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Blühpflanzen im Herbst für Bienen? Digital Plus

Frühe Aussaat und hohe Temperaturen haben die Entwicklung der Zwischenfrüchte beschleunigt. So steht manches Senf- und Ölrettichfeld in voller Blüte. Ist dies aus Sicht der Imker wünschenswert? Benötigen Honigbienen im Herbst überhaupt noch Blühpflanzen? Und wenn ja, welche? Unser Imker vor Ort hat seine Bienen bereits eingefüttert.

Blühender Gelbsenf sieht schön aus. Es kommt jedoch zu einer schnellen Kristallisation des Nektars in den Waben – schlecht für Honigbienen.

Diese Anfrage ist interessant und passt in die Klimadiskussion. Früher war am 15. Juli nach der Silberlindenblüte – einer sehr ergiebigen und wichtigen Tracht für die Bienen – Trachtschluss und der Imker winterte seine Bienenvölker ein. Das heißt, er korrigierte den Wabensitz und fütterte den notwendigen Wintervorrat von rund 20 kg Futter ein. Die Winterruhe der Völker begann. Aufgrund der Klimaerwärmung haben wir eine Trachtverlängerung in den Herbst hinein und der Imker kann kaum noch einschätzen, wie viel Futter seine Völker benötigen werden. Die Winter sind milder und viele Völker brüten durch und benötigen dazu nat

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Diese Anfrage ist interessant und passt in die Klimadiskussion. Früher war am 15. Juli nach der Silberlindenblüte – einer sehr ergiebigen und wichtigen Tracht für die Bienen – Trachtschluss und der Imker winterte seine Bienenvölker ein. Das heißt, er korrigierte den Wabensitz und fütterte den notwendigen Wintervorrat von rund 20 kg Futter ein. Die Winterruhe der Völker begann. Aufgrund der Klimaerwärmung haben wir eine Trachtverlängerung in den Herbst hinein und der Imker kann kaum noch einschätzen, wie viel Futter seine Völker benötigen werden. Die Winter sind milder und viele Völker brüten durch und benötigen dazu natürlich deutlich mehr energiereiche Nahrung als in kalten Wintern. Füttert der Imker zu viel ein, verhonigen die Völker und die Bienen sitzen auf kalten verdeckelten Futterwaben, die sie kaum erwärmen können. Das heißt: Auch im Winter benötigen die Bienen leere Wabenbereiche, auf denen sie ihre Wintertraube bilden können. Zwischenfrüchte und Bienenweiden, die später als September blühen, werden von Honigbienen intensiv genutzt, wenn Außentemperaturen und Sonnenschein dies gestatten. Gerade Gelbsenf und Ölrettich führen jedoch zu einer schnellen Kristallisation des Nektars in den Waben. Das erschwert den Bienen die Aufnahme dieses Futters im Winter. Denn sie benötigen Wasser, um das kristallisierte Futter aufzulösen. Auf kristallisierten Honigwaben können Bienen im Winter bei ungünstiger Witterung verhungern. Späte Zwischenfrüchte sind auch keine Bienenweide für Wildbienen und andere Bestäuber, da sich diese Insekten meist schon zur Überwinterung zurückgezogen haben. Die Klimaerwärmung ist übrigens auch ein Grund für die höhere Sterblichkeit der Bienenvölker im Winter: Stellt die Königin das Brutgeschäft im Winter nicht ein und unterhält sie weiterhin ein kleines Brutnest, so ist diese geringe Brutfläche je nach Varroabefall sehr stark parasitiert. Brutstopp im Winter führt dagegen zu einer deutlichen Reduktion der Milben im Volk. Die Klimaerwärmung führt also zu einem Umdenken und einer Neuorientierung in den Betriebsweisen der Imkerei. (Folge 38-2019)