Wo bin ich: > Startseite  > Rubriken  > Kommentar

KOMMENTAR

Bärendienst für die Bienen

Josef Große Enking

Wieder ein Schlag gegen die Landwirtschaft: Ab dem 1. Dezember 2013 dürfen die drei Neonicotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam in Sonnenblumen, Raps, Mais und Baumwolle nicht mehr eingesetzt werden. Es ist damit zu rechnen, dass die EU-Komission ein zweijähriges Anwendungsverbot ausspricht.

Das wirklich einzig Positive an der Entscheidung ist, dass der Termin nach hinten verschoben wurde und die Produkte in diesem Jahr im Raps noch eingesetzt werden können. Zunächst war der 1. Juli geplant. Bereits gebeizte Ware hätte dann als Sondermüll für viel Geld entsorgt werden müssen. In Züchterkreisen spricht man von 1.800 €/t.

Ein Verbot lässt sich fachlich nur schwer begründen. Keine Frage, Bienen müssen geschützt werden. Zahlreiche Studien zeigen aber, dass nicht die Neonicotinoide, vorausgesetzt sie werden richtig angewandt, ursächlich für den Verlust vieler Bienenvölker sind. Vielmehr schwächen die Varroa-Milbe, der Befall mit Viren und das eingeschränkte Nahrungsangebot die Völker. Die Ergebnisse des Deutschen Bienenmonitorings bestätigen dies: In über 500 Proben von Bienenbrot wurden lediglich in drei Fällen minimale Rückstände von  Neonicotinoiden gefunden.

Auch die Züchter haben 2008 nach Auftreten des Bienensterbens schnell reagiert: Beizstaubabrieb am Saatgut tritt durch bessere Inkrustierungsverfahren nicht mehr auf, Beizanlagen wurden zertifiziert und beim Mais werden nur noch modifizierte Sägeräte eingesetzt.

Keine Alternativen zur Rapsbeizung

Die Rapsanbauer trifft es hart. Das Verbot kostet in jedem Fall Ertrag, bedeutet mehr Überfahrten mit Insektiziden, einen höheren Kontrollaufwand für den Landwirt und geht – besonders schlimm – auf Kosten der Umwelt und der Bienen! Denn für die Rapsbeizung gibt es keine Alternativen. Ab 2014 ist der Rapserdfloh nur mit zusätzlichen Flächenspritzungen mit Pyrethroiden im Herbst zu bekämpfen. Nicht nur, dass damit deutlich mehr Wirkstoff ausgebracht wird als mit der punktgenauen Beizung des Saatkorns, auch Nützlinge werden von den Spritzungen betroffen sein. Es ist zudem eine Frage der Zeit, bis sich durch den vermehrten Einsatz einer Wirkstoffgruppe Resistenzen wie beim Rapsglanzkäfer ausbilden werden. Erste Ergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern deuten bereits darauf hin.

Die Kohlfliege ist überhaupt nicht mehr zu bekämpfen. Bisher bestand zumindest eine Teilwirkung, die ausreichte, um größere Schäden zu verhindern. Noch verursacht die Fliege in Nordrhein-Westfalen nur geringe Schäden. Schaukelt sich der Schädling aber hoch, wie in Schleswig-Holstein schon geschehen, erschwert es den Rapsanbau erheblich. Den Bienen würde damit eine wichtige Nahrungsgrundlage entzogen. Damit hätte man nicht nur den Landwirten, sondern auch den Bienen, die durch das Verbot geschützt werden sollten, einen Bärendienst erwiesen.

 

 

zurück

Anmelden

 

STARTklar

Unsere neue Rubrik für junge Leser mit Tipps rund ums Berufsleben und spannenden Blogbeiträgen.