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Mistkäfer nicht bekämpfen Digital Plus

Auf unseren Pferdeweiden finden wir immer wieder diese mitgesandten Käfer. Sie buddeln sich kopfüber in die Erde ein. Um welche Käfer handelt es sich? Müssen wir sie bekämpfen?

Die von Ihnen vorgelegte Probe enthielt zwei Mist- oder Rosskäfer der Art Geotrupes stercorarius (Linné). Diese Art aus der Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) wird auch als Gemeiner Mist- oder Großer Rosskäfer bezeichnet und erreicht mit 16 bis 25 mm eine ganz ansehnliche Größe. Oberseits sind diese Mistkäfer dunkel schwarz bis gelegentlich schwarzblau, die Unterseite glänzt demgegenüber metallisch bläulich oder violett. Die Tiere sind schwarz behaart und weisen auf dem Kopfschild einen typischen Höcker auf. Durch Reiben der Hinterhüften können die Käfer bestimmte Zirptöne erzeugen.

An windstillen Abenden können die Tiere schwärmen und mit einem brummenden Ton dicht über die Erde fliegen. So finden sie frische...

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Die von Ihnen vorgelegte Probe enthielt zwei Mist- oder Rosskäfer der Art Geotrupes stercorarius (Linné). Diese Art aus der Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) wird auch als Gemeiner Mist- oder Großer Rosskäfer bezeichnet und erreicht mit 16 bis 25 mm eine ganz ansehnliche Größe. Oberseits sind diese Mistkäfer dunkel schwarz bis gelegentlich schwarzblau, die Unterseite glänzt demgegenüber metallisch bläulich oder violett. Die Tiere sind schwarz behaart und weisen auf dem Kopfschild einen typischen Höcker auf. Durch Reiben der Hinterhüften können die Käfer bestimmte Zirptöne erzeugen. An windstillen Abenden können die Tiere schwärmen und mit einem brummenden Ton dicht über die Erde fliegen. So finden sie frische Kothaufen von Pflanzenfressern, unter denen die überwinternden Männchen und Weibchen im Frühjahr ihre bis zu 40 cm tiefen Gänge graben. In die Nebenkammern der Gänge tragen die Weibchen zu einer Pille geformten Mist ein und legen darauf jeweils ein Ei ab. Der Gang wird noch mit weiterem Dungproviant ausgestattet und zum Hauptgang mit einer Lehmwand verschlossen. Von dem Dungvorrat ernähren sich die Larven, deren Entwicklung ein gutes Jahr beansprucht. Die Jungkäfer erscheinen von Ende Juni bis Oktober und überwintern dann. Der Gemeine Mistkäfer gilt bei uns in Mittel­europa als häufig vorkommende Art, die allerdings, möglicherweise bedingt durch geänderte Formen der Beweidung, im Rückgang begriffen sein soll. Eine Bekämpfung des Mistkäfers ist nicht erforderlich. Ganz im Gegenteil, für eine erfolgreiche Weidewirtschaft ist die Tätigkeit der verschiedenen Mist- und Dungkäfer von erheblicher Bedeutung. Denn diese Insekten tragen ganz wesentlich zum Abbau der Kuhfladen und Pferdeäpfel bei und halten so die Weide „in Ordnung“. In Australien, wo in der ursprünglichen Tierwelt große rinderartige Pflanzenfresser fehlten, entwickelte sich im Laufe der Evolution eine Dungkäferfauna, die an den Kot von Kängurus angepasst war. So wurden die Kuhfladen, der von den Europäern eingeführten Rinder zunächst kaum oder nur sehr langsam abgebaut. Dieses Problem konnte erst durch das Einführen von Mistkäfern aus Südafrika gelöst werden. Darüber hinaus ist der Gemeine Mistkäfer ein naher Verwandter des Pillendrehers, der im alten Ägypten als Skarabäus verehrt wurde. Sie sollten sich also freuen, dass diese bemerkenswerten Tiere Ihre Pferdeweiden sauber halten.