Mehr Vielfalt bei Pflanzen und Tieren

Artenschutz: Mehr Wildpflanzen auf dem Hofgelände

Landwirt Ernst-August Sentker aus Lemgo sorgt für Insektennahrung und Vogelverstecke auf seinem Hof. Ein gutes Beispiel für die momentan laufende "Aktion Artenschutz" auf wochenblatt.com

Dass etwas Gutes verkommen könnte, ist den Menschen in Lippe ein Dorn im Auge. Ernst-August Sentker lebt diese Achtsamkeit auch in kleinen Dingen. Und so griff der Landwirt aus Lemgo kurz entschlossen ein, als kürzlich vor seinen Augen eine wertvolle Wildpflanze in Gefahr geriet. „Die habe ich vorm Unterpflügen gerettet“, berichtet der 75-jährige Naturliebhaber und präsentiert einen blau blühenden Natternkopf. Das hübsche Gewächs gedeiht an mageren, trockenen Wegrändern und ist ein hochwertiger Nektarlieferant für Bienen und Schmetterlinge. Der Landwirt will die Pflanze auf seinem Hof ansiedeln. Hier wünscht er sich mehr Artenvielfalt.

Statt Rasen: Rote Lichtnelken, ­Johanniskraut und Margeriten haben sich im Garten von allein ausgesät. (Bildquelle: Laarmann)

Als Landwirt im NABU

„Früher war ich auch mal im NABU“, blickt der gestandene Bauer zurück. Doch als die Auseinandersetzungen zwischen Naturschützern und Landwirten an Schärfe zunahmen, zog sich Ernst-August Sentker auf seinen Hof zurück. Auf dem Nebenerwerbsbetrieb, den er an seinen Sohn Dirk übergeben hat, geht Sentker senior seiner gärtnerischen Passion nach. „Obstbäume zu veredeln, das habe ich mir vor vielen Jahren von einem Gärtner in der Nachbarschaft abgeguckt. Inzwischen habe ich auf meinen Bäumen 50 Apfelsorten“, berichtet er stolz.

Als er das Veredeln aus dem Effeff beherrschte, kam ein neues Projekt: Wildpflanzen retten und Insektennahrung anbauen. So blühen im hohen Gras hinter dem Haus Margeriten, Johanniskraut und Rote Lichtnelken, die von Tagfaltern geschätzt werden. Aber das ist dem Naturliebhaber nicht genug. In seinem Gewächshaus zieht er momentan Stecklinge von drei verschiedenen Taubnesseln auf. Auch einen Stechapfel, der als Nahrung für Nachtfalter dient, hat er hier bis zur Blüte aufgepäppelt.

Hummeltankstellen

Da das Gartengrundstück kaum noch Platz für Experimente bietet, ist Sentker inzwischen auf ein angrenzendes Feld ausgewichen und sät hier in bunter Mischung Blumen und Gräser aus. Mit den verschiedenen Pflanzen stellt sich die ersehnte Vielfalt an Vögeln und ­Insekten ein. Der Landwirt bietet spezielle Lebensräume für die ­Tiere: Er stapelt Totholz im Gras, schichtet Feldsteinhaufen auf und sorgt für freie Lehm- und Erdflächen zum Nisten. Zusätzlich kauft der Hobbygärtner hin und wieder Sommerblumen und Stauden, die als insektenfreundlich gelten. Die Investitionen lohnen sich für den sparsamen Lipper immer. Denn er kann zu jeder Pflanze eine schöne Geschichte erzählen: „Schauen Sie, eine Kokardenblume“, sagt er und zeigt auf eine Pflanze mit orange-gelben Blütenkörbchen. „In den Blüten schlafen die Hummeln. Wie auf einer Tankstelle liegen sie da. Morgens stärken sie sich am Nektar und fliegen dann los.“

Ernst-August-Sentker mit seiner geretteten Natternkopf-Pflanze. Sie gilt als wertvoller Nektarspender für Insekten (Bildquelle: Laarmann)

Mitmachen: Aktion Artenschutz bis 9. Juli

Landwirte engagieren sich auf vielfältige Weise für den Artenschutz. Das Wochenblatt will das Engagement sichtbar machen. Machen Sie mit bei unserem Fotowettbewerb "Aktion Artenschutz"und senden Sie uns Fotos, die zeigen, wie Sie sich für den Artenschutz engagieren.

Mehr dazu:

Aktion Artenschutz

„Wir können Artenschutz – und zeigen es“

vor von Wochenblatt-Redaktion

Beim Artenschwund wird schnell Richtung Landwirtschaft gezeigt. Dabei engagieren sich Landwirte auf vielfältige Weise für den Artenschutz – oft unbemerkt von der Öffentlichkeit. Wir machen die...