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Gartenschädling

Buchsbaumzünsler: Durchwachsene Saison 2019

Seit Jahren fressen sich grünschwarze Raupen durch die Buchsbäume. Auch 2019 war das so. Aber die Schädlinge haben es nicht mehr so leicht, wie unsere Expertenumfrage zeigt.

Etwa 1 cm große Zünslerraupen überwintern im Pflanzeninneren. Dichte Gespinste schützen sie vor Kälte.

Vor 13 Jahren wurden die ersten Buchsbaumzünsler in Süddeutschland gesichtet. Seitdem breitet sich der aus Ostasien eingeschleppte Schadschmetterling rasant aus. Er kommt in großen Teilen Nordrhein-Westfalens und Niedersachsens vor. Momentan halten die etwa 1 cm kleinen Zünslerraupen Winterruhe. Dazu ziehen sich die Tiere ins Pflanzeninnere zurück und hüllen sich in schützende Gespinste ein. Wie war die Zünslersaison 2019? Warum berichteten einige Gartenbesitzer in diesem Sommer von weniger Schädlingen? Diese Fragen stellten wir Experten, die den Schmetterling und seine Raupen seit Jahren im Visier haben.

Biologisches Gleichgewicht

Dr. Michael Klenner vom Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer NRW bestätigt, dass die Schäden durch Buchsbaumzünsler in der Saison 2019 je nach Standort sehr unterschiedlich ausfielen. Ein regelmäßiges, flächendeckendes Monitoring führt die Landwirtschaftskammer in NRW nicht durch. Für den Rückgang der Schädlinge könnten Behandlungen mit dem Pflanzenschutzmittel auf Basis des Bacillus thuringiensis verantworlich sein, die noch nachgewirkt haben. Zum anderen gibt es Beobachtungen, dass Singvögel wie Meisen und Spatzen die Raupen im Buchsbaum als Futter für sich entdeckten.

Dr. Klenner hält es für möglich, dass sich über die Jahre ein biologisches Gleichgewicht zwischen dem Zünsler, seinen Feinden und Krankheiten und den Futterpflanzen einstellt. Von Entwarnung kann aber keine Rede sein: „Bei für sie günstigen ­Bedingungen dürfte auch wieder ein Anstieg der Zünslerpopulation zu beobachten sein“, schränkt der Experte ein.

Vögel schafften nicht alles

Dass die Raupen mehr natürliche Feinde haben als vor einigen Jahren, bestätigt Gärtnermeister Klaus Krohme vom Kreislehrgarten Steinfurt: „Die Vögel haben in den letzten Jahren ,gelernt‘, dass in den Buchsbäumen viele Raupen zu finden sind. Besonders zur Brutzeit von April bis Juni erbeuteten die gefiederten Gartenbewohner einen großen Teil der Zünsler. In der zweiten Jahreshälfte tauchte dann aber eine dritte und vierte Ge­neration der Buchsbaumzünsler auf, die massive Fraßschäden an den wintergrünen Laubgehölzen verursachte.“

Solche Fraßschäden traten teilweise erst im Hochsommer auf, nachdem die Singvögel nicht mehr alle Raupen vertilgten.

Volle Überwachungsfallen

Aus Niedersachsen kommt auch keine Entwarnung. Björn Ehsen, Versuchsingenieur der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sowie Gärtnerischer Leiter des Parks der Gärten in Bad Zwischenahn, kann auf handfeste Daten zurückgreifen: „Das Monitoring, welches vom Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen seit drei Jahren im Raum Oldenburg und in Hannover durchgeführt wird, zeigt gleichbleibende (Oldenburg) bis steigende (Hannover) Falterzahlen in den aufgestellten Fallen. Während im Bereich nördlich von Oldenburg der tatsächliche sichtbare Befall am Buchsbaum in diesem Jahr überraschend gering war, wurde direkt in Oldenburg erstmalig ein flächendeckender Befall festgestellt. Dieser hat zwar nicht zum Kahlfraß der Pflanzen geführt, aber es war eine Befallszunahme durch die Sommergeneration festzustellen. Rückmeldungen aus Hannover zeigen, dass der Befall dort ebenfalls zugenommen hat.“ In der ­Region Osnabrück sei ein gleichbleibend hohes Befallsniveau zu beobachten gewesen.

Pflanzengift zur Abwehr?

Als Biologe mit Schwerpunkt Insektenkunde hat sich Prof. Dr. Claus Zebitz von der Uni Stuttgart-Hohenheim auch mit dem Buchsbaumzünsler beschäftigt. Er lässt den Wissenschaftler auch im Ruhestand nicht los. So hat er für die Frage, warum von Zünslerraupen angefressene Buchsbäume im Folgejahr keinen Befall mit den Schädlingen zeigen, eine Vermutung parat: „Da der Buchsbaum selbst durch Alkaloide sehr giftig ist, könnte durch den Befall im Vorjahr im Folgejahr eine veränderte Alkaloid-Produktion die Anfälligkeit für einen Wiederbefall durch den Buchsbaumzünsler verringern. Untersuchungen dazu gibt es leider noch nicht“, bedauert der Forscher. Dagegen hat der Insektenkenner Karl-Heinz ­Jelinek aus Köln eine simple Erklärung für den Rückgang des Schadfalters. Jelinek, der den Landesfachausschuss Insektenkunde beim Naturschutzbund NABU in NRW leitet, kommt zu folgender Diagnose: „Auch ich habe im Jahr 2019 erheblich weniger Buchsbaumzünsler beobachtet. Allerdings finde ich auch kaum noch Buchsbäume, sodass man vermuten kann, dass den Raupen inzwischen die Nahrungsgrundlage entzogen wurde.“