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Schafe fressen fremde Äpfel Digital Plus

Als Wanderschäfer ziehe ich mit meiner Herde über fremde Flächen. Teils sind die Landwirte Pächter. Sie haben nichts dagegen, dass meine Schafe die unter den Bäumen liegenden Äpfel fressen, sie würden sonst vergammeln. Doch jetzt wirft mir ein Verpächter Diebstahl vor. Darf ich die Fläche nicht nutzen, wenn der Pächter „Ja“ sagt?

Weiden die Schafe eines Wanderschäfers Pachtflächen ab, dürfen sie das heruntergefallene Obst nicht ohne Weiteres fressen.

Die Wanderschäferei ist rechtlich umstritten. Jedenfalls handelt es sich selten um einen Landpachtvertrag im klassischen Sinn. Hier wird die Nutzungsüberlassung landwirtschaftlicher Flächen mit Fruchtziehungsbefugnis gegen Entgelt vereinbart. In der Regel erhält derjenige, der die Flächen überlässt, vom Wanderschäfer auch kein Entgelt bzw. der Wanderschäfer erhält kein „Pflegeentgelt“. Die Rechtsprechung hat die Verträge der Wanderschäferei als Verträge eigener Art, die nicht im BGB geregelt sind, einklassifiziert. D

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Die Wanderschäferei ist rechtlich umstritten. Jedenfalls handelt es sich selten um einen Landpachtvertrag im klassischen Sinn. Hier wird die Nutzungsüberlassung landwirtschaftlicher Flächen mit Fruchtziehungsbefugnis gegen Entgelt vereinbart. In der Regel erhält derjenige, der die Flächen überlässt, vom Wanderschäfer auch kein Entgelt bzw. der Wanderschäfer erhält kein „Pflegeentgelt“. Die Rechtsprechung hat die Verträge der Wanderschäferei als Verträge eigener Art, die nicht im BGB geregelt sind, einklassifiziert. Diese Verträge haben ganz überwiegend dienst- oder werkvertraglichen Charakter. Unabhängig von der Frage, was Wanderschäferei rechtlich genau ist, steht die Vereinbarung zwischen dem Eigentümer und dem Pächter der Flächen in Ihrem Fall im Vordergrund. Eigentümer und Pächter haben einen Pachtvertrag geschlossen, der Regelungen zur Unterverpachtung bzw. Weiternutzung der Flächen vorsehen kann, aber nicht muss. Fehlen solche Regelungen in einem schriftlichen Landpachtvertrag, gilt § 589 BGB. Er bestimmt, dass der Pächter ohne Erlaubnis des Verpächters nicht berechtigt ist, die Nutzung der Pachtsache einem Dritten zu überlassen, selbst dann, wenn die Überlassung an den Dritten selber keine Weiterverpachtung ist. Es spricht also viel dafür, dass der Pächter ohne Einverständnis des Eigentümers Ihnen das Betretensrecht nicht aussprechen kann, es sei denn, dem Pächter ist dies im Pachtvertrag gestattet worden. Allerdings kann auch der Verpächter nicht direkt von Ihnen verlangen, die Flächen mit den Schafen nicht zu betreten. Der Verpächter könnte höchstens dem Pächter die Fläche kündigen, wenn der Pächter gegen seine Pflichten verstößt. Gegebenenfalls kann der Eigentümer auch Schadenersatz verlangen. (Folge 48-2018)