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Baumrinde verliert Feuchtigkeit Digital Plus

Unser Maulbeerbaum zeigte im vergangenen Jahr fast nur kleine Blätter, die er vereinzelt auch nicht bis in die Triebspitzen ausgebildet hatte. Vermutlich hat er unter der Trockenheit gelitten. Im Winter habe ich ihn mindestens um ein Drittel zurückgeschnitten. Das Blattwerk ist dieses Jahr normal ausgefallen, regelmäßig gegossen habe ich ihn auch. Jetzt hat er seit Juli einen Pilzbefall mit Schleimaustritt. Wie kann ich den Baum erhalten?

Wassermangel verlangsamt die Wundheilung der Gehölze. Darum werden Schnittwunden schnell zu Eintrittspforten für Pilzerreger.

Die Trockenheit 2018 (und dann auch folgend im Jahr 2019) hat vielen Bäumen in den Wäldern – aber auch im Gartenbereich – zugesetzt und zu direkten Schäden bzw. zu Vorschäden (Prädisposition) geführt. In diesem Fall hat der Maulbeerbaum mit kleinen Blättern gezeichnet und war zudem nicht voll belaubt. Der winter­liche Rückschnitt diente zwar zunächst der Pflanzenstärkung, hat aber vermutlich im Frühjahr 2019 – einhergehend mit zunehmender Bewässerung durch den Gartenbesitzer – zu einem Pilzbefall geführt. Die Bilder zeigen einen Schichtpilz oder Ähnliches, tatsächlich kann es auch einfacher Schleimfluss sein. Dieser tritt am Maulbeerbaum häufig nach intensiven Schnittwunden auf. Schleimfluss-Symptome an Bäumen sind schwierig einzuordnen. Lange Zeit wurden sie in erster Linie mit ­Phytophthora, einer Gruppe pflanzenschädigender Eipilze, assoziiert. Heute erkennt man zunehmend weitere Ursachen für die ­beobacht

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Die Trockenheit 2018 (und dann auch folgend im Jahr 2019) hat vielen Bäumen in den Wäldern – aber auch im Gartenbereich – zugesetzt und zu direkten Schäden bzw. zu Vorschäden (Prädisposition) geführt. In diesem Fall hat der Maulbeerbaum mit kleinen Blättern gezeichnet und war zudem nicht voll belaubt. Der winter­liche Rückschnitt diente zwar zunächst der Pflanzenstärkung, hat aber vermutlich im Frühjahr 2019 – einhergehend mit zunehmender Bewässerung durch den Gartenbesitzer – zu einem Pilzbefall geführt. Die Bilder zeigen einen Schichtpilz oder Ähnliches, tatsächlich kann es auch einfacher Schleimfluss sein. Dieser tritt am Maulbeerbaum häufig nach intensiven Schnittwunden auf. Schleimfluss-Symptome an Bäumen sind schwierig einzuordnen. Lange Zeit wurden sie in erster Linie mit ­Phytophthora, einer Gruppe pflanzenschädigender Eipilze, assoziiert. Heute erkennt man zunehmend weitere Ursachen für die ­beobachteten Symptome. Feuchtigkeitsaustritt an Bäumen ist keine Seltenheit. Inzwischen ist klar, dass es sich in den meisten Fällen um komplexe Krankheitsbilder handelt. Schleimfluss wird durch verschiedene Mechanismen ausgelöst. Während einige Organismen bei einer Infektion alleiniger Auslöser des Schleimflusses sind, scheinen bei vielen anderen Bakterien mitzuwirken. Wenn diese unter die Rinde gelangen, vermehren sie sich und fermentieren, wodurch das Holz aufgeweicht wird und Kohlendioxid entsteht. Das Gas erzeugt Druck im Holz, der Saft wird durch Risse an die Oberfläche gedrückt, wo sich zahlreiche Mikroorganismen ansiedeln und durch ihre Vermehrung bewirken, dass er zähflüssiger und schleimiger wird. Zunehmend erkennt man die Bedeutung von abiotischem Stress wie Trockenheit, Frost oder Hitze als Faktor, der die Bäume anfällig für Krankheiten macht. Auch Bakterien werden vermehrt als Krankheitserreger nachgewiesen. Insgesamt zeichnet sich ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren und Schaderreger ab, wie es für komplexe Krankheitsbilder typisch ist. Wie genau die einzelnen Faktoren aufeinander wirken, ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. Schleimfluss ist dabei ein Symptom von vielen. Die Schichtpilze (Stereum) sind eine Gattung, deren Fruchtkörper auf Holz wachsen. Sie spielen eine Rolle als Zersetzer von Holz, einzelne Arten können aber auch parasitär an lebenden Bäumen auftreten und Nutzholz bei langer Lagerung entwerten. Es wird immer mehr dazu geraten, die beim Baumschnitt entstehenden Baumwunden nicht zu verschließen, sondern auf die natürlichen Selbstheilungskräfte von Bäumen zu setzen. Die Pflanzen bilden nach dem Schnitt den sogenannten Kallus, ein natürliches Wundgewebe, das die Wunde verschließt. (Trockenheits-)geschwächte Pflanzen haben es bei dieser Selbstheilung wesentlich schwerer. Ein weiterer Rückschnitt von Ästen hilft in diesem Fall nicht, da der Stamm selbst die Symptome zeigt. Regelmäßiges, nicht übermäßiges Gießen und Düngergaben stärken die Baumvitalität – andere Maßnahmen können derzeit nicht empfohlen werden. Nur eine genaue Probe hilft in diesem Fall zur Unterscheidung Schichtpilz bzw. Schleimfluss. (Folge 43-2019)