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NRW-Landeswettbewerb

Fünf Mal Gold für Dörfer im Land

Am Sonntag wurden auf Haus Düsse die Landessieger des Wettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“ bekanntgegeben. Insgesamt 580 Dörfer haben teilgenommen – so wenig wie seit 50 Jahren nicht mehr.

Der Jubel war groß, als Kammerpräsident Karl Werring (rechts) und Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser die Sieger bekanntgaben.

Eine traumhafte Lage im Eggegebirge, ein Schloss in der Nähe, ein Eisenbahn-Viadukt und eine sehr lebendige Dorfkultur – das ist Himmighausen, ein 450 Einwohner zählendes Dorf bei Nieheim im Kreis Höxter. Seit Sonntag darf sich Himmighausen das „schönste Dorf in Nordrhein-Westfalen“ nennen. Denn unter allen fünf Gold-Siegern des diesjährigen Wettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“ hat Himmighausen auf Landesebene die meisten Punkte erhalten. Das wurde am Sonntag bekannt, als die Landwirtschafts- und Umweltministerin Ursula Heinen-Esser auf Haus Düsse bei Ostinghausen, Kreis Soest, die Landessieger des Wettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“ bekannt gab.

Himmighausen bei Nieheim, Kreis Höxter, erhielt die meisten Punkte im Wettbewerb.

Als zweites neues Golddorf in Westfalen ist das rund 120 Einwohner zählende Sögtrop im Sauerland ausgezeichnet worden. Das „Dörfchen“ mit gerade einmal 33 Häusern und einer überaus lebendigen Verinskultur liegt nördlich von Schmallenberg im Hochsauerlandkreis. Im Rheinland wurden mit Gold die Dörfer Louisendorf und Schaephuysen (beide im Kreis Kleve) sowie Lückert bei Hennef im Rhein-Sieg-Kreis ausgezeichnet.

33 Häuser und eine Kapelle - das ist Sögtrop im Sauerland.

Auf Haus Düsse wurden außerdem die Gewinner von 25 Auszeichnungen in Silber und 14 in Bronze bekannt gegeben. Die fünf nordrhein-westfälischen „Golddörfer“, wie sie sich nun nennen dürfen, haben sich damit für den Entscheid auf Bundesebene qualifiziert, der im kommenden Jahr ausgetragen wird.

Was wird da ausgezeichnet?

Seit 1961 findet der Wettbewerb statt, damals noch unter dem Slogan „Unser Dorf soll schöner werden“, seit 1997 unter dem Motto „Unser Dorf hat Zukunft“. Der Wettbewerb wird im Drei-Jahres-Rhythmus durchgeführt: zunächst auf Kreisebene, im Folgejahr auf Landesebene und wiederum ein Jahr später auf Bundesebene.

Der Wettbewerb zeichnet schon lange nicht mehr die schönsten Betonblumenkübel und die bestgeharkten Vorgärten aus. Die rund 30-köpfige Bewertungskommission, die im Juni und Juli dieses Jahres die teilnehmenden Dörfer in Nordrhein-Westfalen besichtigt hat, schaute vor allem auf die folgenden Themen:

  • Die Gestaltung der Gebäude, Wege- und Freiflächen,
  • die Erhaltung der prägenden Bausubstanz,
  • das bürgerschaftliche Engagement etwa zugunsten der wirtschaftlichen Entwicklung, zum Erhalt von Geschäften und Gemeinschaftseinrichtungen oder der Sicherung von Arbeitsplätzen,
  • das soziale und kulturelle Leben im Dorf,
  • die Einbindung der Dörfer in die Landschaft, etwa durch Bewirtschaftung und Entwicklung charakteristischer Landschaftsbestandteile;
  • Maßnahmen zum Biotop- und Artenschutz.

Der Bewertungskommission gehören Vertreter der Landwirtschaftskammer, der beiden Landwirtschaftsverbände, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und der Landfrauen an, außerdem Vertreter aus Gartenbau, Kommunen, Denkmalpflege, Tourismus sowie der Heimatvereine.

Dramatischer Rückgang der teilnehmenden Dörfer

An der nun abgeschlossenen 26. Auflage des Wettbewerbes haben auf Landesebene 580 Dörfer teilgenommen. Das ist der niedrigste Stand seit 1967 – und ein Drittel (!) weniger als noch beim letzten Landeswettbewerb vor drei Jahren mit mehr als 850 Dörfern. In seinen besten Zeiten hat der Wettbewerb auf Landesebene noch rund 1300 teilnehmende Dörfer gezählt.

Dieser dramatische Rückgang hat viele Ursachen. So können nur Dörfer mit weniger als 3000 Einwohnern teilnehmen. Orte mit wachsender Einwohnerzahl sind also ausgeschlossen. Hinzu kommt, dass die Teilnahme häufig am Engagement von Heimat- oder Dorfvereinen hängt. Diese Vereine aber haben vielerorts mit Überalterung und schrumpfenden Mitgliederzahlen zu kämpfen und können die Mühen der Teilnahme nicht schultern.