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Frau und Tochter nicht wirtschafts­fähig? Digital Plus

Ich besitze einen Hof (Höfeordnung), den ich mit dem Nachbarn in einer GbR bewirtschafte. Für den Todesfall habe ich meine Frau als Alleinerbin eingesetzt. Wir haben eine Tochter. Beide, Frau und Tochter, haben keine landwirtschaftliche Ausbildung. Nur mein Neffe ist Landwirt. Könnte er, falls ich sterbe, den Hof fordern?

Grundsätzlich gilt: Der Hoferbe muss wirtschaftsfähig sein. Doch bei der Ver­erbung des Hofes an den überlebenden Ehegatten gilt dies nicht.

Richtig ist, dass nach § 7 Abs. 1 Satz 2 Höfeordnung zum Hoferben nur bestimmt werden kann, wer wirtschaftsfähig ist. Der Hoferbe muss also „nach seinen körperlichen und geistigen Fähigkeiten, seinen Kenntnissen und seiner Persönlichkeit in der Lage sein, den von ihm zu übernehmenden Hof selbstständig ordnungsmäßig zu bewirtschaften“. Jedoch gelten hier zwei Ausnahmen: Bei der Vererbung an den überlebenden Ehegatten wird eine Wirtschaftsfähigkeit nicht gefordert, und eine Vererbung an einen nicht wirtschaftsfähigen Ab

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Richtig ist, dass nach § 7 Abs. 1 Satz 2 Höfeordnung zum Hoferben nur bestimmt werden kann, wer wirtschaftsfähig ist. Der Hoferbe muss also „nach seinen körperlichen und geistigen Fähigkeiten, seinen Kenntnissen und seiner Persönlichkeit in der Lage sein, den von ihm zu übernehmenden Hof selbstständig ordnungsmäßig zu bewirtschaften“. Jedoch gelten hier zwei Ausnahmen: Bei der Vererbung an den überlebenden Ehegatten wird eine Wirtschaftsfähigkeit nicht gefordert, und eine Vererbung an einen nicht wirtschaftsfähigen Abkömmling ist möglich, wenn sämtliche Abkömmlinge wegen Wirtschaftsunfähigkeit ausscheiden und auch ein wirtschaftsfähiger Ehegatte nicht vorhanden ist. Somit kann Ihre Ehefrau den Hof von Ihnen erben. Bei ihr wird nicht geprüft, ob sie wirtschaftsfähig ist. Auch die dann nachfolgende Erbschaft des Hofes durch Ihre Tochter von Ihrer Ehefrau ist möglich, denn Sie als wirtschaftsfähiger Ehegatte wären dann ja bereits vorverstorben. Selbst für den Fall des Vorversterbens Ihrer Ehefrau gelingt die Erbschaft durch Ihre Tochter, denn auch dann wäre ein wirtschaftsfähiger Ehegatte ja nicht mehr vorhanden. Als Abkömmling wäre nur ihre einzige Tochter vorhanden, sodass eine Erbschaft im Sinne der Höfeordnung möglich ist. Dies aber setzt voraus, dass Sie Ihre Tochter zum Beispiel in einem Testament als Alleinerbin bestimmen. Sie sollten in einem solchen Fall überlegen, ob Sie den Hofvermerk löschen lassen. Offenbar sind weichende Erben, denen möglicherweise hohe Pflichtteilsansprüche nach dem Verkehrswert des Hofes zustehen könnten, nicht vorhanden. Den Schutz der Höfeordnung benötigen Sie in einem solchen Fall nicht unbedingt. In einem solchen Fall sollten Sie die Löschung des Hofvermerkes in Betracht ziehen. (Folge 42-2019)