Warum Honigbienen „Bärte“ bilden

Unsere Honigbienen zeigten in den vergangenen Tagen ein ungewöhnliches Verhalten: Sie hingen in Massen vor dem Eingang der Bienenbeute. Was mag der Grund dafür sein?

Dieses Phänomen kennen ältere Imker noch sehr gut. Es handelt sich um alte, arbeitslose Sammelbienen, die sich vor der Beute aufhalten und solche „Bienenbärte“ bilden, die wie bei Ihnen große Ausmaße annehmen können.

In den heutigen, modernen hohen Unterböden halten sich diese Sammlerinnen meist unter dem Wabenbau in dem Hohlraum des Beutenbodens auf und werden daher selten beobachtet. Da es in den vergangenen Tagen sehr heiß war und diese arbeitslosen Tiere im Wabenbau nur überschüssige Wärme produzieren würden, weichen sie nach außen aus und hängen sich am Beuteneingang auf.

Auch den Honigbienen ist es zu heiß. Und sie müssen viel Energie aufbringen, um das Beuteninnere zu kühlen. Hierzu benötigen sie Wasser, dass sie auf den Wabenrändern verteilen, um die Verdunstungskälte zum Kühlen der Waben zu nutzen. Gleichzeitig wird durch Flügelfächeln für einen ständigen Luftstrom gesorgt, sodass feuchte, warme Luft nach außen transportiert und durch trockene, hoffentlich kühlere Luft ersetzt wird. Das Fächeln erzeugt durch die Aktivität der Flugmuskeln aber auch wieder Wärme. Daher fächeln die Bienen meist auch außerhalb der Beute auf dem ­Flugbrett.

Doch was kann der Imker tun, um seinen Bienen die heiße Jahreszeit erträglicher zu machen? Wichtig ist eine Bienentränke in direkter Nähe zum Bienenstock (10 bis 50 m). Das kann eine künstliche Tränke sein, die mit Schwimmhilfen für Bienen ausgestattet ist und immer peinlich sauber gehalten werden muss sowie ein Teich, Bach oder Flusslauf. Hier ist es wichtig, dass die Bienen Landemöglichkeiten haben: kleine Steine, flache, sandige Ufer sowie Algen oder Moos helfen den Wassersammlerinnen hier sehr.

Die künstliche Bienentränke darf nie austrocknen und muss, um die Verbreitung von Bienenkrankheiten (wie Amerikanische Faulbrut oder Nosema) zu vermeiden, regelmäßig gesäubert werden.

Darüber hinaus sollten die Bienen jetzt nicht der prallen Sonne ausgesetzt sein, sondern einen Standplatz haben, der vor allem zur Mittagszeit Schatten bietet. Der Standplatz sollte zudem luftig sein und einen kühlenden Windzug zulassen. Bienen auf Dächern mit Dachpappe als Untergrund leiden jetzt besonders stark unter der Hitze.

Wichtig ist, dass das Flugloch auf der gesamten Breite offen ist und so genügend Platz für die fächelnden Bienen und damit für den Austausch der heißen Stockluft bietet.

Natürlich stellt sich auch die Frage, ob im Volk ausreichend Platz ist. Zu Problemen kann es kommen durch zu viele Bienen auf zu wenig Waben, Honig- oder Futtervorräte, die das Brutnest einschränken, eine zu kleine Beute oder ein zu kleines Flugloch. Hier sollte der Imker für Raum und Leerwaben sorgen.

Bienenbärte zeigen nach einer guten Nahrungsversorgung der Bienen mit Nektar und Honigtau auch das Ende der Trachtzeit an. Viele Sammelbienen sind nun arbeitslos und vertreiben sich die Zeit vor der Beute. Hier werden sie leicht von Wespen und Hornissen erbeutet. Dies ist jedoch kein Problem für die Bienenvölker, da zu dieser Jahreszeit die starken Sommervölker mit mehr als 40  000 Bienen auf ihre Überwinterungsstärke von unter 15  000 bis 10  000 Tiere zurückgehen. Wespen und Hornissen schöpfen hier also nur den ohnehin abgehenden Überschuss an alten Bienen ab.


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