am Großmarkt. Aber dort geht momentan nichts. Da Bau- und Pflanzenmärkte aufgrund des Lockdowns geschlossen haben, fehlt der wichtigste Absatzkanal für die Blumen.

Ende Januar wird ausgeräumt

Not macht erfinderisch. „Einmal bin ich schon mit dem Rasenmäher über die Blumen gefahren, um die ersten Blüten abzunehmen“, berichtet der Praktiker. Damit will er Zeit gewinnen in der Hoffnung, dass sich doch noch ein Absatzweg für die Pflanzen auftut. Lange kann er nicht mehr warten. Denn die Natur lässt sich nicht aufhalten. Das derzeit milde Wetter lässt Primeln, Hornveilchen und Stiefmütterchen unter Glas kräftig sprießen. Und: Die Pflanzen müssen bald raus aus den Gewächshäusern, damit die Gärtner mit der Produktion der Sommerblumen beginnen können. Diekhues berichtet: „Normalerweise habe ich Ende Januar die Hälfte meiner Gewächshausfläche für die Sommerware freigeräumt.“ Um die Blumen nicht auf dem Biomüll zu entsorgen, überlegt Klaus Diekhues derzeit, ob er sie an Gemeinschaftseinrichtungen wie Altenheime spendet.

Appell: Bau- und Gartenmärkte öffnen

Bereits im ersten coronabedingten Lockdown im Frühjahr 2020 mussten Gärtner tonnenweise Pflanzen vernichten, weil sie keine Verkaufsmöglichkeiten hatten. Dieses Szenario droht sich zu wiederholen. Darauf weisen mehrere Verbände aus der Garten- und Baumarktbranche in einer Mitteilung ans Bundeskanzleramt hin. Das Verständnis für die Pandemieschutzmaßnahmen in der grünen Branche sei da, betonen der Zentralverband Gartenbau, der Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten, der Verband Deutscher Garten-Center und weitere Unterzeichner. Dennoch halten die Verbände eine baldige oder schrittweise Wiedereröffnung der Gärtnereien, Gartencenter, Baumärkte und Floristen für wichtig. Sie argumentieren: „Die Sortimente haben auf emotionaler Basis einen wertvollen Einfluss auf das Wohlbefinden und ermöglichen, sich im eigenen Haus oder Garten sinnvoll, kreativ und motivierend zu beschäftigen und den Wegfall anderer Freizeitaktivitäten zu kompensieren.“


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